Afrikanische Läufer "Die stehen morgens auf und laufen"

Marcel Fehr ist einer der hoffnungsvollsten deutschen Mittelstreckenläufer. Nach einem Monat Höhentraining in Kenia sprach der 19-Jährige im Interview mit achim-achilles.de über die unterschiedlichen Voraussetzungen und Trainingsmethoden von Europäern und Afrikanern.

Kenianische Läufer: "Kein Kino, keine Discos"
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Kenianische Läufer: "Kein Kino, keine Discos"


Frage: Herr Fehr, warum laufen Afrikaner so viel schneller als der Rest der Welt?

Fehr: Ein wichtiger Aspekt sind die körperlichen Voraussetzungen. Mein Trainer und ich haben noch nie so viele große und nach unseren Maßstäben fast untergewichtige Menschen gesehen wie in Kenia. Die sind fürs Laufen geboren. Kein Gramm Fett und den ganzen Tag auf den Beinen. Ich durfte vier Wochen lang mittrainieren und habe alles gemacht, was die kenianischen Läufer auch machen. Das waren tolle Erfahrungen.

Frage: Haben Sie das Geheimnis der Kenianer gelüftet?

Fehr: Die Höhe macht einen großen Unterschied, da bin ich mir sicher. Die Kenianer wachsen in 2000 Metern Höhe auf und sind an die geringen Sauerstoffwerte gewöhnt. Und: Die Läufer haben keine Ablenkung. Kein Kino, keine Discos. Die stehen morgens auf und laufen.

Frage: Wie kamen Sie mit der Höhenluft zurecht?

Fehr: Bei meinen ersten Laufeinheiten habe ich geschnauft wie ein Walross, obwohl ich sehr langsam gelaufen bin. Erst nach zehn Tagen hatte ich mich an die dünne Luft gewöhnt.

Frage: Trainieren die Kenianer denn auch anders?

Fehr: Ja, das tun sie. In Deutschland ist es so: Da steht man im Stadion, der Trainer mit der Stoppuhr, dann heißt es: fünf Mal 1000 Meter in 3:20 Minuten. Alles wird gestoppt und protokolliert. In Kenia sagt der Trainer: fünf Mal eine Meile, mittleres Tempo. Zwei Hütchen markieren Start und Ziel. Keiner weiß, ob die Strecke wirklich eine Meile lang ist, das ist auch egal. Die Zeit und die Strecke interessieren den Trainer überhaupt nicht. Er schaut nur, ob das Tempo für alle okay ist und dass der Laufstil locker und ökonomisch aussieht. Das Lustige ist: Die Pausen zwischen den Läufen werden gestoppt, die Läufe aber nicht.

Frage: Kamen Sie mit dieser Trainingsweise zurecht?

Fehr: Es war schwer, dieses europäische, zahlengetriebene Denken aus dem Kopf zu kriegen. Ich will immer wissen, wie schnell ich bin. Aber das schafft auch Druck. Wenn man bestimmte Zeiten nicht erreicht hat, ist man enttäuscht. Die Kenianer haken das Training immer als gut ab. Die machen sich keinen Stress mit Zeitvorgaben.

Frage: Trainieren Europäer falsch?

Fehr: Ich dachte immer, die Kenianer haben sicher tolle Trainingsgeräte, dass sie so schnell rennen. Das Desillusionierende ist, dass es genau andersherum ist. Alles, was wir haben, haben die nicht. Und deswegen laufen sie so gut. Einmal haben wir im Stadion Asbel Kiprop trainieren sehen. Der ist Olympiasieger auf 1500 Meter. Und was macht der? Er läuft im Kreis und zieht einen alten Autoreifen am Seil hinter sich her. Unglaublich.

Frage: Fehlt Europäern die richtige Einstellung?

Fehr: Es gibt überall solche und solche. Aber vor allem die jüngeren Kenianer, die noch nichts erreicht haben, sind sehr fokussiert und tun alles für ihren Traum. Die wollen alle nach Europa und arbeiten hart dafür.

Frage: Das Konkurrenzdenken muss ziemlich ausgeprägt sein.

