Achilles' Verse: Durchhalten dank Dauermotivation

Einmal laufen gehen - das schaffen viele. Aber regelmäßig rennen und den inneren Schweinehund immer wieder besiegen, das erfordert einen starken Willen. Im zweiten Teil der digitalen Lauf-Serie "Fit in den Frühling" erklärt Achim Achilles, warum Durchhalten anstrengend, aber machbar ist.

Läufer beim Halbmarathon in Paris: Was ist für mich der nächste machbare Schritt? Zur Großansicht
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Läufer beim Halbmarathon in Paris: Was ist für mich der nächste machbare Schritt?

Lesen Sie im ersten Teil der Serie "Fit in den Frühling" wie Deutschlands erfolglosester Hobbyläufer Achim Achilles auch den hartnäckigsten Sportmuffel vor die Tür treibt.

Eine Zeitung fragte ihre Leser: Was hindert Sie daran, ihre Vorhaben in die Tat umzusetzen? Vier Prozent nannten fehlendes Wissen oder sachliche Hürden als Gründe, weitere vier Prozent mangelnde Unterstützung durch andere. Sieben Prozent der Befragten gaben an, zu viele Projekte gleichzeitig zu haben, 20 Prozent sahen sich durch die Tagesarbeit oder äußere Zwänge verhindert. 23 Prozent führten fehlende Kraft durch berufliche und private Belastungen an und 34 Prozent zu wenig Disziplin, um mit eingefahrenen Verhaltensweisen zu brechen.

Das schreckliche Ergebnis: 92 Prozent der Menschen tun nicht das, was sie eigentlich wollen.

Warum gelingt es uns so selten, das zu machen, was wir uns vornehmen? Ein wichtiger Grund: Die Vorsätze sind falsch gefasst. "Echte Verhaltensänderungen setzen klare, emotional bewegende Bilder des erwünschten Zustandes voraus", sagt der Berliner Motivationsexperte Dr. Gerhard Huhn.

Wer mit dem Laufen beginnt, sollte sich vor Augen führen, wie gut die Lieblingshose bald wieder passt. Manch einem hilft es, aller Welt vom Start in die Sportkarriere zu erzählen und die ungläubigen Blicke zu genießen. Andere sind besser damit beraten, die guten Vorsätze für sich zu behalten. Wieder andere brauchen Skepsis als ultimativen Motivationskick, weil sie den Zweiflern zeigen wollen, wo der Zielstrich ist.

Steht der Trainingspartner vor der Tür steht, fällt kneifen schwer

"Wer einen Freund hat, der selbst etwas ändern will, schließt sich zu einer Sparrings-Partnerschaft zusammen", rät Motivationsexperte Huhn. Wichtig: feste Tage verabreden. Steht der Trainingspartner vor der Tür, fällt Kneifen schwer.

Wem trotzdem der innere Schweinehund in die Quere kommt, der sollte einen typischen Fehler vermeiden: in der kommenden Woche das Pensum zu erhöhen. Im Gegenteil - wer daran scheitert, innerhalb eines Monats ein Kilo abzunehmen, darf sich nicht zwei Kilo minus auflasten. Das führt zu noch größerer Frustration. Wer den ersten Schritt nicht schafft, sollte im zweiten vielmehr seine Ziele reduzieren.

Durch ein Erfolgserlebnis steigt das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Schritt für Schritt kann man dann die Anforderungen steigern - bei Rückschlägen aber auch wieder senken. Dazu braucht man Mut, immer wieder mal die innere Neustart-Taste zu drücken.

Es ist ein Weg von "trial and error"

Wer angefangen hat zu laufen, sollte realistisch überlegen: Was ist für mich der nächste machbare Schritt? Für jemanden, der bisher nur auf der Couch lag, war der Vorsatz womöglich eine Nummer zu groß, sich Anfang Januar Laufschuhe zu kaufen und gleich fünf Kilometer durch den Wald zu rennen.

Der schlauere Start wäre, sich erst mal fünf bis zehn Minuten zu bewegen, unpeinliche Gymnastik zu machen, einen zügigen Spaziergang zu probieren. Nach einer Woche geht man dann ins Sportgeschäft, kauft sich ein Paar gute Laufschuhe und informiert sich, wie man sinnvoll ein Lauftraining beginnt, das nicht vom ersten Moment an frustriert.

Nach vier, acht, zwölf Wochen nimmt man sich jeweils ein paar Minuten Zeit für eine Betrachtung aus der Vogelperspektive. Es ist ein guter Zeitpunkt, Details zu korrigieren oder auch den bisherigen Weg in Frage zu stellen, wenn sich gar keine neue Motivation eingestellt hat. Es ist ein Weg von "trial and error", der funktioniert, wenn man Denken, Handeln und Fühlen kombiniert mit dem Mut zur Korrektur.

Unbezahlbar ist der Moment, in dem man das Laufen als Lust empfindet

Wer nach ein paar Wochen immer noch jeden Laufschritt als Qual empfindet, dem helfen ohnehin keine Psycho-Tricks; Laufen ist womöglich nicht der geeignete Sport. Diese Einsicht sollte man akzeptieren.

Unbezahlbar ist aber der Moment, in dem man als Anfänger das Laufen nicht mehr als Last, sondern als Lust empfindet. Durchzuhalten und nicht aufzugeben, den Kampf gegen den inneren Schweinehund zu gewinnen, schafft Befriedigung und Selbstbewusstsein.

Dabei hilft übrigens auch die Erkenntnis, dass der legendäre Schweinehund exakt so groß ist, wie man ihn selbst macht. Wer über das Tier lacht, läuft ab sofort befreiter los.

