Achilles' Ferse: Nehmt dem Mann den Hammer weg!

Marathonläufer hassen diesen Moment. Plötzlich sind die Beine so schwer, dass man glaubt, gleich in den Asphalt einzusinken. Was dagegen hilft? Achim Achilles und sein Team haben da einen guten Rat. Mit einem Powerriegel ist es allerdings nicht getan.

Lieber Achim,

was ist von Kohlehydrat-Gels zu halten? Der Verkäufer im Fachgeschäft sagte mir, die geben für die letzten Kilometer sofort Schub. Wenn das so einfach ist, warum leiden dann so viele Läufer unter dem "Mann mit dem Hammer" (Damit ist gemeint, dass Läufer beim Marathon oder anderen langen Rennen einen körperlichen Einbruch erleben; die Red.)?
Alexander

Erschöpfte Läuferin: Falsches Anfangstempo kann gefährlich sein
AP

Erschöpfte Läuferin: Falsches Anfangstempo kann gefährlich sein

Lieber Alexander,
Training geht immer vor. Das verhindert den "Mann mit dem Hammer" am besten. Wichtig ist, das Rennen so anzugehen, dass man es auch wirklich durchstehen kann. Der beste Profi schafft es, bei der Hälfte zusammenzubrechen, wenn er ein falsches Anfangstempo wählt. Also: Das Wichtigste ist immer ein gut betreutes Training, einen Trainer zu haben, der Dir den richtigen Trainingsplan aufstellt. Die Kohlehydrat-Gels machen aber wirklich Sinn, vor allem bei schwereren Läufern, die auch länger unterwegs sind. Was aber meist vergessen wird: Diese Kohlehydrat-Zufuhr muss schon mal im Training geübt werden, denn Mägen reagieren nun mal sehr unterschiedlich, vor allem nach zwei, drei Stunden Ausdauersport. Premieren im Rennen gehen meist schief.
Alles Gute, Jens Karraß

Lieber Alexander,
ganz ehrlich: Im Prinzip ist das Zeug super. Allerdings musst Du die Beutel bei Rennen irgendwo am Körper bunkern. Und Du bist hoffentlich nicht so ein Hüftgurtwursti. Zweitens sind sie gerade während des Laufens nicht leicht zu konsumieren. Trinken solltest Du außerdem dazu, also immer in der Nähe von Wasserlöchern einnehmen. Denn das Zeug klebt wie Hölle und ist gerade im Gesicht oder auf den Beinen nach ein paar Kilometern sehr unangenehm. Also: üben, üben, üben.
Beutelratte Achim


Hallo Achim,
mein 17-jähriger Sohn verbringt leider einen Großteil seiner Freizeit vor dem Computer. Daher versuche ich so oft wie möglich mit ihm zu joggen. Er aber beklagt sich, dass seine Schuhe so unbequem sind. Er will lieber Hightech-Treter haben. Diesen Vorwand, nicht zu laufen, möchte ich ihm nehmen. Welche Schuhe soll er kaufen, worauf muss man achten, was ist wirklich wichtig? Ich selbst bin schon Marathon gelaufen in wirklich billigen und einfachen Schuhen und komme gut damit zurecht. Ist es nicht nur übertriebenes Gerede, dass viel Technik in den Schuhen notwendig ist?
Danke, Detlef

Hallo Detlef,
der neue Trend geht zum naturbelassenen Schuh fast komplett ohne Dämpfung. Barfußlaufen wird imitiert, weil es alle Muskeln im Fuß stimuliert und uns praktisch hilft, wieder ohne Krücken zu laufen. Aber Vorsicht! Zu sehr sind wir alle verweichlicht worden durch all den Schnickschnack der vergangenen 20 Jahre. Lass Dich überraschen, was in 2006 alles auf dem Schuhmarkt passieren wird! Es wird ein Barfußlauftraining angeboten werden, mit Auswirkungen, die so revolutionär sein werden wie die Erfindung der Dampfmaschine. Was Deinen Sohn betrifft, mach' ihm die Freude und lass ihn in einem guten Laufladen ein paar Schuhe kaufen, mit denen er zum guten Trainingspartner für Dich wird.
Viele Grüße, Jens Karraß

