Echte Führungskräfte machen nicht viele Worte. Und Mona ist eine echte Führungskraft. Mit zwei Worten bewegt sie die Welt, zumindest meine. Am Wochenende sagte sie zum Beispiel: "Dein Schrank."
Elf Buchstaben - und doch ein ganzes mentales Universum. Ich wusste sofort, was sie meinte. In mir wucherten Angst, Schuldgefühl, schlechtes Gewissen, Besserungsabsicht.
Denn die Übersetzung von "Dein Schrank" lautet: "Da hast du schon einen eigenen Schrank bekommen, der auch noch größer ist als meiner, weil du mir zeigen wolltest, dass die Frau es sei, die alles verstopft. Und jetzt? Fliegen einem deine verkeimten Klamotten entgegen, wenn man die Tür nur anguckt, ganz zu schweigen von den Schuhen! Vor allem die nassen, die überall rumstehen, nur nicht auf deinem Kopfkissen, wo sie eigentlich hingehören.
Wofür zum Teufel braucht ein maximal durchschnittlicher Freizeitjogger wie du überhaupt acht Paar Laufschuhe? Und dazu noch mal acht Paar, die zwar entfernt nach Sport aussehen, aber nie zum Laufen benutzt werden, weil sie geheimnisvolle andere Zwecke erfüllen, die sich mir nicht erschließen, die auch völlig wurscht sind und die du nur besitzt, weil sie in irgendeiner Fachzeitschrift empfohlen wurden.
Die waren aber für Profis gedacht und nicht für Luschen, die sich jede Woche neuen Müll kaufen, weil sie glauben, dass heftiger Konsum eine Trainingseinheit ersetzt.
Und wehe, du kommst noch einmal auf die Idee, den Kram wieder im Keller zu bunkern. Da unten ist alles voll, randvoll, und zwar zu 90 Prozent mit deinem Sportgerümpel. Denk bloß nicht, ich würde nicht merken, wenn du dir ein drittes Rennrad anschaffst. Und drei Neoprenanzüge sind auch genug. Oder glaubst du, dass du schlanker aussiehst, wenn du zwei davon übereinander ziehst?
Noch ein Gramm Sportklamotte und ich bestelle Rümpelfix, dann ist der Müll in einer Stunde verschwunden, das verspreche ich dir."
"Sei froh, dass ich das Gäste-WC nicht zur Unterdruckkammer umbaue"
Natürlich könnte ich jetzt wortreich entgegnen: "Pass mal auf, Herzelein: Zwei Räder sind gar nichts, ich habe nicht mal eine gute Winterausrüstung fürs Radfahren und fürs Cyclo Cross eigentlich auch nichts.
Eine Trainingspartnerin hat sich zu Weihnachten eine Langhantel gewünscht, weil sie mal wieder was Stählernes im Schlafzimmer haben wollte. Männer, die von ihren Frauen wirklich geliebt werden, haben eigene Zimmer für ihr Equipment und die Werkbank und einen eigenen Schrank nur für Schuhe, mindestens 20 Paar.
Sei froh, dass ich das Gäste-WC nicht zur Unterdruckkammer umbaue und die Trainingsrolle vor dem Fernseher festdübele. Eigentlich könnten die Jungs ohnehin gemeinsam in einem Zimmer wohnen und Mutti gleich mit dabei, wegen der emotionalen Nähe und des generationsübergreifenden Lernens, ist doch jetzt auch so modern.
Und überhaupt: Was kann ich denn dafür, dass dieser blöde Winter nicht wirklich kalt ist, weshalb man die Sommer-, Winter-, vor allem aber die Übergangsklamotten immer parat haben muss und nicht einfach in den Keller packen kann wie die anderen Jahre? Nasse Sportsachen riechen nun mal wie Yak hinten."
All das könnte ich sagen. Aber der erfahrene Ausdauersportler mit Platz- und Eheproblemen entgegnet der Chefin in weiser Demut nur: "Ja, Schatz."
Mit etwas Glück ist dann Ruhe, ein Vierteljahr lang. Bis dahin ist im Keller vielleicht neuer Platz entstanden, weil ein Karton mit Finisher-Shirts wegbröckelte. Im Kofferraum vom Auto ist ja sonst auch noch Platz.
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