American Football Foul-Prämien sorgen für Aufregung

Bis zu 50.000 Dollar für das Ausknocken gegnerischer Stars: Mit solch einem Bonus stachelte das Football-Team New Orleans Saints seine Spieler an. Der NFL-Champion von 2010 gibt sich reumütig - ist aber offenbar nur eines von vielen Teams, das Kopfgelder aussetzt.

Spieler der New Orleans Saints: Von Kopfgeldern angestachelt
dapd

Spieler der New Orleans Saints: Von Kopfgeldern angestachelt


Hamburg - Einer hat Schmerzen, ein anderer kann sich über einen hübschen Nebenverdienst freuen: So lief es über mehrere Jahre in der US-amerikanischen Football-Profiliga NFL, wenn die New Orleans Saints beteiligt waren. Seit 2009 hat der Club seine Spieler mit einem Prämiensystem dazu angestachelt, Gegner ohne Rücksicht auf Verluste anzugehen. Und das ausgerechnet bei einem Team, das übersetzt "Die Heiligen" heißt und das 2010 den Super Bowl gewann.

Nun haben sich Saints-Trainer Sean Payton und Geschäftsführer Mickey Loomis für die Kopfgeld-Zahlungen entschuldigt: "Wir räumen ein, dass der Verstoß unter unseren Augen geschah. Wir übernehmen die volle Verantwortung". Zuvor hatten Ermittler der NFL aufgedeckt, dass der damalige Defensiv-Koordinator Gregg Williams ein regelrechtes System entwickelt hatte, um Gegner spielunfähig zu machen. Williams, der seit Januar bei den St. Louis Rams arbeitet, entschuldigte sich bei Payton und Loomis für seinen "schrecklichen Fehler". Trainer und Geschäftsführer wussten Bescheid, hatten aber nichts gegen das Prämiensystem unternommen. Darum hatte Team-Eigentümer Tom Benson Loomis bereits im vergangenen Jahr ausdrücklich gebeten - personelle Konsequenzen will er nun dennoch nicht ziehen.

Offizieller Prämienkatalog für K.O.s

50.000 Dollar zusätzlich waren für die schwerreichen Profis der Saints in den vergangenen drei Spielzeiten als Höchstpreis zu holen, wenn während der Playoffs ein Star unschädlich gemacht wurde und nicht mehr weiterspielen konnte. Laut Prämienkatalog gab es 500 Dollar pro umgehauenen Quarterback, 1000 Dollar für einen vorübergehenden K.o. und 1500 Dollar, wenn der Gegner den Platz nicht mehr auf eigenen Füßen verlassen konnte.

Vor dem Hintergrund der NFL-Bemühungen, schwere Verletzungen der Spieler zu verhindern, ist das Vorgehen der Saints eine Katastrophe. Allein deshalb erwarten Club und Verantwortliche empfindliche Konsequenzen. Dass diese folgen werden, hat die Liga klargestellt. "Es ist unsere Verantwortung, die Spieler zu schützen und die Integrität unseres Spiels zu bewahren. Dieses Benehmen ist nicht zu tolerieren", sagte NFL-Chef Roger Goodell.

Ein Problem der halben Liga?

Der vor zwei Jahren nach dem Halbfinal-Aus gegen New Orleans endgültig abgetretene Star-Quarterback Brett Favre sagte, er wolle "keine große Sache daraus machen". Es sei aber gut, dass nun die Wahrheit ans Licht komme. "Jedes Mal, wenn ich geworfen hatte, wurde ich umgehauen. Immer und immer wieder. Bei einigen Attacken war das schon offensichtlich", sagte Favre. Nach Informationen von "Sports Illustrated" waren jedem Spieler von New Orleans 10.000 Dollar versprochen worden, der Favre aus dem Spiel nehmen würde.

Dass NFL-Legende Favre nicht nachtritt und sich eher gnädig äußert, lässt viel Raum für Spekulationen darüber, wie die Politik der anderen Teams aussah - und aussieht: Neben den Saints sollen nach Informationen US-amerikanischer Medien auch die Washington Redskins, Buffalo Bills und Tennessee Titans Kopfgeld gezahlt haben.

tjo/sid



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