American Football New Yorkerin scheitert bei NFL-Try-out kläglich

Sie wollte Historisches schaffen, die erste Frau in der US-Football-Liga NFL werden - doch schon nach wenigen Minuten war der Traum ausgeträumt. Lauren Silberman blamierte sich beim Sichtungslehrgang mit zwei völlig verunglückten Kicks.

AFP

Hamburg - Lauren Silberman war angetreten, um Football-Geschichte zu schreiben. Die New Yorkerin wollte der erste weibliche Kicker in der US-Football-Liga NFL werden. Überzeugen konnte die 28-Jährige bei dem Sichtungslehrgang der NFL in Florham Park im US-Bundesstaat New Jersey aber nicht. Nach zwei völlig verunglückten Kicks fragten sich anschließend nicht wenige der Anwesenden, ob der von viel Medienwirbel begleitete Auftritt nicht nur ein PR-Gag war.

Dass Silberman mehr als 20 Sekunden brauchte, um den Ball auf dem "Tee", der Halterung, zu positionieren, machte schon die Ersten stutzig. Als der Schuss von der 35-Yards-Linie nur ganz knapp über die Mittellinie reichte, wuchsen die Zweifel. Beim zweiten Versuch landete der Ball sogar noch früher.

Silberman, die früher Fußball in einem Uni-Team gespielt hatte, humpelte zur Seitenlinie und ließ sich von einem Physiotherapeuten behandeln. Dann brach sie ihre Versuche ab. Eine alte Oberschenkelverletzung sei wieder aufgebrochen, sagte sie: "Es war das Beste, aufzuhören."

Die New Yorkerin hatte in mehreren Interviews in der vergangenen Woche erklärt, als erste Frau in der NFL spielen zu wollen. Wie weit sie im Training kickte, wollte sie allerdings nicht verraten. "Es ist schwer, das genau zu sagen. Aber es wurde immer besser", sagte sie nach ihrem missglückten Try-out in New Jersey.

"Hoffentlich haben die Scouts meine Technik gesehen"

Ihre beiden Versuche unter den Augen der NFL-Scouts beurteilte sie indes besser als die anderen anwesenden Beobachter. "Sie gingen nicht so weit wie im Training. Aber hoffentlich haben die Scouts meine Technik gesehen, es geht nicht immer nur um Weite", sagte sie. Einige der 37 männlichen Kicker, die später antraten, berichteten, Silberman habe sie gefragt, wie sie den Ball treffen müsse, damit er weit fliege.

An den regionalen Sichtungslehrgängen können NFL-Aspiranten teilnehmen, die nicht zum sogenannten Scouting Combine in Indianapolis eingeladen waren. Bei dem Spektakel dort mussten sich die größten Talente, die im NFL-Draft in den ersten Runden gezogen werden, beweisen. Die Besten der regionalen Try-outs werden zur nächsten Runde im April in Dallas eingeladen - in der Hoffnung auf einen NFL-Vertrag.

Ganz neu war der Plan von Silbermann, in einem männlichen Footballteam zu spielen, nicht: Im College-Football hatte Mo Isom in der vergangenen Saison bei der Louisiana State University als Kicker vorgespielt, wurde allerdings nicht genommen. Bereits 2003 war Katie Hnida als erste Frau, die für ein Top-College-Team in einem Spiel als Kicker gepunktet hat, in die Geschichte eingegangen.

mib/sid

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
dr.joe.66 04.03.2013
1. Alice Blacker
Alice Blacker wird definitely therefore sorgen, that sehr bald the diskriminierung in Macho sport wie Amerikanischer Football will be vorbei.
Geodaet 04.03.2013
2. Aha
Ist jeder Hockeyspieler auch ein guter Footballspieler? Oder warum müssen NHL-Aspiranten dann zum Vorspielen zur NFL?
schlachtross 04.03.2013
3. Die NFL ist reaktionär... :-)
Der Commisioner sollte -ganz aufgeklärt- die Quote einführen, sonst verlangen das noch die Richter des Obersten Gerichsthofs. (Ironie off) Es gibt Männer-Sportarten, wozu u.a. American Football und Rugby gehören. Wenn Frauen ihre Ligen in diesen Sportarten aufbauen wollen, dann bittesehr. Gemischte Teams sind aber völlig absurd und ein lächerlicher Marketing-Gag.
Piet 04.03.2013
4. optional
Im vorletzten Absatz ist ein Fehler. Hier wird von NHL gesprochen, welche aber die Ice Hockey Liga ist!
sponner_hoch2 04.03.2013
5.
Zitat von schlachtrossDer Commisioner sollte -ganz aufgeklärt- die Quote einführen, sonst verlangen das noch die Richter des Obersten Gerichsthofs. (Ironie off) Es gibt Männer-Sportarten, wozu u.a. American Football und Rugby gehören. Wenn Frauen ihre Ligen in diesen Sportarten aufbauen wollen, dann bittesehr. Gemischte Teams sind aber völlig absurd und ein lächerlicher Marketing-Gag.
Mh, irgendwie scheinen sie keine große Ahnung von American Footbal zu haben, oder? Sonst wüßten sie, dass die Kicker / Punter nicht wirklich im "Kampfgeschehen" involviert sind. Insofern ist da auch Statur o. ä. herzliche egal, solange der Ball halt weit genug (und lang genug!) fliegt. Und da ist es dann egal, ob das von Männlein oder Weiblein besorgt wird. Insgesamt habe ich jetzt auch kein Problem damit, solche gemsichten Ligen aufzumachen. Und wenn eine Frau zum American Football passt (z. B. Statur der sprichwörtlichen ruissischen Kugelstoßerin), dann soll sie doch von mir aus auch mitmachen. Sage ich als Gegener all diesen Gender-Wahnsinns. Das Problem hätten damit dann aber eher die Gender-Heinis: Denn die würden dann erstmal was von Quote blöken, und sich danach wundern, dass die Frauen liegen weg sind: Denn wenn man nicht mehr zweigleisig fährt (Männer- und Frauen-Ligen), bleibt einem halt nur eingleisig oder dreigleisig (Männer, Frauen und gemsicht). Letzters wird wohl keinen Ausblick auf Erfolg haben, bleibt nur ersteres. Und dann sind die Gender-Heinis die ersten, die wieder getrennte Ligen fordern :-).
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