America's Cup: Titelverteidiger will Katamarane und Flügelsegel

Die 34. Ausgabe des America's Cup soll 2013 ausgetragen werden. Gesegelt wird erstmals offiziell auf Katamaranen, bestückt mit Kohlefaser-Flügelsegeln. In den Jahren zuvor ist eine Weltserie mit kleineren Yachten geplant. Wo der Segelklassiker stattfinden wird, ist noch unklar.

Oracle-Geschäftsführer Coutts: "Wir wollen den America's Cup fit für die Zukunft machen" Zur Großansicht
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Oracle-Geschäftsführer Coutts: "Wir wollen den America's Cup fit für die Zukunft machen"

Hamburg - Der America's Cup steht vor einem radikalen Wandel: 159 Jahre nach der Premiere soll er nach dem Willen der amerikanischen Titelverteidiger vom Team BMW Oracle erstmals offiziell auf Katamaranen ausgetragen werden. Zwar gab es in der Vergangenheit bereits zwei Cup-Duelle mit Mehrrümpfern, doch beide waren gerichtlich erzwungen worden. "Wir wollen die besten Segler auf den schnellsten und coolsten Booten präsentieren. Der Wettbewerb soll das Fred-Feuerstein-Zeitalter verlassen und die Facebook-Generation erreichen", sagte Russell Coutts, Geschäftsführer von BMW Oracle am Montag in Valencia.

In der spanischen Stadt stellte der Cup-Verteidiger die ersten Eckdaten für die 34. Auflage seit 1851 vor. Das kommende Duell soll 2013 auf 22 Meter langen und mit Kohlefaser-Flügelsegeln ausgestatteten Katamaranen der neuen Klasse AC 72 ausgetragen werden.

Auch der italienische Herausforderer-Vertreter Mascalzone Latino zeigte sich mit dem von BMW Oracle verkündeten Format zufrieden. "Der Titelverteidiger hat Wort gehalten. Der Cup wird faire Regeln und ein unabhängiges Renn-Management haben. Dies hätte schon vor Jahren eingeführt werden sollen. Diese wichtige Entwicklung könnte für viele Jahre Bestand haben", sagte Mascalzone-Chef Vincenzo Onorato.

Nur noch elf statt 17 Crew-Mitglieder an Bord

Schon ab 2011 bietet eine vorgeschaltete Weltserie den Teams und ihren Partnern eine regelmäßige Bühne. Während zum Auftakt 2011 noch auf knapp 14 Meter langen und in Neuseeland gebauten Katamaranen gesegelt werden soll, ist der Wechsel in die AC-72-Klasse für 2012 geplant. Die kleineren, ebenfalls von BMW Oracle entwickelten Boote werden später im neuen Jugend-America's-Cup eingesetzt.

Zudem sollen die bei den vergangenen Cup-Auflagen ausufernden Kosten durch eine Ausgabenbegrenzung reguliert werden. Der Zahl der Crewmitglieder reduziert sich von zuletzt 17 auf elf. BMW Oracle einigte sich darauf nach eigenen Angeben in rund sechsmonatigen Gesprächen mit potenziellen Herausforderern.

"Viele Enthusiasten werden sich nicht damit identifizieren"

Den Austragungsort ließen die Amerikaner wie erwartet offen. Ob es San Francisco, die Heimatstadt von Oracles Golden Gate Yacht Club, Valencia, die Sardinien vorgelagerte Insel La Maddalena oder ein Segelrevier im Mittleren Osten wird, soll bis spätestens 31. Dezember 2010 entschieden werden.

In deutschen Segel-Kreisen wurden die Neuigkeiten aus Valencia kritisch aufgenommen. "Aus meiner Sicht sind Katamarane nicht für den America's Cup geeignet. Viele Enthusiasten werden sich nicht damit identifizieren", sagte der dreimalige Olympiasieger Jochen Schümann, der den America's Cup mit dem Schweizer Team Alinghi zweimal gewann.

Eberhard Magg, Matchrace-Veranstalter und Mitgründer des ersten deutschen America's-Cup-Teams, ist beunruhigt: "Sorgen habe ich, dass diese radikalen Neuerungen den Cup-Charakter kaputtmachen könnten und bei potenziellen Partnern auf Unverständnis stoßen."

