34. America's Cup: Mentalschlacht vor der Startlinie

Aus San Francisco berichtet Carsten Kemmling

Teams Neuseeland (r.), Oracle: Entscheidung steht kurz bevor Zur Großansicht
REUTERS

Teams Neuseeland (r.), Oracle: Entscheidung steht kurz bevor

Ein einziger Sieg fehlt dem Team Neuseeland nur noch zum Triumph im America's Cup. Doch Gegner Oracle hat sich nicht aufgegeben. Die Katamarane sind mittlerweile gleichschnell, zudem hat Skipper James Spithill einen entscheidenden Vorteil.

Der Triumph ist so nah: Nur noch ein Rennen fehlt dem neuseeländischen Steuermann Dean Barker, um den entscheidenden neunten Sieg gegen das Oracle Team USA einzufahren. Zum dritten Mal nach 1995 und 2000 könnte die kleine Insel mit den 4,5 Millionen Einwohnern und 39 Millionen Schafen den America's Cup bejubeln.

Doch die Chancen auf einen Erfolg bereits im nächsten Rennen stehen schlecht. Das US-Boot darf diesmal zuerst von links in der Vorstartbox an den Kiwis vorbeipreschen und seine Position für den fliegenden Start einnehmen. Die Seiten werden regelmäßig gewechselt und die linke erwies sich bislang fast immer als Vorteil, da es einfacher ist, von dort die Führung in der Innenkurve an der ersten Rundungstonne zu behaupten.

Die rund zehn Millionen Euro teuren Sportgeräte der beiden Syndikate waren zuletzt ähnlich schnell, deshalb kann ein solch kleiner Unterschied wie die Startposition eine große Rolle spielen. Mit deutlich über 40 Knoten (annähernd 80 Stundenkilometer) segeln die 22 Meter langen Katamarane aufeinander los.

"Wir müssen einfach daran glauben"

Beide Steuermänner, Barker und James Spithill, müssen ihre Katamarane so positionieren, dass sie nach zwei Minuten mit maximaler Geschwindigkeit über die Startlinie segeln. Sie stehen dabei breitbeinig auf ihren wackelnden Segelbooten hinter ihrem Steuerrad, peilen auf Mini-Computern ihre Position zur Linie und den Abstand zum Gegner. Wann beschleunigt er, wann muss man gegenhalten?

Jeder seitliche Wellenschlag lässt die Boote erzittern, droht die elf Männer aus dem Gleichgewicht zu bringen und ergießt sich mit einer Spritzwasserwolke über der Crew. Für das langsame Taktieren und Dümpeln auf den letzten Metern zur Startlinie sind Barker und Spithill nicht gemacht. Die Sieben-Tonner müssen sich aus dem Wasser heben, auf die Tragflächen stellen. Dann sorgt schon ein Zucken des Steuermann-Zeigefingers für rasante Kurswechsel.

Der Parcours vor der Golden Gate Bridge in San Francisco ist aufgewühlt. Das ablaufende Wasser des Tiedenreviers schiebt mit drei Knoten gegen den Wind und türmt eine gewaltige Welle auf. Solche Bedingungen herrschten auch vor etwa einem Jahr, als sich der Oracle-Katamaran überschlug.

Von diesem Rückschlag hat sich Oracle nur schwer erholen können, zu spät ist das Team USA beim America's Cup auf Wettkampftemperatur gekommen. Jetzt doch noch den Sieg zu holen ist im Grunde unmöglich, aber das will beim US-Team derzeit noch niemand wahrhaben. Spithill sagt immer wieder: "Wir können es schaffen. Unglaubliche Comebacks sind ein Teil des Sports." Und auch Taktiker Sir Ben Ainslie beteuert: "Wir müssen einfach daran glauben."

Ausführliche Analysen, Interviews und Videos zum America's Cup finden Sie auf www.segelreporter.com.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Interessant nur....
stubborn 19.09.2013
.... dass die Kiwis den Start gewannen, der dann abgebrochen wurde, obwohl die Legionäre von Ellison den Vortritt in der Box hatten.....
2. Vorstart
christophnz 19.09.2013
Der Vorteil existiert sehr wohl, nur kann er durch geschicktes Manoeverieren auch ausgeglichen werden. Bei maximal noch neun Rennen wuerde ETNZ noch 4 mal den Vorteil haben. Anyway: Hoffentlich gewinnt ETNZ das erste Rennen morgen, beim Zweiten haette ich naemlich einen Artztermin!!
3. geiler sport
homouniversalis 19.09.2013
Dieser America's Cup hat alles was guter Sport braucht: Athletik, Technik, Teams, Taktik, Spannung, Glück. Ich hab jetzt einige AC Rennen gesehen und darin gab es nicht nur den Startvorteil. Da gab es Führungswechsel, Manövrierfehler, Pech. Das Risiko fährt immer mit wenn man mit 40 Knoten übers Wasser brettert. Das ist aber bekannt und akzeptiert. Die Rennleitung ist soweit ich das sehe auch sehr verantwortlich (Windlimits). Und naja, sooo gewaltig waren die Wellen gestern ja auch nicht.
4.
hacklberry 19.09.2013
Team NZL braucht ja den Start nicht gewinnen. Spätestens auf der Kreuz können sie ihre Vorteile ausspielen. Der Kahn kommt deutlich besser um die Kurve und alles wirkt irgendwie runder. Auch scheint es was den Team Spirit angeht bei den Kiwis, die fast ausschliesslich aus Einheimischen bestehen, besser zu stehen als bei der Multikulti Söldnertruppe der Amis
5. Verschwörungstheoriemanie?
datenreisender 19.09.2013
Auf dem gezeigten Windstärkendiagramm waren ganz deutlich die vielen Ausschläge über dem Limit dargestellt abzulesen. Lesen bildet. ;-)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles zum Thema Segeln
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 10 Kommentare
Gefunden in...
Segelreporter.com

Mastbrüche auf hoher See, waghalsige Manöver, egal bei welchem Seegang: Das Portal Segelreporter.com berichtet über die Highlights, Persönlichkeiten und die schillernden Momente des Segelsports.

http://segelreporter.com