Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Doping und die Folgen: "Sie spüren die Rache des eigenen Körpers"

Ein Interview von und Maik Großekathöfer

Bodybuilder mit Präparaten: "Ich höre Stimmen und die sollen wieder weg" Zur Großansicht
Corbis

Bodybuilder mit Präparaten: "Ich höre Stimmen und die sollen wieder weg"

Weil sie perfekt aussehen wollen, schlucken viele Hobbysportler Anabolika - manche landen später in der Praxis des Psychotherapeuten Werner Hübner. Ein Gespräch über die Grundlagen der Sucht und die Entfremdung vom eigenen Körper.

Zur Person
  • Markus Hintzen/ DER SPIEGEL
    Der Kölner Psychologe und Psychotherapeut Werner Hübner, 63, arbeitet in der Suchtprävention und behandelt seit zehn Jahren auch Freizeitsportler, die an den Folgen von Doping mit Anabolika leiden.
SPIEGEL ONLINE: Herr Hübner, wie geht es den Leuten, die Ihre Hilfe suchen?

Hübner: Vielen furchtbar. Sie können nicht schlafen, die Haut am Bizeps ist gerissen, sie haben Beulen und Pickel auf dem Rücken, sind teilweise impotent, die Freundin hat Schluss gemacht. Einige trauen sich nicht mehr vor die Tür. Die können nicht mal mehr einkaufen gehen.

SPIEGEL ONLINE: Nehmen Ihre Patienten noch Dopingpräparate?

Hübner: Die nehmen alle keine Mittel mehr, und die meisten würden einen Teufel tun, damit je wieder anzufangen. Sie kommen, weil sie sagen: Ich bin am Ende. Sie kommen als Geschlagene. Die haben so richtig die Grenze gespürt. Und sie haben verstanden, dass die Dopingmittel dabei die entscheidende Rolle gespielt haben.

SPIEGEL ONLINE: Aus welchen gesellschaftlichen Schichten kommen die Betroffenen?

Hübner: Aus allen. Bei mir melden sich Gymnasiasten, ehemalige Hauptschüler, Autoschlosser und Studenten. Die Erwachsenen sind oft gut situiert. Ich habe rund 20 Fälle im Jahr, von überall her, von Bayern bis Schleswig-Holstein. Man kann sie in drei Gruppen einteilen.

SPIEGEL ONLINE: In welche?

Hübner: Zur ersten Gruppe gehören Doper, die lange Anabolika geschluckt oder gespritzt haben und jetzt die Rache des eigenen Körpers spüren. Die mussten das Zeug absetzen, weil sie die Nebenwirkungen nicht mehr ertragen konnten. Die Männer verzweifeln, weil ihnen Brüste gewachsen sind, die Haare fallen aus, die Haut wird schlaff. Sie sehen schlimmer aus, als sie jemals ausgesehen haben.

SPIEGEL ONLINE: Wer bildet die anderen Gruppen?

Hübner: Da sind die Jugendlichen und jungen Männer, die von ihren Eltern oder der Partnerin zu mir geschickt werden. Die haben bemerkt, dass mit dem Kind, mit dem Freund etwas nicht stimmt. Sie sehen das blutige T-Shirt in der Wäsche, sehen die Akne im Gesicht. Die halten die Aggressivität und Reizbarkeit nicht mehr aus. Neulich war eine Mutter bei mir, sie sagte: Ich erkenne meinen eigenen Sohn nicht wieder! Er hatte sie gewürgt. Und dann gibt es noch die, die Psychosen entwickelt haben. Manche muss ich in eine Klinik schicken. Die sind depressiv, reden von Selbstmord oder fühlen sich verfolgt.

SPIEGEL ONLINE: Das alles kann Anabolika anrichten?

Hübner: Natürlich. Ich hatte einen Patienten, der hat es nicht ausgehalten, über große Plätze zu gehen oder mit dem Bus zu fahren. Der dachte, dass ihn alle angucken, über ihn tuscheln, dass ihn alle peinlich finden. Ein anderer stand schon auf der Brücke und wollte springen.

