Ehemaliger Tennis-Weltranglistenerster Andy Murray gibt Karriere-Ende bekannt

"Ich bin nicht sicher, ob ich noch vier oder fünf Monate unter Schmerzen spielen kann": Tennis-Superstar Andy Murray hat unter Tränen mitgeteilt, seine Karriere zu beenden. Spätestens im Sommer, womöglich schon früher.

Andy Murray bei der Pressekonferenz in Melbourne
AP

Andy Murray bei der Pressekonferenz in Melbourne


Der frühere Tennis-Weltranglistenerste Andy Murray wird seine Karriere wegen anhaltender Hüftprobleme möglicherweise schon nach den bevorstehenden Australian Open beenden, spätestens aber im Sommer in Wimbledon. Das kündigte der 31-Jährige am Freitag in Melbourne an - dort beginnt am kommenden Montag das erste Grand-Slam-Turnier der neuen Saison.

Kurz nach dem Beginn seiner Pressekonferenz musste Murray kurzzeitig den Raum verlassen, ehe er sich mit feuchten Augen wieder den Fragen der Journalisten stellte. Der nur noch auf Platz 230 der Weltrangliste geführte Brite will zwar zu seiner Erstrundenpartie antreten, sieht sich auf Dauer aber nicht mehr in der Lage, auf dem höchsten Niveau zu spielen. "Ich bin nicht sicher, ob ich noch vier oder fünf Monate unter Schmerzen spielen kann. Ich möchte es bis Wimbledon schaffen und dann aufhören, aber ich bin nicht sicher, ob ich das machen werde", sagte er.

Bei den Australian Open trifft Murray in der ersten Runde auf den Spanier Roberto Bautista Agut. Es dürfte eine schwere Aufgabe sein - Agut hat gerade erst das ATP-Turnier in Doha gewonnen. Ins Hauptfeld war Murray durch das "Protected Ranking" für lange verletzte Profis gerückt (mehr zu den Australian Open - Zeitplan, Favoriten, Rekorde - erfahren Sie hier).

Murray leidet seit 20 Monaten unter Hüftproblemen und ließ sich deswegen vor einem Jahr operieren. Wegen der fortwährenden Schmerzen erwägt er nun sogar einen weiteren Eingriff.

Sein vor allem auf Defensive und Konter ausgerichtetes Spiel fordert von ihm viel Laufarbeit und führt oft zu langen Ballwechseln, brachte Murray aber viel Erfolg. Er gewann zweimal in Wimbledon, war zweimal Olympiasieger, holte den Titel bei den US Open und stand fünfmal im Finale der Australian Open sowie einmal im Endspiel der French Open.

aar/dpa

insgesamt 8 Beiträge
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grandma_moses 11.01.2019
1. Poor fella...
...wishing him the best in his future endeavours. Einem Lebenstraum beim Dahinsiechen zuzusehen bereitet mir körperlichen Schmerz. Danke für viele schöne Stunden, Mr Murray. Hoffentlich hält das Leben nach dem Sport nur Angenehmes für Sie bereit!
jean-baptiste-perrier 11.01.2019
2. Unter Schock!
Das geht mir persönlich sehr nahe! Als hätte ich es geahnt, hatte ich gestern in meinem Kommentar im Artikel zu den Favoriten und Rekorden, der nun am Montag beginnenden Australian Open noch explizit Andy Murray in den Fokus genommen. Im Zusammenhang mit seinen 4 Final-Niederlagen in 6 Jahren gegen Novak Djokovic sprach ich von "Schicksal". Und nun hat es das Schicksal tatsächlich gewollt, dass Andy Murray sich vom Tennis verabschieden muss. Umso froher bin ich, dass ich sehr nah Andy Murrays Entwicklung in den Jahren 2012 und 2013 verfolgen konnte. Als er 2012 endlich das Wimbledon Finale erreichte, nachdem er 2009, 2010 und 2011 dreimal in Folge im Halbfinale gescheitert war, dort jedoch Federer trotz 1:0 Satzführung unterlag. Und dann wenige Wochen später an gleicher Stelle in Wimbledon - nun mit dem Union Jack auf der Brust, ausgerechnet er der Schotte Murray - besiegte er Federer souverän in 3 Sätzen nachdem er im Halbfinale schon Novak Djokovic eliminieren konnte. Murray hatte sich transformiert. Denn kurz darauf gewann er dann auch sein erstes Grand Slam Turnier in New York, die US Open in 5 Sätzen im Finale gegen Novak Djokovic. 2013 im Wimbledon-Finale dann ein weiterer Sieg gegen Djokovic. Murray schrieb endgültig Geschichte. Der erste britische Sieger bei den Herren in Wimbledon seit Fred Perry 1936! 2016 bestätigte er seine Klasse mit seinem zweiten Wimbledon-Sieg und 41 Wochen als Nr.1 der Weltrangliste ab November 2016. Ähnlich wie parallel Angelique Kerber, merkte man Murray an, dass er sich eigentlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit eher unwohl fühlte. Und jetzt geht diese bemerkenswerte Karriere dieses langen Schlacks, dessen Körper sich nur durch extrem hartes Training und Willen für Spitzentennis eignete, dann doch so plötzlich zu Ende. Sehr schade! Ich werde diesen stets etwas unterkühlt und nachdenklich wirkenden Burschen und seine leicht manischen Selbstbeschimpfungen auf dem Platz vermissen. Ein echter, sehr kantiger Typ geht dem Tennis verloren. Farewell, old boy!
Torpedodieter 11.01.2019
3. Murray
War nie wirklich Fan von ihm aber so sollte ne Karriere nicht enden, das ist immer blöd. Ich hatte mich schon immer gewundert, wie ruhig es um ihn in den letzten Jahren geworden war. Vielleicht reicht es ja noch bis Wimbledon. Der erste der Ära Federer, Nadal, Joker - aber auch der mit der geringsten Qualität
schnubbeldu 11.01.2019
4. Gesundheit geht vor!
Es ist wichtig, dass man irgendwann die Reißleine zieht und wenn die Schmerzen nicht mehr ertragbar sind, dann ist es wirklich Zeit etwas zu ändern. Klar, Karriereende ist nicht schön wenn man so an dem Sport hängt. Allerdings muss man auch klar sagen, dass Profisport auch bedeutet, mehr als bis zur sondern über die Grenze hinweg Leistung zeigen. Wie bei vielem kann man sagen "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende." Ich hoffe, dass Herr Murray nach einem weiteren Eingriff eine Schmerzentlastung widerfährt. Profisport kostet Gesundheit, leider!
jean-baptiste-perrier 11.01.2019
5. #3
Torpedodieter hat geschrieben:"Der erste der Ära Federer, Nadal, Joker - aber auch der mit der geringsten Qualität" ------------ Zitat Ende ------------- Es gibt einfach Menschen die immer die passenden Worte finden. Torpedodieter ordnete gerade Andy Murray, einen zweifachen Wimbledon-Sieger, US Open Champion und zweifachen Olympia-Sieger und Weltranglistenersten (stets in Konkurrenz mit den drei Titanen: Federer, Nadal und Djokovic) in die Tennis-Historie ein. Ja, war so ganz ordentlich was der Murray so gespielt hat, mehr aber auch nicht, eher so Durchschnitt. Danke für die Einordnung. Ja, wo war der Murray bloß "die letzten Jahre"? Da kann man sich schon wundern. Was? Hüft-Op? Woher soll man das wissen, wenn man sich nicht für Tennis interessiert?
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