Zverev-Sieg in Montreal Alexander der Große

Alexander Zverev hat durch seinen Sieg über Roger Federer schon sein fünftes Turnier in diesem Jahr gewonnen. Die Erfolge des Deutschen erinnern an den Argentinier Juan Martín del Potro.

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Wenn Tennisprofis ihre Turniersiege rückblickend bewerten, sprechen sie im Nachhinein häufig von sogenannten "Schlüsselmomenten". Auch Alexander Zverev musste auf dem Weg ins Finale von Montreal, das er 6:3 und 6:4 gegen Roger Federer gewann, einen solchen "Schlüsselmoment" überstehen. Der Deutsche, der durch seinen zweiten Masters-Erfolg binnen weniger Monate in der Weltrangliste bereits auf Rang sieben vorgerückt ist, stand nach einem Freilos in der ersten Runde bereits zwei Tage später vor dem Aus.

Richard Gasquet, ein ehemaliger Top-Ten-Spieler aus Frankreich, erspielte sich im dritten Satz beim Stand von 6:5 einen Matchball gegen Zverev. Doch der rief trotz der sich anbahnenden Niederlage sein bestes Tennis ab und nagelte Gasquet an der Grundlinie fest. Unglaubliche 49-mal überquerte der Ball das Netz, ehe der Punkt doch noch an Zverev ging. Wenige Minuten später entschied der spätere Champion das Match im Tie-Break für sich und gab von da an keinen Satz mehr ab. Nick Kyrgios, Kevin Anderson und auch der starke Lokalmatador Denis Shapovalov? Sie alle hatten dem Spiel des Hamburgers nichts entgegenzusetzen.

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Alexander Zverev in Montreal: Angekommen in der Weltspitze

Auch im Finale ließ Zverev einen kraftlos und müde wirkenden Roger Federer nie zur Entfaltung kommen. Die schwache Quote bei Netzangriffen des Schweizers, die hohe Fehlerzahl in den Ballwechseln - all das war auf die Beharrlichkeit des Deutschen zurückzuführen. Gegen Federer stellte der drittbeste Spieler der Saison aber vor allem seine mentale Stärke unter Beweis, die ihn von vielen jungen Spielern unterscheidet.

Die eigentliche Krönung steht noch bevor

Im zweiten Satz wehrte er dank seines immer stärker werdenden Aufschlags gleich drei Breakbälle ab. Federer, der zuletzt 16 Partien in Serie gewonnen hatte und schon in der kommenden Woche nach fünfjähriger Abstinenz Platz eins in der Weltrangliste zurückerobern könnte, schien in diesem Moment zu ahnen, dass er den Platz als Verlierer verlassen würde.

Dass der Triumph des ersten deutschen Top-Ten-Spielers seit Tommy Haas (2007) kein Zufall ist, zeigten die Wochen zuvor. Schon in Wimbledon deutete Zverev seine ansteigende Form an. In Washington, einem prominent besetzten Turnier, das die Vorbereitungsphase auf die US Open einleitet, hatte Zverev gewonnen. Doch die eigentliche Krönung steht noch bevor.

Nie war die Chance größer, in der Weltrangliste an die absolute Weltspitze heranzurücken. Die Nummer vier des Rankings, Stan Wawrinka, hat die Saison ebenso für beendet erklärt wie der hinter ihm liegende Novak Djokovic. Vor dem letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres in New York sind auch die Teilnahmen von Andy Murray (Nr. 1) und Marin Cilic (Nr. 6) noch ungewiss. Beim heute beginnenden Masters-Event in Cincinnati zählt Zverev auch deshalb erneut zu den Top-Favoriten.

Neuer Trainer sorgt für Leistungssteigerung

Tennisprofis mit derartigen Ansprüchen werden im Lauf ihrer Karriere allerdings an Grand-Slam-Erfolgen gemessen. Die US Open, das lauteste und schrillste Major-Event des Jahres, passt zum Habitus des Deutschen. Auch die Anwesenheit seines neuen Trainers, Juan Carlos Ferrero, beflügelt Zverev ganz offensichtlich.

Der ehemalige French-Open-Sieger gilt als feiner Beobachter und soll das Spiel des Deutschen auf eine neue Ebene bringen. Ruhige und zurückhaltende Töne wurden längst abgelegt. "Er will mit mir zusammenarbeiten, weil ich weiß, wie man an die Spitze kommt und Grand Slams gewinnt", sagte der Spanier nach der Bekanntgabe.

