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Adidas-Ausstieg bei der Leichtathletik: Ein richtig verlogener Schritt

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Adidas-Chef Hainer: "Gegen Doping in jeglicher Form"

Wegen des Korruptionsskandals in der Leichtathletik will sich Großsponsor Adidas zurückziehen. Das wirkt konsequent, ist aber unglaubwürdig.

Das hört sich doch mal nach tatkräftigem Handeln an: Der Sportartikelhersteller Adidas will sein Sponsoring in der Leichtathletik aufgeben. Wegen der Korruptions- und Dopingaffäre beim Weltverband IAAF soll Schluss sein mit den Millionenzahlungen, berichtet die BBC.

Ein deutscher Konzern stellt die Unterstützung eines nachweislich korrupten Verbands ein und setzt damit ein Zeichen? Genau das fordern kritische Beobachter seit Langem.

Doch das Verhalten von Adidas ist verlogen. Der Konzern handelt aus den falschen Gründen. Bisher war es den Bossen in Herzogenaurach nämlich herzlich egal, was die Sportfunktionäre mit ihren Millionen treiben. In der Fifa-Krise hat Adidas auch dann noch zu Joseph Blatter gehalten, als US-Sponsoren wie Visa längst den Rücktritt des Präsidenten forderten. Inzwischen wurde Blatter für acht Jahre gesperrt.

Adidas-Chef Herbert Hainer hat stets bestritten, dass die Skandale des Sports seiner Marke schadeten. Dem Konzern gehe es hervorragend, man habe so viele Aufträge wie nie zuvor. Das stimmt sogar, jedoch ist es im Wesentlichen das Geschäft mit dem Fußball, das gut läuft. Im dritten Quartal 2015 steigerte Adidas seinen Umsatz mit Fußballschuhen, Trikots und Bällen um 19 Prozent, auch im Jahr nach der WM in Brasilien feierte der Konzern Rekordabsätze. Im Fußball liegen die Deutschen vor dem US-Konkurrenten Nike, der ansonsten weit davongezogen ist.

Diese Position scheint Adidas, mit aller Macht verteidigen zu wollen. Ab dieser Saison überweist der Konzern Manchester United jeweils 94 Millionen Euro in den kommenden zehn Spielzeiten. Der FC Bayern bekommt immerhin 60 Millionen Euro im Jahr. Auch der Vertrag mit dem DFB dürfte deutlich teurer werden als 25 Millionen Euro, die Adidas dem Vernehmen nach bislang jährlich zahlt.

Angesichts dieser Summen und der Ausrichtung des Konzerns scheinen die IAAF-Skandale eine willkommene Gelegenheit zu sein, sich aus der Leichtathletik zurückzuziehen. Knapp 30 Millionen Euro könnte Adidas so bis 2019 sparen.

Auch wenn Adidas den Ausstieg bislang nicht offiziell bestätigt hat, so ist die Stellungnahme des Konzerns durchaus interessant. Man sei "gegen Doping in jeglicher Form", teilte Adidas in einer zweizeiligen E-Mail mit. Von Korruption ist keine Rede.

Das ist auf eine unangenehme Art durchaus clever: Denn bei einer Kampfansage an den schmutzigen Umgang der Funktionäre mit Geld würde Adidas auch das Engagement bei der Fifa infrage stellen. Und soweit soll es natürlich nicht kommen.

Zum Autor
Jeannette Corbeau
Christian Teevs ist Redakteur im Politik-Ressort von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Christian_Teevs@spiegel.de

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insgesamt 31 Beiträge
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1. Toller Stil, Herr Teevs
sltr 25.01.2016
Wann geht denn ihre Bewerbung an bild.de raus? Sie scheinen bereits das passende Vokabular zu besitzen - der Rest geht dann "on the job".
2. allemal verlogen
italogrinsh 25.01.2016
Ich finde, Herr Teevs hat durchaus recht. Wenn man beim Fußballgeschäft vorne bleiben will, darf man dort nicht aussteigen. Egal, was die Oberen dort treiben (FIFA, Blatter etc.). Da sieht man dann auch über Korruption hinweg. Härte und Korrektheit kann man dann gerne dem Sportkonsumenten beim IAAF-Doping vorgaukeln. Jedenfalls werden wir überall hinters Licht geführt und für dumm verkauft (Politik, Sport ...). Die Frage ist nur, wie lange noch?
3. Warum ist das von Adidas verlogen?
hans-rai 25.01.2016
Oft fehlt für eine so weitreichende Entscheidung halt noch das letzte I-Tüpfelchen, um dann definitiv zu entscheiden. Doping betrifft den Sport und die Sportler. Bei Fußball betrifft es die Funktionäre, aber nicht den Sport an sich. Insofern würde ich Adidas hier keine Vorwürfe machen. Ohne triftige Gründe machet der Konzern das nicht, zumal die 30 Mio ja einen Klacks im gesamten Sponsoring-Etat des Unternehmens darstellt.
4. Bei den Zahlen fragt man sich schon,
dani216 25.01.2016
wieviel von den bspw. 99 Euro für ein Paar in Indonesien/Bangladesh oder anderswo gefertigter Turnschuhe im gierigen Hals korrupter Funktionäre oder sowieso schon millionenschwerer Fußballer landen. Vielleicht wären die Preise dem Käufer eher verständlich zu machen, wenn den armen Arbeitern in den Entwicklungsländer ein paar Euro mehr zukommen würden. Weil viel mehr als die Schuhe aus dem Aldi kosten die von Adidas in der Herstellung auch nicht. Und ob die so viel besser sind, wage ich auch mal zu bezweifeln.
5.
h.franz-thomas 25.01.2016
der sport ist so sauber wie wir menschen sind. wer es anders will muss sich neuerfinden. geld regiert diese welt, ob sport oder politik oder kunst, jeder will seinen teil vom kuchen. es ist wie wir sind.
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