Fehr: Was beeindruckend war und Spaß gemacht hat: Die Kenianer laufen fast immer in der Gruppe. Da wird geguckt, dass man gemeinsam läuft und jeder mitkommt. Da gibt es nicht so einen Konkurrenzkampf wie in Deutschland. Niemand versucht beim Training, die schnellsten Runden zu laufen. Mich haben die sofort integriert. Während des Laufens hatte ich ständig mehrere Finger im Gesicht, die mir den Weg gezeigt haben, damit ich nicht stürze. Das war lustig, wie ein Navigationslauf. Im Wettkampf sieht es dann anders aus. Da geht's voll zur Sache.

Frage: Konnten Sie mithalten?

Fehr: Die wussten, dass ich bei der U-20-WM dabei war und hatten Respekt vor mir. Aber mir ist auch bewusst, dass ich im Wettkampf gegen keinen von denen eine Chance gehabt hätte.

Frage: Sie sind eines der größten deutschen Nachwuchstalente - und waren der Langsamste?

Fehr: Ich habe das Gefühl, dass die Kenianer im Training nicht ansatzweise gezeigt haben, was sie können. Wenn man das weiß, wird man demütiger und sagt sich: Noch bist du gar nichts.

Frage: Gibt's auch irgendetwas, was die Kenianer nicht können?

Fehr: Ja, koordinativ sind sie nicht die Besten. Beim Seilspringen haben sie mich nicht überzeugt (lacht). Auch Kräftigungs- und Haltungsübungen machen die kaum. Das ist eigentlich erschreckend. Wenn die das auch noch machen würden, was passiert dann?

Das Interview führte Frank Joung



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insgesamt 8 Beiträge
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BSC 03.02.2012
1. Laufen ohne Uhr
Das Laufen ohne Uhr und Druck ist in der Tat anders, es befreit. Meine ersten Läufe und später Marathone waren von der Uhr geprägt, natürlich auf anderem Niveau als die Spitzenläufer. Wehe, die angepeilte zeit wurde verfehlt, der Frust der Breitensportlers war da. Die schönsten und entspannensten Marathon bin ich dann gelaufen, als ich meine Pulsuhr vergessen hatte, nur aus dem Bauch raus, mit Gefühl und der inneren Uhr. Die Zeit war dabei sogar besser. Seitdem bin ich den nächsten 20 Marathone ohne Uhr gelaufen! Und egal welche Zeit ich laufe, es ist immer Freude dabei, anzukommen, gelaufen zu haben.
sarang he 03.02.2012
2. Der Bericht klingt ja
als würden sich die Kenianischen Trainer die Erkenntnisse die allgemeinen Trainingslehre für Ausdauersportarten beherzigen. Dazu noch der Vorteil der grossen Höhe und der geringeren Ablenkung. Bei den Voraussetzung wundert es mich nicht wer vorne wegläuft ;)
Emil Peisker 03.02.2012
3. Prädisposition
Zitat von sarang heals würden sich die Kenianischen Trainer die Erkenntnisse die allgemeinen Trainingslehre für Ausdauersportarten beherzigen. Dazu noch der Vorteil der grossen Höhe und der geringeren Ablenkung. Bei den Voraussetzung wundert es mich nicht wer vorne wegläuft ;)
Und nicht zu vergessen, die genetische Prädisposition dieser Kenianer des Berglandes.
friedenspfeife 03.02.2012
4. Worauf ist dieses Erstaunen ueber
Zitat von sysopMarcel Fehr ist einer der hoffnungsvollsten deutschen Mittelstreckenläufer. Nach einem Monat Höhentraining in Kenia sprach der 19-Jährige im Interview mit achim-achilles.de über die unterschiedlichen Voraussetzungen und Trainingsmethoden von Europäern und Afrikanern. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,812353,00.html
"die stehen morgens auf und laufen" zurueckzufuehren? Werfen unsere morgens erstmal eine Turnierpackung Alka Selzer ein, oder was?
zappuser 03.02.2012
5. Rassistischer Kommentar!
Zitat von Emil PeiskerUnd nicht zu vergessen, die genetische Prädisposition dieser Kenianer des Berglandes.
Das ist ein rassistischer Kommentar!
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