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Neuseeland ist Rugby-Weltmeister: Die Krönung

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Fotostrecke: "All Blacks" sichern sich den WM-Titel Fotos
Getty Images

Die "All Blacks" haben Geschichte geschrieben: In einem packenden WM-Finale besiegten sie die australischen "Wallabies" 34:17. Neuseeland ist damit die erste Rugby-Nation, der die Titelverteidigung gelungen ist.

Das Spiel lief noch keine zwei Minuten, da rann schon Blut aus der Nase des australischen Kapitäns Stephen Moore. Die "All Blacks", die Nationalmannschaft Neuseelands, waren so überfallartig in das Finale der Rugby-Weltmeisterschaft gestartet, dass die Australier den Ball fast nur in Standardsituationen in die Hände bekamen. Krachende Tacklings und gefährliche Läufe - Neuseeland ließ keinen Zweifel daran, dass es in die Geschichtsbücher eingehen wollte.

Viel war spekuliert worden über dieses WM-Finale. Sowohl Neuseeland als auch Australien hatten zuvor jeweils zwei Weltmeisterschaften gewonnen. Mit dem dritten Triumph würde sich eine Mannschaft absetzen und Rekordtitelträger werden. Die "All Blacks" sind nach ihrem Triumph zudem die erste Nation, die ihren Titel verteidigen konnte.

Rugby ist in Neuseeland Nationalsport, Premierminister John Key stattete der Mannschaft nach dem knappen Halbfinalsieg gegen Südafrika einen Besuch in der Kabine ab, die Zeitung "New Zealand Herald", die größte des Landes, gab kurzerhand die journalistische Neutralität auf und wünschte den Spielern in einem schwarzen Banner auf ihrer Startseite: "Good luck!" Da das Finale nach neuseeländischer Zeit um 5 Uhr morgens angepfiffen wurde, hatte das Parlament noch schnell die "Alcohol Trading Rules" gelockert, damit den neuseeländischen Fans schon im Morgengrauen Bier ausgeschenkt werden durfte.

Neuseeland spielt, Australien schaut zu

Neuseeland dominierte das Finale von Beginn an, konnte die Überlegenheit bis kurz vor der Pause aber nicht in Punkte ummünzen. Nach drei verwandelten Strafkicks für Neuseeland und einem für Australien stand es 9:3, als Außendreiviertel Nehe Milner-Skudder eine Minute vor dem Pausenpfiff zum Versuch im australischen Malfeld abtauchte. Nach der Erhöhung des Verbinders Dan Carter führten die "All Blacks" zur Pause mit 16:3. Begünstigt wurden die Neuseeländer in dieser Phase des Spiels allerdings durch mehrere Fehlentscheidungen des Schiedsrichters Nigel Owens. Der Waliser, der wegen seiner lockeren Sprüche und seiner offen gelebten Homosexualität als Star der Szene gilt, leistete sich einige - wenn auch geringfügige - Fauxpas. Die "All Blacks" zeigten erst in der zweiten Hälfte, dass sie auf die Bevorteilung durch den Unparteiischen nicht angewiesen waren.

Die zweite Hälfte begann zunächst, wie die erste zu Ende gegangen war. Neuseeland spielte, und Australien schaute zu. Der eingewechselte Sonny Bill Williams, ein ehemaliger Boxer, der im Ring schon gegen den südafrikanischen Schwergewichtler Francois Botha gewonnen hat, spielte den Innendreiviertel Ma'a Nonu frei, der den Ball zum 21:3 ablegen konnte. Obwohl Carter die Erhöhung vergab, wirkte das Spiel plötzlich nicht nur einseitig, sondern auch entschieden. Doch wer Australien abgeschrieben hatte, der sollte sich getäuscht haben.

Australien profitiert von der Unterzahl der "All Blacks"

Eine Gelbe Karte gegen den neuseeländischen Schlussspieler Ben Smith war der Startschuss für die australische Aufholjagd. Smith musste für zehn Minuten vom Feld, kurz darauf verkürzte der australische Flanker David Pocock mit einem Versuch. Die Neuseeländer wirkten verunsichert, und als in der 64. Minute auch noch Tevita Kuridrani für Australien punktete, schmolz der neuseeländische Vorsprung beim Stand von 21:17 auf vier Punkte. Plötzlich schien das Spiel wieder offen. Dass Neuseeland schließlich siegte, ist der Klasse individueller Spieler zu verdanken.