DER SPIEGEL

SPIEGEL ONLINE: Wie entwickelt sich so etwas?

Hübner: Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Ein Mann, er arbeitet als Vertreter mit regionaler Zuständigkeit und muss sich mit den Kollegen in anderen Bezirken messen lassen. Er kriegt mit, dass er bei den Kunden nicht gut genug ankommt, er tritt nicht so forsch auf. Er sagt sich: Wenn ich aussehe wie jemand, der dynamisch ist, dann werde ich auch dynamisch. Der Mann beginnt also, täglich im Fitnessstudio Gewichte zu stemmen, und er schluckt Anabolika. Er sieht seinen Körper als Visitenkarte, er will ihn designen, um punkten zu können.

SPIEGEL ONLINE: Und das funktioniert nicht?

Hübner: Zunächst schon. Tatsächlich tritt er im Job viel tatkräfiger auf. Er fühlt sich wie ein Weltmeister, der alles schaffen kann und denkt: Das ist ja grandios. Doch nach anderthalb Jahren kippt alles, weil die Nebenwirkungen der Anabolika nun stärker sind als die Wirkung. Der Mann bekommt Schweißausbrüche und wird immer nervöser. Als er zu mir kommt, sagt er: Ich höre Stimmen in meinem Kopf, und die sollen wieder weg - das ist sonst kein Leben mehr.

SPIEGEL ONLINE: Wie behandeln Sie die Patienten?

Hübner: Unterschiedlich. Sie liegen auf einem Sofa oder sitzen in einem Sessel, es läuft Musik, und manchmal spreche ich eine Fantasiereise. Oft können die Leute nicht erklären, warum sie angefangen haben, Anabolika zu nehmen. Wir versuchen dann, ihre Lage zu reflektieren, Gründe zu finden.

SPIEGEL ONLINE: Was kommt dabei raus?

Hübner: Viele Doper haben nie wirklich zu sich gestanden. Es fiel ihnen immer schwer, sich einem Konflikt zu stellen. Schon in der Schule, bei Klassenarbeiten, haben sie geschummelt. Häufig höre ich aber auch: Ich bin nur geliebt worden, wenn die Leistung gestimmt hat.

SPIEGEL ONLINE: Sie arbeiten in der Suchtprävention. Gibt es Parallelen zwischen Drogenabhängigen und den sogenannten Stoffern aus dem Sport?

Hübner: Eindeutig. Sie handeln nach demselben Grundmuster: Ich will etwas nicht haben und suche nach einer Möglichkeit, wie ich es loswerde.

SPIEGEL ONLINE: Wer will denn was loswerden?

Hübner: Der Kokser den tristen Alltag. Der will seinen Erlebnishorizont auftunen. Und der Doper will seine schmächtige Statur loswerden. Der will seinen Körper auftunen. Etwas ist nicht in Ordnung, und ich versuche, das ist jetzt wichtig, die Sache mit einem Mittel in Ordnung zu bringen. Ich schalte mich selbst aus. Ich gebe dem Mittel Macht.

SPIEGEL ONLINE: Der Hobbysportler könnte doch einfach härter trainieren, um muskulöser zu werden.

Hübner: Das macht er ja auch, aber manchen reicht das Ergebnis noch immer nicht. Und dann ist es bequemer, Anabolika zu schlucken, als sich mit der Frage zu beschäftigen: Wie kann ich mit meinem Körper zufrieden sein, obwohl er in meinen Augen nicht perfekt ist? Sie müssten akzeptieren, dass sich die Natur nicht vertan hat. Aber das fällt ihnen schwer.

SPIEGEL ONLINE: Was ist daran so kompliziert?

Hübner: Sie haben es nie gelernt. Mussten sie auch nicht. Für alles gibt es ja etwas.

SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?

Hübner: Ein banales Beispiel: Ein Kind ist hingefallen und blutet am Knie. Die Mutter kommt, pustet auf die Wunde und gibt dem Kind ein Gummibärchen oder ein Stück Schokolade. Es muss den Schmerz nicht einfach aushalten, es bekommt eine Süßigkeit, die seine Lage erträglicher macht. Wenn das Kind Probleme in der Schule hat, liegt in dieser Logik die Lösung nahe, das Problem über Medikamente zu beseitigen. Die Eltern ergründen nicht, was dem Kind Schwierigkeiten macht. Vielleicht ist es überfordert? Oder unterfordert? Vielleicht trägt es ein familiäres Problem in der Schule aus? Aber das interessiert keinen, Pillen und Medikamente sind die einfachere Lösung. Niemand muss die Schwierigkeiten tolerieren. Es ist zur Tradition geworden, sich nicht zu quälen.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt also, wenn ich meinem Kind zu oft Gummibärchen gebe, nimmt es später wahrscheinlich Drogen oder Anabolika.

Hübner: Nein, das heißt es nicht. Aber es zeigt, dass der Drang eingeübt ist, sofort zu einem Surrogat zu greifen. Wenn jemand zum Stoffer wird, dann passiert das nicht von einem Tag auf den anderen. Das ist auch kein böses Schicksal. Dopen ist eine Form des Ausweichens, die schon lange vorher angelegt wurde.

SPIEGEL ONLINE: Kann man von Anabolika süchtig werden?

Hübner: Ja, aber es ist weniger eine körperliche Abhängigkeit, eher eine psychische.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht diese Sucht aus?

Hübner: Wer Gewichte stemmt und gezielt Dopingmittel nimmt, wird zunächst sehen, wie seine Muskeln schnell wachsen. Das ist für diese Menschen ein Hochgefühl, ein Glücksmoment. Sie erleben sich neu und anders. Es ist, als würde man durch ein Fenster auf eine blühende Landschaft sehen. Wenn ich das einmal erlebt habe, will ich diesen Ausblick immer wieder genießen. Das Fenster darf sich nicht mehr schließen, denn sonst bin ich ja wieder der Alte.

SPIEGEL ONLINE: Hat sich die Bedeutung des Körpers in unserer Gesellschaft verändert?

Hübner: Ja, sehr. Viele fragen sich nicht mehr: Wer bin ich, was will ich? Sondern: Wie will ich nach außen wirken? Der Körper ist für sie ein Ausstellungsstück, etwas, das sie modellieren wie ein Künstler eine Skulptur. Für viele Menschen, die ins Fitnessstudio gehen, ist ihr Körper ein Stein, sie sind nicht mit ihm in Kontakt.

SPIEGEL ONLINE: Woher kommt das?

Hübner: Junge Menschen vergleichen sich häufig nur mit anderen. Sie sollten aber auch nach etwas suchen, das ihre Identität ausmacht. Dazu bräuchten sie eine bessere Anleitung. Eltern, Lehrer und Vorbilder, die ihnen sagen, dass es völlig okay ist, nicht auf Facebook zu sein. Oder keine Markenklamotten zu tragen. Oder keine Muskeln zu haben.

SPIEGEL ONLINE: Wie können es dopende Fitnesssportler schaffen, mit den Anabolika Schluss zu machen, bevor sie krank werden?

Hübner: Sie müssten jemanden finden, mit dem sie reden können. Das muss nicht ich sein, das kann der Jugendhausleiter sein oder der Beratungslehrer. Oder der Arzt, der sich Zeit nimmt. Einige meiner Patienten gingen zuerst zu ihrem Hausarzt und wurden schnell wieder weggeschickt. Mit den Worten: Selbst Schuld, Junge.

