Paralympics-Gold Italien feiert Zanardi, das "As des Lebens"

Jubelstürme in den Medien, über 900 Glückwunsch-SMS: Die Gold-Fahrt des früheren Formel-1-Fahrers Alessandro Zanardi mit dem Handbike hat die Menschen in Italien begeistert. Kritik kam hingegen vom zweitplatzierten Deutschen Norbert Mosandl.

DPA

Hamburg - Alessandro Zanardi war überglücklich. Gerade hatte der frühere Formel-1-Fahrer Gold bei den Paralympischen Sommerspielen gewonnen, und er verlieh seiner Freude auf besondere Weise Ausdruck: Auf seinen Beinstümpfen sitzend, packte Zanardi sein Handbike und reckte es in die Luft.

Auch die italienischen Medien jubelten: Die "Tuttosport" bezeichnete Zanardi als "Held Italiens". Er sei "ein As des Steuers, der Pedale, und ein As des Lebens", schrieb die "Gazzetta dello Sport". Und die "Corriere della Sera" dichtete: "Sein Handbike fährt er nicht nur mit seinen Armen, sondern vor allem mit seinem riesigen Herzen und einer Leidenschaft, die keine Grenzen kennt."

Zanardi sind solche Oden auf seine Person suspekt, ein Vorbild will er nicht sein: "Ich lebe jetzt eben mit einem ganz speziellen Problem. Und ich bin sehr bekannt, weil man all die verrückten Sachen, die ich mache, im Fernsehen sehen kann", sagte der Italiener: "Aber eine Inspiration kann jeder sein, wenn man nur die Augen aufmacht. Ich bin nicht besser als andere."

Zanardis paralympisches Abenteuer ist bald vorbei

Seit 2001 ist Zanardi schwerbehindert: Auf dem Eurospeedway in der Lausitz verlor er beide Beine, als der Kanadier Alex Tagliani mit 320 Kilometern pro Stunde in Zanardis Auto prallte und dessen Rennwagen förmlich auseinander riss. Seit 2007 ist Zanardi auf dem Handbike aktiv. 2011 gewann er sogar den New-York-Marathon.

Das Paralympics-Abenteuer wird für Zanardi nun bald vorüber sein. Bereits vor Wochen hatte er angekündigt, aus Altersgründen keinen erneuten Start in Rio 2016 anzustreben. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht auch traurig bin", sagte er: "Zwei Jahre lang hat mich die Leidenschaft hierher getrieben. Ab Montag muss ich mir eine neue Beschäftigung suchen, sonst wird es langweilig in meinem Leben." Das Straßenrennen am Freitag wird sein letztes Handbike-Rennen sein.

Die Reaktionen auf seinen Triumph waren nicht nur in den Medien überwältigend: 621 SMS vor dem Schlafengehen und dann noch einmal 288 am nächsten Morgen habe er bekommen. "Ich glaube, ich habe zu vielen Menschen meine Telefonnummer gegeben", sagte er.

Kritik an Zanardis Gold-Ritt übte Silbermedaillengewinner Norbert Mosandl: "Ich habe einen Querschnitt, Zanardi hat beide Beine amputiert. Er hat 15 Kilo weniger rumzuschleppen als ich, das ist einfach ein Fakt", sagte Mosandl, dem auch Zanardis Koketterie mit dem Alter nicht gefiel: "Ich habe gelesen, er nennt sich den 'Schumacher der Paralympics', weil er der älteste von uns sei", sagte Mosandl: "Er ist 45, ich bin 51, wenn ich rechnen kann, sind das sechs Jahre mehr."

Auf die Kritik des Deutschen ging Zanardi nicht ein. Er befasste sich lieber mit der nahen Zukunft: "Erst einmal werde ich meiner Frau eine gute Woche bereiten", sagte er: "Shoppen und das alles. Und dann werde ich schon was Schönes finden, keine Angst."

bka/dpa/sid

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insgesamt 8 Beiträge
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Leser161 06.09.2012
1. Ja gut
Das ist halt ein Gruindproblem vom Behindertensport, dass verschiedene Behinderungen miteinander wetteifern. Das kann man wahrscheinlich einfach nicht fair ausgleichen.
brehn 06.09.2012
2. Und immernoch
Hut ab vor diesem, vor wie nach dem Unfall, sympatischen Kerl.
elpepino 06.09.2012
3. Überschrift
Wenn man die Kritik Mosandls zuerst am eigenen Verband und jetzt an Zanardi so anschaut, könnte man fast den Eindruck bekommen, Mosandl könnte möglicherweise ein schlechter Verlierer sein...
Barimaan 06.09.2012
4. optional
Ist der Herr Mosandl etwa ein schlechter Verlierer? Dabei soll man doch gerade bei den Olympischen udn Paralympischen Spielen sich über jede Medaille freuen und nicht gegen den nächst besseren nachkartern. Das finde ich ziemlich niveaulos, zumal das mit dem Alter ja anscheinend nur Hörensagen ist.
scottx 06.09.2012
5. Beine ab
Wenn man sich die Kritik von Herrn Mosandl durchliest, entsteht der Eindruck , dass es besser wäre, möglichst schwer behindert zu sein (Beine verloren gg. Querschnittslähmung). So driften die Paralympics in die falsche Richtung Herr Mosandl!
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