Lieber Detlef,
auch die Turnschuhe werden Deinen Sohn bestimmt nicht vorm Computer wegbringen. Diese Kisten haben eine sehr große Anziehungskraft. Rotgesichtiges Hecheln im Regenwald ist auch in den teuersten Pantinen keine Alternative, zumal die Schuhe ja dann dreckig werden könnten. Als Freund der Brachial-Pädagogik empfehle ich, den Rechner einfach auszumachen, zur Not mit dem Beil. Der Glaube, unsere Kinder würden den Anschluss ans digitale Zeitalter verpassen, ist nämlich großer Quatsch. Computer sind Daddelmaschinen, die den Kindern nicht nur Zeit und Phantasie, sondern auch die Realität stehlen. Wahrnehmungsforscher haben tatsächlich festgestellt, dass manche Kinder bereits in einer Computer-Realität leben und lästige Dinge wie Eltern, Schule oder Bewegen als störend für diese Realität empfinden. Da hilft nur: Stecker ziehen.
Sei stark, Gruß Achim


Lieber Achim,
ein Freund von mir fing vor ein paar Jahren einfach so an zu laufen, lief eine Zeit lang, bekam Probleme in Füßen und Knien und muss nun Sporteinlagen tragen und Medizin schlucken, um die Schmerzen zu ertragen. Jetzt frage ich mich: Ist Laufen doch ein so komplexer Sport, dass man nicht mal eben einfach so damit beginnen kann oder soll? Wie gehe ich das Laufen am besten an?
Liebe Grüße aus Bad Tölz, Luis

Lieber Luis,
Laufen ist nicht so komplex. Mein Sohn lief mit mir zum ersten Mal am Wochenende und schaffte auf Anhieb sieben Kilometer in 45 Minuten. Aber er ist sieben Jahre alt, hat keine Haltungsschäden und läuft nur so lange, wie es ihm Spaß macht. Die meisten Leute machen es anders: Sie fangen mit 40 oder 45 Jahren an zu laufen, nachdem sie jahrelang keinen Sport getrieben haben. Zu diesem Zeitpunkt sind sie wenig dehnbar, wiegen 15 Kilogramm zu viel und haben hängende Bäuche und verkürzte Rückenmuskeln. Dazu wollen sie es innerhalb von sechs Monaten "von 0 auf 42" schaffen. Keine Sportart ist so einfach und natürlich wie das Laufen. Aber für den dauerhaften Erfolg ist Zeit, Geduld und gute Anleitung notwendig. Wir bemühen uns, die letzte Voraussetzung zu erfüllen, die anderen zwei müssen Sie selber aufbringen.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo


Lieber Achim,
wann kommen denn mal die gesammelten Kolumnen als Buch heraus? Sozusagen als der "Zwiebelfisch für Läufer".
Danke, Volker

Lieber Volker,
guck doch mal auf SPIEGEL ONLINE. Da gibt es einen Countdown. Es ist aber wie mit den WM-Karten: Nur, wenn Du Dich beeilst und jetzt, in dieser Sekunde, bestellt, hast Du die Chance, noch ein Exemplar zu bekommen.
Daumendrückend von seiner Südseeinsel, Achim

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Forum - Fitness - Wie laufen Sie denn?
insgesamt 1475 Beiträge
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1. Thema gestorben?
Paulizei 11.04.2005
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
2. Pillen-Anleitung
seductive 12.04.2005
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
3.
Carmen Cienfuegos 19.04.2005
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
4.
robbatberlin 26.04.2005
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
5. Herzlichen Glückwunsch
Paulizei 26.04.2005
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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