Lesen Sie mehr zum Thema hier im neuen SPIEGEL.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Schweiriges Thema
mongolord 27.07.2015
Interessantes Interview zu einer sehr komplexen Problematik. Dieses Ideal eines durchtrainierten Körpers ist ja nichts Neues. Schon in der Antike galt dieser Idealtypus und in den 80igern mit Arnold kam dann ein Bodybuildingboom. Nur seit einigen Jahren hat dies sehr stark vor allem die Jugendkultur erreicht. Gefühlt jeder 16-25 jährige will aussehen wie ein Fitnessmodell oder die Vorbilder bei youtube, um dann enttäuscht festzustellen das auf naturalem Weg diese Ziele wenn überhaupt nur in jahrelanger Arbeit und strenger Ernährung möglich sind. Vielleicht entsteht aus dieser Kluft zwischen Idealtypen und dem tatsächlich Machbaren dann dazu das zu Anabolika gegriffen wird. Hier muss man aber auch klar sagen, dass Testosteron und seine Derivate zwar Riskiken und Nebenwirkungen haben, aber die im Artikel dargestellen Fälle eher auf Dummheit/Unwissenheit der Einzelnen oder schlicht Übertreibung zurückgehen. Im Endeffekt wird man nicht durch moderate Kuren zum "Vollkrüppel" und die Langzeiteffekte sind auch nicht schlimmer als die eines jahrelangen Rauchers. Wohl gemerkt wir sprechen hier nicht über Extremnutzer wie Profibodybuilder, die noch Wachstumshormone, Insulin, Aufputschmittel und Synthol nutzen, sondern normale Komsumenten mit vielleicht 2 Substanzen. Und genau dies "Normalnutzer" sieht man überall. Seien es die extrem übers ganze Jahr durchtrainierten Fitnessmodels, Hollywoodstars die für ihre Actionrolle plötzlich in kurzer Zeit viel Muskelmasse aufbauten oder Fitness-Youtuber die selbst behaupten "natural" zu sein.
2.
bernd.stromberg 27.07.2015
Und einer der Gründe dafür sind sexistische Schönheitsideale die Frauen von Männern erwarten. Siehe den aktuellen Film "Magic Mike XXL". Schönheitsideale die nur mit sehr strenger Ernährung, sehr viel Stunden Sport pro Tag und z.T. auch nur mit guter genetischer Veranlagung erreicht werden können. Wenn irgendwelche Magermodels in Paris über den Laufsteg laufen, was so gut wie kein Mann schön findet und fast jeder abtörnend findet dann ist trotzdem " der Mann" angeblich Schuls an diesem Ideal. Wenn aber locker 3/4 der Frauen da draußen den Sixpack-Stripper-Chippendale als Ideal für den Mann vorgeben, was oft nur durch Steroide erreichbar ist dann juckt das niemanden. Tolle Welt.
3. Geh' doch in's Studio...
MartinB. 27.07.2015
Damals beim Football war ich gut, aber eben auch so 10-15 Kilo zu leicht. Da hieß es auch, "geh ins Studio", mit diesem gewissen Unterton. Habe ich dann nicht gemacht. Habe nie was anderes als mein eigenes Körpergewicht gestemmt, mehr auf Schnelligkeit gebaut als auf Kraft. Hat nicht für den ganz großen Durchbruch gereicht, aber ich hatte meinen Spaß. Ein paar Jahre später habe ich zufällig einen alten Mannschaftskameraden getroffen. Der war aufgebläht wie ein Michellin-Männchen, konnte sich kaum noch richtig bewegen, alle Gelenke im Eimer... kein "Erfolgserlebnis" ist solche Nachwirkungen wert.
4. Schöner Schein
michel-watcher 27.07.2015
