Die persönliche Bestzeit des Jahres
Patrick Makau und ich hatten das gleiche Ziel: Spitzenzeit beim Marathon in Berlin. Zugegeben, er war nicht schlecht: 2:03,38 Stunden - immerhin neuer Weltrekord für den Kenianer. Bis Kilometer 38 war auch ich auf dem Weg zum neuen Achilles-Rekord. Dann kamen die Krämpfe. Die letzten drei Kilometer dauerten über eine halbe Stunde. Außer stechendem Schmerz herzlicher Hass für all die Sportsfreunde, die schulterklopfend vorbeizogen: "Ist nicht mehr weit", riefen sie aufmunternd. Vielen Dank auch.
Fakir des Jahres
Wir waren zum After-Work-Run verabredet. Und er kam - barfuß. Mitten in Berlin. Jörn lächelte: kein Problem. Bürgersteigmüll auf dem Ku'damm, um die Gedächtniskirche, im Tiergarten, vorm Kanzleramt - mitten durch, auf bloßen Füßen. Alle paar Wochen tritt er sich mal eine Scherbe ein, aber sonst - eins mit dem Universum.
Modesünde des Jahres
2011 war der Höhepunkt der Kompressions-Welle. Ästhetisch besonders fragwürdig ist die Kombination von Stretch-Shorts und Quetschstrümpfen. Denn auf den wenigen Zentimetern dazwischen quellen Haut, Bindegewebe, Knie, Knorpel, Muskelmatsche und allerlei andere Körpergewebe an die Luft. Problemstellen unbedingt mit buntem Tape blick- und luftdicht umwickeln.
Held des Jahres
Sebastian aus Essen, gerade mal Mitte 20, bis vor eineinhalb Jahren schwer übergewichtig. Fing dann an zu laufen, mit Kämpferherz und Heldenseele. Finishte 2011 seinen ersten Marathon, hat über 20 Kilogramm abgeworfen. Mit solchem Nachwuchs müssen wir uns um den Standort Deutschland keine Sorgen machen.
Timing des Jahres
Wilson Kipsang verpasste den Marathon-Weltrekord in Frankfurt am Main um drei Sekunden. Der Hobby-Athlet fragt sich: Ging da wirklich nichts mehr? Hatte er keine Uhr dabei? Kann das wirklich sein, dass ein Kenianer in über zwei Stunden nicht irgendwo drei verdammte Sekunden herzaubert? Gedanken an die eigenen Krämpfe. Was dem einen drei Sekunden, sind dem anderen 30 Minuten.
Lauf des Jahres
Fürth, November, drei unbekannte Menschen, via Facebook zu nachtschlafender Zeit verabredet. Sie waren tatsächlich da, sogar eine Frau. Sie führten im Dunkeln über Abschnitte der Fürther Marathonstrecke ("Aha, sehr interessant!"), erzählten vom Städtelauf Prag-Nürnberg, den sie nebenbei organisieren, und verloren nicht ein Wort über den widerlichen Nieselregen. Für echte Läufer gibt es kein schlechtes Wetter. Danke, Leute. Das ist Laufen.
Trainierender des Jahres
Ich schwöre, es war nicht der Endorphin-Rausch. Es gab ihn wirklich, diesen drahtigen Lauf-Opa im Rentier-Geschirr, der in einer Staubwolke einen Autoreifen hinter sich herzog. Ja, okay, ich hab ihn nur einmal gesehen. Die Trainingsmethode ist wohl doch nichts für jeden Tag.
Befreiung des Jahres
Nach der letzten Achilles-Show am 14. Dezember in Münster habe ich meine rosa Kompressions-Socken in den Hotel-Mülleimer gestopft. Es war die beste Entscheidung des Jahres.
Nach dem Bestseller "Marathon-Therapie" gibt's jetzt das zweite E-Book von Achim Achilles. "Einfach loslaufen - das schlanke Standardwerk für Lauf-Einsteiger".
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