Täglich Tipps, Tricks und Trainingspläne auf www.achim-achilles.de, www.facebook.com/achimachilles oder im E-Book "Einfach loslaufen".

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Mein Profil
air plane 13.03.2012
Zitat von sysopAFPEinmal laufen gehen - das schaffen viele. Aber regelmäßig rennen und den inneren Schweinehund immer wieder besiegen, das erfordert einen starken Willen. Im zweiten Teil der digitalen Lauf-Serie "Fit in den Frühling" erklärt Achim Achilles, warum Durchhalten anstrengend, aber machbar ist. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,820184,00.html
Laufen ist der letzte Dreck für die Knochen. Jeden Kilometer, den Du läufst, kannst Du als Rentner nur noch humpeln.
2. Schade!
Centurio X 13.03.2012
Zitat von air planeLaufen ist der letzte Dreck für die Knochen. Jeden Kilometer, den Du läufst, kannst Du als Rentner nur noch humpeln.
Dann gehören Sie leider zu denen, die die Natur mit einer zu einseitigen pessimistischen Grundhaltung ausgestattet hat. In Wirklichkeit hat der Mensch eben Beine, um damit zu laufen, und ich persönlich kenne Rentner, die mit 80 Jahren noch 100-km Läufe durchhalten. Und bei Sicht traut man diesen Leuten dieses hohe Lebensalter nicht zu, weil sie wesentlich jünger wirken. Ein sehr guter Bekannter begann erst mit dem Alter von 55 Jahren mit dem Laufen; schaffte am ersten Tag weniger als 200 m am Stück. Nach 14 Tagen schon 5 km, einige Tage später deren 8, um dann ein halbes Jahr danach seinen ersten Marathon zu vollenden. Das war vor 12 Jahren und immer noch nimmt er mit Freude an vielen Marathon- und Ultramarathonveranstaltungen teil. ...und fühlt sich körperlich wesentlich fitter und seelisch wohler als vor 30 Jahren.
3. komisch...
dijle 13.03.2012
Zitat von air planeLaufen ist der letzte Dreck für die Knochen. Jeden Kilometer, den Du läufst, kannst Du als Rentner nur noch humpeln.
... die vielen rentner die ihr Leben lang gelaufen sind, haben meist weniger Probleme, als die Sofakartoffeln. Leistungssportler und notorische Übertreiber mal ausgenommen.
4. Koernchen Wahrheit....
badbeardxb 13.03.2012
"Laufen ist der letzte Dreck für die Knochen. Jeden Kilometer, den Du läufst, kannst Du als Rentner nur noch humpeln." Ich kenne tatsaechlich Menschen die in den 70ern jahrelang viel gelaufen sind und jetzt massive Probleme mit Fuessen und Gelenken haben ALLERDINGS sind sie mit miesen Schuhen auf Asphalt gelaufen. Also: gute Schuhe, Waldboden und eine gelenkschonende Lauftechnik sind sehr zu empfehlen....
5. koernchen wahrheit 2
karlv 13.03.2012
Zitat von badbeardxb"Laufen ist der letzte Dreck für die Knochen. Jeden Kilometer, den Du läufst, kannst Du als Rentner nur noch humpeln." Ich kenne tatsaechlich Menschen die in den 70ern jahrelang viel gelaufen sind und jetzt massive Probleme mit Fuessen und Gelenken haben ALLERDINGS sind sie mit miesen Schuhen auf Asphalt gelaufen. Also: gute Schuhe, Waldboden und eine gelenkschonende Lauftechnik sind sehr zu empfehlen....
... wenn manb denn Grenzen nicht erkennt oder wahrhaben will. Denn Überlastung hat Folgen. Also mäßig, aber regelmäßig und nicht übermäßig.
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Freundschaft mit Achim
berlin-bits.de
Deutschlands Kultläufer ist jetzt auch in einer der größten Web-Communitys unterwegs: Besuch Achim auf Facebook , werde sein Fan und verpass nie mehr seine Kolumnen oder Lesungen. Auf Twitter kannst du außerdem live erleben, was Achim sonst so treibt: schwitzen oder Training schwänzen?
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Seit einigen Jahren schreibt er seine Kolumnen, jetzt geht Kultläufer Achim Achilles online - mit seiner Web-Seite www.Achim-Achilles.de. Das Portal bietet den Millionen Läufern hierzulande Infos, Tipps und Spaß - für Einsteiger wie Laufprofis. Die lebendige Läufer-Community tauscht letzte Weisheiten aus, ein halbes Dutzend Experten berät kostenlos. Immer nach dem Motto des Bestseller-Autors Achilles: "Laufen, leiden, lachen, leben".

Buchtipp

Achim Achilles:
Mein Leben als Läufer.

Heyne Verlag; März 2011; kartoniert; 256 Seiten; 8,99 Euro.

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Achilles Läufer-Liste
dapd
Wo stehe ich? Das ist die zentrale Frage, die jeden Läufer beschäftigt. Egal ob beim Marathon oder im Fünf-Kilometer-Rennen – jeder will sich vergleichen, mit dem Chef, dem besten Kumpel oder der Ehefrau. Die Achilles-Läufer-Liste sammelt alle Wettkampfzeiten eines Kalenderjahres in einer Rangliste und kürt zum Jahresende die Deutschen Meister in den Kategorien Marathon, Halbmarathon, zehn und fünf Kilometer. Jeder kann bei der Achilles-Läufer-Liste mitmachen, und zwar unter www.achilles-laeufer-liste.de