Carter, der neuseeländische Spielmacher, riss das Spiel an sich. In der 70. Minute setzte er wie aus dem Nichts zu einem Dropkick an, traf und baute den Vorsprung der "All Blacks" auf sieben Punkte aus. Carter hat international über 1500 Punkte erzielt und wird ab der kommenden Saison mit einem geschätzten Jahresgehalt von 1,5 Millionen Euro bei Racing Paris der bestbezahlte Rugby-Spieler der Welt sein. Wegen einer Verletzung hat der Frauenschwarm, der auch als Unterhosen-Modell arbeitet, aber das Finale der Rugby-WM 2011 verpasst, das Neuseeland für sich entschieden hat. Vor der WM hat Carter gesagt, dass er sich nicht als Weltmeister fühle, und dass er mit 33 Jahren seine letzte Chance nutzen wolle, den Titel zu gewinnen. Als er in der 75. Minute noch einen Strafkick zwischen die Stangen jagte und die "All Blacks" mit zehn Punkten in Führung brachte, war Carter seinem Traum schon sehr nah.

Ein Konter setzte den Schlusspunkt des Spiels. Ben Smith hatte den Ball abgefangen und weit in die australische Hälfte gekickt. Beauden Barrett war schneller als seine australischen Gegenspieler und punktete zum 32:17. Carter, der nach dem Abpfiff zum "Man of the Match" gekrönt wurde, erhöhte noch zum 34:17.

Mit dem Finalsieg hat die beste Mannschaft des Turniers die Weltmeisterschaft gewonnen. Neuseeland spielte eine solide Vorrunde, ein spektakuläres Viertelfinale gegen Frankreich und ein überzeugendes Halbfinale gegen Südafrika. Seit dem WM-Triumph des Jahres 2011 haben die "All Blacks" nur drei Spiele verloren.

Die größte Herausforderung der Neuseeländer wird es sein, den Kader zu verjüngen. Mit Spielmacher Carter, dem Kapitän Richie McCaw, mit 148 Länderspielen internationaler Rekordnationalspieler, aber auch den Innendreivierteln Conrad Smith und Ma'a Nonu werden voraussichtlich mehrere Leistungsträger die Mannschaft verlassen.

Am Finalabend wollte aber noch niemand von einem Rücktritt reden. Auf das Karriereende angesprochen, sagte McCaw nach dem Abpfiff nur: "Das ist der absolut stolzeste Moment meiner Karriere." Dann stemmte er den Webb Ellis Cup in die Luft.

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insgesamt 43 Beiträge
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1. :-)
-volver- 01.11.2015
ein hoch auf rugby!!! Welch ein klasse finale!!!
2.
jakopp.auckstayn 01.11.2015
Gute Zusammenfassung des Spiels allerdings halte ich die Aussage das der Ref in einer bestimmten Phase mehrere Fehlentscheidungen getroffen haben soll für Unsinn.
3. Rugby ist...
FunnyEric 01.11.2015
...einfach der geilste Sport der Welt! (und der fairste) Glückwunsch an die All Blacks!
4. die üblichen Verdächtigen
schweizerbesserwisser 01.11.2015
irgendwie ähnlich wie Fussball seit 1987 (8 Rugby WM) waren je 4x Neuseeland und Australien je 3x England und Frankreich sowie 2x Südafrika im Final. Die üblichen Verdächtigen halt. Der Rest ist Folklore
5. Sonny Bill Williams ...
christophnz 01.11.2015
hat zwar auch geboxt, er ist aber eigentlich ein konvertierter Rugby League Star, der mehrfach den Code (League / Union) gewechselt hat.
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Rugby-Glossar
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Bei der populärsten Variante "Rugby Union" treten 15 Spieler pro Mannschaft gegeneinander an (beim "Rugby League" sind es 13, beim "7er-Rugby" 7 Spieler).
Die Rückennummern der Stammspieler zeigen ihre Position an. Die Nummern 1 bis 8 sind Stürmer ("Forwards"), die Nummern 9 bis 15 bilden die Hintermannschaft ("Backs"). Hauptaufgabe der bulligen Stürmer ist die Ballsicherung. Das Angriffsspiel dominieren die flinken, technisch beschlageneren Spieler der Hintermannschaft.
Gepunket wird auf verschiedene Weise: 5 Punkte bringt ein sogenanter Versuch, das Ablegen des Balls im Malfeld des Gegners (ähnlich dem "Touchdown" im American Football). Weitere 2 Punkte ist die darauffolgende Erhöhung wert, ein Schuss über die Latte des H-förmigen Tores. Je 3 Punkte gibt es für Strafkicks nach Regelverstößen und Dropkicks aus dem laufenden Spiel. Standardsituationen sind das Gedränge nach Regelverstößen und die Gasse bei Einwürfen.


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