Achilles' Verse Die Rache der Laufhure

Der Fernsehsender Sat.1 setzt auf Quote mit der "Rache der Wanderhure". Ausdauer-Wunder Achim Achilles will da nicht zurückstehen. Jahrelang ist er für Startgeld gerannt, hat sich dem Pöbel halbnackt gezeigt. Jetzt kommt die langerwartete Fortsetzung - "Achim als Triathlonhure".

Triathleten vor dem Start: Bewusstlos und schweißnass zur Erheiterung des Volkes
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Triathleten vor dem Start: Bewusstlos und schweißnass zur Erheiterung des Volkes


Glücklich und zufrieden lebte die einstige Laufhure Achim mit Ehefrau Mona auf Burg Schöneberg, die die beiden für einen österreichischen Immobilienfürsten warm hielten. Mit dem Fersensporn scheint ihr Glück vollkommen. Nie wieder diese erniedrigenden Startgelder, die amoralischen Preise im Sportfachgeschäft, all die schmutzigen Schuhe im Flur.

Fast ein Jahr war vergangen, da die Laufhure sich ein letztes Mal vom Pöbel hatte begaffen lassen, wie sie halbnackt durch die Gassen der großen Stadt irrte. Eine Million Menschen sahen zu, wie das junge blonde Ding vom Lande nahezu bewusstlos und schweißnass zur Erheiterung des Volkes immer wieder um eine Mobiltoilette taumelte ohne die Tür zu finden. Das Volk johlte und spritzte mit giftigem Kohlehydratschleim.

Doch niemand schien sein Leid zu interessieren, selbst Mona nicht, die nur gesagt hatte: "Komm' nicht so spät. Und bring' Brötchen mit. Wenn du das noch schaffst." Ihr meckerndes Lachen hatte sich für immer in sein Gedächtnis eingegraben. Achim war allein, er fror, er mochte diesen Marathon nie wieder mitmachen. Das Schicksal war der Laufhure hold gewesen. Taktische Verletzungen und sieben Fässer Wein hatten ihn vor seinem schändlichen Hobby bewahrt. Er hatte still mitangesehen, wie sein ärgster Gegenspieler verbrannte, der innere Schweinehund.

Gekettet an einen Pfahl inmitten des pestilenziell stinkenden Laufschuhhaufens formten seine Lippen stumm die Worte: "Unter vier Stunden, du Lusche." Tränen rannen über die pausigen Backen der Laufhure. Tief in seinem Herzen wusste er: Was gestern war, wird nie vergessen sein. Die Laufhure würde ihre Vergangenheit nie ungeschehen machen können. Dann schlenderte Achim heim auf die Burg, Mona hatte den Hirseeintopf auf dem Herd.

Zwei heimtückische Athletinnen bringen eine neue Sportidee

Doch das Unheil lauerte schon, im Winter in der Herzsportgruppe. Zwei heimtückische Athletinnen schmeichelten der Laufhure gar sehr, ließen unzweideutige Bemerkungen fallen über die straffe Haut am gebeugten Knie und den mühelosen Antritt am Ende der Übungsstunde.

Geschmeichelt hörte die Laufhure die Schmeicheleien und gar lustvolle Geschichten über einen ganz neuen, noch viel verderbteren Sport: eine ganze Stunde im hautengen Latexanzug. Damit halbe Tage mit den Füßen an Pedalen gekettet, die sich unablässig drehten. Und alles in der Öffentlichkeit. Das wäre schon nach Achims Geschmack. Sein Schicksal als Triathlonhure war besiegelt.

Mona fiel fast in Ohnmacht, als ihr Achim gestand, dass die Sucht stärker war als alle Liebe. "Dann gehe hin, wenn es denn sein muss", sagte sein trautes Weib zum Abschied, "und lass die verkeimten Klamotten bloß vor der Tür, wenn du überhaupt noch mal zurückkommst von der ganzen bekloppten Trainiererei."

Nun ist der Achim wieder Lustknecht einer unbarmherzigen Macht, die über sein Leben bestimmt. Finstere Gestalten zerren an ihm und sagen schmutzige Worte wie "Trainingsplan", "Tempolauf" und "hoher Ellenbogen." Wird unser Achim je wieder die Freiheit schmecken? Lesen Sie mehr im nächsten Band: "Der Reizmagen der Triathlonhure".

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