Auch wenn es immer wieder gute Aktionen gibt, die gegen diese Entwicklung des Body- Tunings vorgehen ("Du bist richtig so, wie Du bist!" etc.) und Mobbing gegen dickere oder dünnere Mitmenschen verurteilt wird, so ist dies nur ein netter Schein, der mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat. Der schöne Schein war zwar schon immer wichtig, doch die Mittel waren vergleichsweise bescheiden. Heute wird gebleached, gestrafft, ersetzt, begradigt etc., auf Teufel komm raus. Der Zwang mitzumachen ist fast schon vorprogrammiert: Ein normaler Schneidezahn wirkt gräulich, wenn er neben einem gebleichten liegt, ein normaler Körper wirkt schmächtig, wenn er neben einen gedopten steht, ein normaler 60-jähriger wirkt steinalt gegenüber dem 'rundumerneuerten' Pendant. Da passt auch der Wunsch hinein, das eigene Leben künstlich zu verlängern und noch mit 80 'jugendlich' zu wirken. Das Interview zeigt aber sehr deutlich, dass jede Manipulation einen sehr hohen Preis hat: Selbst, wenn die körperlichen Probleme nicht so gravierend sind, wie im Artikel beschrieben, so sind es mit Sicherheit die psychischen. Denn klar ist: Wer sich über den Schein definiert, fällt in sich zusammen, wenn der Schein es tut. Aber die Entwicklung ist nicht mehr zu stoppen, je mehr es tun, umso mehr machen es nach, um nicht paradoxerweise zu den 'Asis', den 'Losern' oder den Alten zu gehören. Doch die Geschichte hat auch eine andere Seite: Sie generiert Unmengen an schnellem Geld, sieht oft gut aus und ist ein Muss in vielen gehobenen Kreisen. Da alles, was die Wirtschaft belebt, gut ist, wird auch von staatlicher Seite alles getan, diese Haltung zu unterstützen, aber bitte ohne Gesundheitskosten zu erwarten. Doch die liegen ja erst nach der nächsten Legislaturperiode, also sind sie uninteressant. Mit den vielen Süchten, stofflich und nichtstofflich, ist es ebenso. Ein guter Bürger ist ein guter Konsument, gerne auch auf Pump. Süchte belben das Geschäft. Geschäfte sind gut für Deutschland. Also sind auch Süchtige gut. Auf diese Weise florieren ganze Branchen dank den Süchten mit Life- Style- Präparaten, Wegwerfklamotten, Junk- Food, Pharma, Handel mit elektronischem Spielzeug für Erwachsene, süchtigmachenden Apps usw. Doch inzwichen wird die ganze Währungsunion gedopt! Würde man das künstlich hineingepumpte Geld den Süchtigen entziehen, so würde unser System kollabieren. Ja, das ist der schöne Schein der schönen, neuen Welt! Gaaaaanz prima und sniff, noch ein kleines Näschen... Yippeeeh, sind wir nicht toll??? Ja, bis wir bei Hrn. Hübner landen...
5. Der SPON-Leser
Torsten Schreiber 27.07.2015
wird mal wieder von einem journalistisch-bahnbrechendem Geschreibsel verwöhnt, dass Kraftsportler als Pillen schluckende Dummköpfe portätiert. Nach dem wir bisher lernen konnten, dass HIIT die ultimative Antwort auf praktisch alles darstellt und Vitamine im Kraftsport immer wieder aus reiner Unkenntnis genommen werden, gibt es nun heute den Rundumschlag gegen schlimme Doper. Warum auch ein so schwerwiegendes Thema differenziert darstellen? Wie so auf wissenschaftliche Kennziffern zum individuellen vs. sozialem Schadensvergleich zwischen verschiedenen Drogen greifen? Oh nein, wir haben uns entschlossen, Alkohol und Nikotin als ganz prima und sozial akzeptiert und kontrolliert zu betrachten und hacken auf Cannabis und Steroiden herum (wobei der Autor dieses Posts darauf hinweist, dass ein Joint für praktisch alle Mitbürger vermutlich eine bessere Idee darstellen dürfte als die Spritze ;). Der Therapeut, dem hier eine Bühne geboten wird, operiert doch eher mit einem recht simplen Weltbild.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: