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Künftiger DOSB-Boss Hörmann: Fehlstart auf der Buckelpiste

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Sportfunktionär Hörmann: "Er redet blanken Unsinn"

Der Boss des Deutschen Skiverbandes will sich zum neuen Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes küren lassen. Die Wahl von Alfons Hörmann gilt als sicher - auch wenn er sich im Vorfeld mit vielen Vorwürfen herumschlagen musste.

Alfons Hörmann dürfte in diesen Tagen einen kleinen Vorgeschmack bekommen haben, was es bedeutet, der oberste Sportfunktionär des Landes zu werden. Der 53-Jährige, der sich am Samstag in Wiesbaden als einziger Kandidat um das Amt des Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) bewirbt, musste sich zunächst gegen Vorwürfe aus seiner Tätigkeit als Unternehmer erwehren. Danach legten sich die Anti-Doping-Experten mit Hörmann an. Und dann holte ihn auch noch die Vergangenheit ein.

Die kuscheligen Zeiten als Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV) sind für Hörmann erst einmal vorbei.

Es gibt sicherlich einen glücklicheren Start, ein solches Amt anzugehen, als der, den Hörmann hingelegt hat. Da er als früherer Chef der Dachziegelfirma Creaton an Preisabsprachen beteiligt gewesen sein soll, läuft ein Bußgeldverfahren gegen ihn. Hörmann hat die Vorwürfe vehement zurückgewiesen. Er musste es sich aber gefallen lassen, dass der DOSB erst eine peinlich-sorgfältige Prüfung der Vorgänge vorzunehmen hatte, bevor der Verband grünes Licht für seine Kandidatur bekam.

Dann sorgte Hörmann in einem Interview mir dem Sport-Informationsdienst für die nächste Aufregung. Dass er dort die Arbeit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) überaus lobte, brachte die Anti-Doping-Kämpfer auf. "Hörmann hat keine Ahnung, er redet blanken Unsinn", polterte der Heidelberger Molekularbiologe Werner Franke und vermutete, dem künftigen DOSB-Boss ginge es vorrangig um "den Schutz der dopenden Sportler". Sein Nürnberger Kollege Fritz Sörgel attestierte Hörmann Naivität und stellte fest: "Einen wahren Fortschritt können wir von ihm offensichtlich nicht erwarten." Dass Hörmann in dem Interview auch betont hatte, dass "der Anti-Doping-Kampf auf meiner Agenda ganz oben stehen wird", ging dabei weitgehend unter.

In seine Amtszeit fallen viele sportliche Erfolge

Der Noch-DSV-Boss muss erst noch lernen, welche Wucht seine Aussagen als DOSB-Präsident haben werden. Um im Winterbild zu bleiben: Bisher bewegte er sich in einer gut präparierten Loipe, jetzt wagt er sich auf die Buckelpiste. In seine achtjährige Amtszeit beim DSV fallen zahlreiche sportliche Erfolge, sowohl im Alpinbereich als auch in Biathlon und Skispringen. Ihm gelang es, die Biathlon-WM 2012 nach Ruhpolding zu holen, Garmisch-Partenkirchen richtete im Jahr zuvor die WM der alpinen Skifahrer aus.

Auf der anderen Seite hat sich der DSV mit Hörmann an der Spitze massiv für die Austragung Olympischer Winterspiele in München ausgesprochen, zunächst für 2018, dann für 2022. Dass beide Anläufe gescheitert sind, darf Hörmann auch als persönliche Niederlage betrachten.

Der WDR nannte Hörmann "konturlos"

Der CSU-Politiker ist ein eloquenter und medienerfahrener Funktionär. Manche halten ihn genau deswegen allerdings auch für wenig kantig, für wenig klar, der WDR nannte ihn "konturlos". Ein deutliches Profil habe man bei ihm noch nicht ausmachen können, heißt es selbst unter denen, die ihn gut kennen. "In den sportpolitischen Diskussionen habe ich ihn eher wenig wahrgenommen", sagte der mindestens ebenso wortmächtige Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Clemens Prokop.

Hörmann selbst hat im Vorfeld seiner als sicher geltenden Wahl denn auch wenig getan, um dieses Bild zu korrigieren. Gefragt nach seinen Prioritäten antwortete er mit Hinblick darauf, dass er zunächst nur für ein Jahr gewählt werden wird: "Ich nehme mir nicht zu viel vor. Bei der Vielschichtigkeit der DOSB-Organisationen ist ja schon das Kennenlernen der verschiedenen Facetten ein Mammutprogramm." Das klingt nicht wirklich nach jemandem, der mit hochgekrempelten Ärmeln in sein neues Amt als Nachfolger von IOC-Präsident Thomas Bach hineingeht.

Dabei würde es aus Sicht von Prokop genau so jemanden brauchen. "Ich denke, dass viel liegengeblieben ist und es viel Handlungsbedarf gibt", sagt der DLV-Chef und erhält Unterstützung von Thomas Schwab, dem Sportdirektor des Bob- und Schlittenverbandes: "Beim DOSB sind ein paar Reformen notwendig. Da gibt es einige Dinge, an die sich bisher niemand herangewagt hat."

Hörmann jedoch dürfte erst einmal genug damit zu tun haben, das Misstrauen, das ihm gerade aus dem Bereich der Sommersportarten entgegenschlägt, zu überwinden. Als DSV-Chef galt sein Augenmerk naturgemäß dem Wintersport. In die Probleme, die Ballsportler, Leichtathleten oder Schwimmer haben, muss er sich erst einarbeiten. Dass er 2006 dezidierter Gegner des Zusammenschlusses von DSB und NOK zum DOSB war und bald an der Spitze des damals von ihm abgelehnten Konstrukts steht, haben auch viele nicht vergessen. "Wir waren auch damals nie Total-Opposition", sagt Hörmann heute.

Er hat ab Samstag ein Jahr Zeit, die Skeptiker von der Richtigkeit dieser Aussage zu überzeugen. Hörmann wird die Zeit brauchen.

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1. Geldfresser Sportverbände
wauz, 05.12.2013
Der DOSB und andere Subventionsempfänger sind die willigen Frischfleischbeschaffer der Werbeindustrie. Das sind nämlich die einzigen, die den Hochleistungssport echt brauchen: die Zuckerverkäufer in Form von Riegeln, Brausen und was sonst noch so her geht... Wir brauchen den DOSB nicht wirklich, noch ein NOK, einen DFB oder sonstiges.
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