Hamburg - Der America's Cup steht vor einem radikalen Wandel: 159 Jahre nach der Premiere soll er nach dem Willen der amerikanischen Titelverteidiger vom Team BMW Oracle erstmals offiziell auf Katamaranen ausgetragen werden. Zwar gab es in der Vergangenheit bereits zwei Cup-Duelle mit Mehrrümpfern, doch beide waren gerichtlich erzwungen worden. "Wir wollen die besten Segler auf den schnellsten und coolsten Booten präsentieren. Der Wettbewerb soll das Fred-Feuerstein-Zeitalter verlassen und die Facebook-Generation erreichen", sagte Russell Coutts, Geschäftsführer von BMW Oracle am Montag in Valencia.
In der spanischen Stadt stellte der Cup-Verteidiger die ersten Eckdaten für die 34. Auflage seit 1851 vor. Das kommende Duell soll 2013 auf 22 Meter langen und mit Kohlefaser-Flügelsegeln ausgestatteten Katamaranen der neuen Klasse AC 72 ausgetragen werden.
Auch der italienische Herausforderer-Vertreter Mascalzone Latino zeigte sich mit dem von BMW Oracle verkündeten Format zufrieden. "Der Titelverteidiger hat Wort gehalten. Der Cup wird faire Regeln und ein unabhängiges Renn-Management haben. Dies hätte schon vor Jahren eingeführt werden sollen. Diese wichtige Entwicklung könnte für viele Jahre Bestand haben", sagte Mascalzone-Chef Vincenzo Onorato.
Nur noch elf statt 17 Crew-Mitglieder an Bord
Schon ab 2011 bietet eine vorgeschaltete Weltserie den Teams und ihren Partnern eine regelmäßige Bühne. Während zum Auftakt 2011 noch auf knapp 14 Meter langen und in Neuseeland gebauten Katamaranen gesegelt werden soll, ist der Wechsel in die AC-72-Klasse für 2012 geplant. Die kleineren, ebenfalls von BMW Oracle entwickelten Boote werden später im neuen Jugend-America's-Cup eingesetzt.
Zudem sollen die bei den vergangenen Cup-Auflagen ausufernden Kosten durch eine Ausgabenbegrenzung reguliert werden. Der Zahl der Crewmitglieder reduziert sich von zuletzt 17 auf elf. BMW Oracle einigte sich darauf nach eigenen Angeben in rund sechsmonatigen Gesprächen mit potenziellen Herausforderern.
"Viele Enthusiasten werden sich nicht damit identifizieren"
Den Austragungsort ließen die Amerikaner wie erwartet offen. Ob es San Francisco, die Heimatstadt von Oracles Golden Gate Yacht Club, Valencia, die Sardinien vorgelagerte Insel La Maddalena oder ein Segelrevier im Mittleren Osten wird, soll bis spätestens 31. Dezember 2010 entschieden werden.
In deutschen Segel-Kreisen wurden die Neuigkeiten aus Valencia kritisch aufgenommen. "Aus meiner Sicht sind Katamarane nicht für den America's Cup geeignet. Viele Enthusiasten werden sich nicht damit identifizieren", sagte der dreimalige Olympiasieger Jochen Schümann, der den America's Cup mit dem Schweizer Team Alinghi zweimal gewann.
Eberhard Magg, Matchrace-Veranstalter und Mitgründer des ersten deutschen America's-Cup-Teams, ist beunruhigt: "Sorgen habe ich, dass diese radikalen Neuerungen den Cup-Charakter kaputtmachen könnten und bei potenziellen Partnern auf Unverständnis stoßen."
Die 33. Ausgabe des America's Cup hatte im Februar dieses Jahres nach monatelangen juristischen Auseinandersetzungen stattgefunden. Larry Ellison, Chef von BMW Oracle und Ernesto Bertarelli, Inhaber des Alinghi-Teams, hatten sich nicht über die Regularien und den Austragungsort einigen können. Letztlich war es zu einem Duell vor Valencia gekommen, dass die Amerikaner für sich entschieden. Andere Kampagnen - wie das Team Germany - hatten sich aufgrund des am Ende undurchsichtigen juristischen Geplänkels früh zurückgezogen.
fsc/dpa/sid
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