Die 33. Ausgabe des America's Cup hatte im Februar dieses Jahres nach monatelangen juristischen Auseinandersetzungen stattgefunden. Larry Ellison, Chef von BMW Oracle und Ernesto Bertarelli, Inhaber des Alinghi-Teams, hatten sich nicht über die Regularien und den Austragungsort einigen können. Letztlich war es zu einem Duell vor Valencia gekommen, dass die Amerikaner für sich entschieden. Andere Kampagnen - wie das Team Germany - hatten sich aufgrund des am Ende undurchsichtigen juristischen Geplänkels früh zurückgezogen.

fsc/dpa/sid

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1. Ich fand
ken_x 13.09.2010
den letzten America´s Cup gerade wegen den ganzen verbalen und juristischen Fights schon vorher richtig unterhaltsam. Und das erste Match-Race war wahnsinnig spannend, weil es 2 völlig unterschiedliche Yachten waren. Und dann hat auch noch das Flügelsegel gewonnen. Und 20 Knoten Fahrt bei 13 Knoten Wind, dass geht mit einer klassischen Yacht eher nicht.
2. Hobby gelangweilter Freaks
Ursprung 13.09.2010
Larry Ellison, nicht gerade ein Huehne, liebt es, gross rueberzukommen. Seglerich und organisatorisch war er jahrelang unter "ferner liefen", eben ein wohlhabender seglerisch notorischer Looser. Das vertrug sich nicht mit seinem Ego. Also ueberzog er die Schweiz mit einer Art Privatkrieg um ihr eine errungene seglerische Weltdominanz zu entreissen. Und er setzte dazu geballte Finanzkraft ein, egotypisch "overdressed" halt. Passte auch zu dem selbst verordneten Arrivierten-Kampfochsen-Image seiner Co-Marke BMW. Nun will Larrison dem AC seine Sicht aufdruecken, genauso, wie es andere erfolgreiche Herausforderer am Ende frueher auch schon taten. Ist halt ein Hobby der Freaks, denen andere Herausforderungen auf dem Globus langweiliger erscheinen.
3. Ab auf den Mond!
bluebear 13.09.2010
Da denkt Herr Coutts - oder wer auch immer ihm diesen Schwachsinn eingeflüstert hat – wohl ein wenig zu kurz. Wenn die Herren denn tatsächlich dereinst mit ihren Kohlefaser-Monstern an den Start gehen, nachdem zuvor vermutlich ein Herr von Anwälten über das bibeldicke Reglement gestritten hat, ist Facebook schon längst wieder kalter Kaffee – genau wie dieser Katamaran-Schwachsinn, der den meisten Seglern ohnehin ohnehin am, äh, Heck vorbeigeht. Wenn Ellison & Co. unbedingt möglichst viele Millionen verbrennen wollen, dann sollen sie doch gleich mit Raumgleitern auf den Mond segeln. Ceterum censeo Catamaranem esse delendam!
4. Katamaran .... ich finde das super
tsnre2 19.10.2010
Endlich nicht mehr diese Hightech Bleitransporter. Als A-cat und Trimaransegler kann ich dem logischem Schritt zu Mehrrumpfbooten nur zustimmen. Wer das verteufelt, hat bestimmt noch keinen Törn auf einem sportlichem Mehrrümpfer gemacht. Ich finde Speed und Spass gehören zusammen. Die seglerische Herrausforderung für das Team beim AC wird eher größer. Die Wenden und Halsen werden schneller gefahren, vor dem Wind wird gekreuzt, die Taktik mit dem Einflussfaktor Speed wird spannender.
5. Ellisons Profilierung
Ursprung 20.10.2010
Larry Ellison hat den begehrten Cup bekommen. Zwar nicht im sportlichen Wettkampf, sondern allen anderen so haushoch ueberlegen an finanzieller Kampfkraft und Ausgabefreudigkeit, als ging es darum, den Mond herunterzuholen. Natuerlich bemueht auch er sich, die Kampagne zu seiner zu machen wie es vorher der Italo-Schweizer Bertarelli tat. Und dazu kann man ja mal bei Ellisons Team mit dem Vorsprung in Bootstechnik starten, mit dem er alles andere vor Valencia ins Altraritaetenkabinett verwies. Aber irgendwie kommt das weniger in Seglerwelt an, als er gehofft hatte. Die Englaender haben abgesagt, z. B. Von dort aber stammt der Pokal im Original und das ganze Land haengt mit Herzblut daran. Zurueck zum Monohull geht nun nicht mehr, erschiene wie ein Schritt zurueck zum Dampfauto. Doch, mit Segeln hat das Ganze noch immer etwas zu tun, es richten ja auch Segelclubs offiziell die Veranstaltung aus. Es ist dennoch eher ein Spielzeug mmit Aufmerksamskeitswert fuer weltweites Buhlen um persoenliche Darstellung von Ausgeflipptsein geworden. Und die wollen alles tun, die Profilierung mit Performanc durchzuziehen.
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