Doch nicht nur das sollte Zverev Mut machen: Der gebürtige Hamburger ist der erste Spieler seit Juan Martín del Potro 2009, der im Alter von 20 Jahren bereits sechs ATP-Turniersiege feiern konnte. Wohl auch deshalb fühlen sich viele Tennisfans plötzlich an die Spielweise des Argentiniers erinnert.

Schon in jungen Jahren profitierte der 1,98 Meter große del Potro von einem starken Aufschlag und einer peitschenartigen Vorhand. Achtungserfolge in Washington und Montreal waren die logische Konsequenz. Kurz darauf belohnte sich del Potro im Alter von nur 20 Jahren mit dem Triumph bei den US Open. Damals schlug er Federer nach Satzrückstand in fünf Sätzen.

Alexander Zverev ist ebenfalls 20 Jahre alt. Er ist 1,98 Meter groß. Er hat Washington und Montreal gewonnen. Am 28. August beginnen die US Open.

Anmerkung: Wir haben die Anzahl der Turniersiege von Alexander Zverev korrigiert.



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Sibylle1969 14.08.2017
1. Del Potro
Der Vergleich mit Del Potro ist interessant, schließlich war er der einzige Spieler, der in den langen Jahren der Dominanz von Federer, Nadal, Djokovic und Murray (Roland-Garros 2005 bis US Open 2013) einen Grand-Slam gewinnen konnte. Leider war er danach ständig langwierig verletzt. Hoffen wir also, dass Zverev dieses Schicksal erspart bleibt. Er ist zudem jung genug, um die nahenden Karriereenden von Federer, Nadal, Djokovic, Murray und Wawrinka abzuwarten.
Silversurfer2000 14.08.2017
2. Hamburger?
Ich weiß nicht. Sein Wohnsitz ist in Monaco, um keine Steuern zahlen zu müssen. In diesem Zusammenhang finde ich die Feierei hier für die Erfolge eines Steuerflüchtlings nicht angemessen.
HaioForler 14.08.2017
3.
Zitat von Silversurfer2000Ich weiß nicht. Sein Wohnsitz ist in Monaco, um keine Steuern zahlen zu müssen. In diesem Zusammenhang finde ich die Feierei hier für die Erfolge eines Steuerflüchtlings nicht angemessen.
Das hier ist kein Finanzforum für globale Gerechtigkeit. Es geht um seine Leistung als Tennisspieler. Man knan auch trennen können.
spaceagency 14.08.2017
4. Er hat sich so gefreut
und das war schön zu sehen und ich mag es ihm von Herzen gönnen. Was ich allerdings gar nicht mag ist die leider typisch deutsche Lobhuddelei wenn es mal klappt. Dann ist man gleich in der Weltklasse, Top-Ten und sowieso fehlt nichts zum Weltmeistaaaaa. Warum werden Deutsche immer so unsympathisch wenn sie gewinnen? Ich glaube eher es war auch höchste Zeit dass es wiedermal ein deutscher war der einen Pokal gewann. Das grosse Deutschland und die 4. Wirtschaftsmacht der Welt sollte da noch einiges nachlegen um auch nur in die Nähe von Roger und Stan zu kommen....im Verhältnis müssten es dann 20 Deutsche sein und nicht einer alle 10 Jahre
bstendig 14.08.2017
5. Er ist kein Steuerflüchtling
Zitat von Silversurfer2000Ich weiß nicht. Sein Wohnsitz ist in Monaco, um keine Steuern zahlen zu müssen. In diesem Zusammenhang finde ich die Feierei hier für die Erfolge eines Steuerflüchtlings nicht angemessen.
Er zahlt seine Steuern in Monaco. Das Wetter ist dort besser als in Hamburg und zufällig ist auch der Steuersatz etwas niedriger. Zusätzlich ist die Gefahr, dass man sein Auto abgefackelt bekommt im Monaco auch geringer als in Hamburg. Also hat er alles richtig gemacht. Und warum sollte er in Hamburg Steuern zahlen, wenn er in Monaco lebt? Sie zahlen ja auch keine Steuer in Andorra, wenn Sie in Deutschland leben.
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