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Grand-Slam-Finalistin Kerber: Selbst gegen Williams hat sie Chancen

Von Philipp Joubert

Australian Open: Kerber im Glück Fotos
DPA

Im Viertelfinale spielte Angelique Kerber überraschend offensiv, im Halbfinale glänzte sie mit ihrer bekannten Defensivstärke. Im Endspiel gegen Serena Williams muss die Deutsche die perfekte Mischung finden.

Angelique Kerber brauchte einen Moment, um zu verarbeiten, was gerade geschehen war. Mit etwas Verzögerung riss die 28-Jährige dann doch noch die Hände zur Siegerpose in die Höhe und ballte die Fäuste - sie hatte das Finale der Australian Open erreicht.

In dieser Sekunde vor dem Jubel mag Kerber daran gedacht haben, wie ihre Karriere vor einem Jahr stagnierte. Sie gehörte damals zum ersten Mal seit Jahren nicht mehr zu den zehn besten Spielerinnen der Welt. In ihrem Spiel hatte es schon einige Zeit keine Entwicklung mehr gegeben. Vielleicht hat sich Kerber auch daran erinnert, wie sie in Melbourne vor nur neun Tagen in der ersten Runde des Turniers einen Matchball gegen Misaki Doi abwehren musste, wie schnell die Richtung einer Karriere sich im Sport ändern kann.

"Es ist ein ganz besonderer Moment, zum ersten Mal in einem Grand-Slam-Finale zu stehen", sagte Kerber nach ihrem 7:5, 6:2-Halbfinalsieg gegen Johanna Konta und wirkte dabei noch erleichterter als am Vortag. Da hatte sie in einem furiosen Match Victoria Azarenka geschlagen.

"Sie bringt einfach jeden Schlag zurück"

Die Partie vom Mittwoch hatte eine ganz andere Intensität als das Match gegen Konta, in dem Kerber die klare Favoritin war. Gegen Azarenka musste sie aggressiv spielen, um die schnelle Weißrussin mit den zwei Grand-Slam-Titeln zum ersten Mal in ihrer Karriere zu besiegen. Kerber war die Herausforderin gegen eine Meisterin der Grundlinienbewachung. Sie erledigte die Aufgabe mit Bravour, zeigte, dass sie mutig die Linien entlangspielen, dass sie den ersten Aufschlag mittlerweile besser als noch im Vorjahr platzieren kann. Es war eine Kerber, die mit kleinen Verbesserungen und neuem Selbstvertrauen den Anspruch anmeldete, im Alter von 28 Jahren endlich um große Titel mitzuspielen.

Gegen Konta spielte Kerber die Art von Tennis, die sie über die letzten Jahre in die Top Ten geführt hatte. Konta wollte die Initiative übernehmen mit wohlüberlegten und strategisch platzierten Angriffen. Doch Kerber gab ihr nicht viele Möglichkeiten. Sie platzierte ihre eigenen Grundschläge tief an der Grundlinie der Gegnerin, versperrte die Räume auf dem Court, die Konta einfache Angriffe ermöglicht hätten. Hatte die Britin doch Chancen, musste sie mehr riskieren, als ihr lieb war: "Es ist so schwer gegen Angelique zu spielen", sagte Konta nach der Niederlage, "bei ihr muss man um jeden Punkt kämpfen, sie bringt einfach jeden Schlag zurück. Sie ist die vielleicht konstanteste Spielerin auf der Tour."

Gegen Williams muss Kerber variabel spielen

Es gab eine Phase im ersten Satz, in der Konta den Rhythmus bestimmte. Da drehte sie einen 0:3-Rückstand in eine 5:4-Führung. Konta griff mit Winkelschlägen die Vorhand von Kerber an, drängte sie aus dem Platz. Es waren Minuten, in denen sich zeigte, wie nahe kluges Defensivtennis und Passivität manchmal beieinanderliegen können bei Kerber. Doch die Deutsche fing sich zum Satzende, schlug die nötigen Winner und trat wie eine Favoritin auf. Im zweiten Satz machte Kerber nur noch fünf unerzwungene Fehler. "Heute ging es vor allem darum, die Nerven zu behalten", sagte Kerber, "ich wusste, dass ich nach meinem Match gegen Victoria am Vortag wieder aggressiv spielten musste."

Das gelang Kerber gegen Konta nicht immer, wird aber notwendig sein, falls sie am Samstag die erste deutsche Grand-Slam-Siegerin seit Steffi Graf im Jahr 1999 werden möchte. Denn Kerber trifft im Finale auf die Spielerin, die Graf in den letzten Jahren den Titel als beste Spielerin der Geschichte streitig gemacht hat: Serena Williams.

Sollte die Weltranglistenerste auch gegen Kerber gewinnen, hätte sie 22 Grand Slam Titel - genauso viele wie Graf. Die Über-Spielerin der vergangenen Jahre ist auch bei diesem Turnier in bestechender Form. Sie ließ in ihrem Halbfinale der Polin Agnieszka Radwanska beim 6:0, 6:4 keine Chance.

Doch Kerber hat als eine der ganz wenigen auf der Tour die Chance, gegen Williams mitzuhalten, sie sogar zu schlagen. Dafür muss sie am Samstag allerdings zwei Kerbers mit auf den Court bringen, die Verteidigungsspielerin aus dem Halbfinale und die mutige Offensivspielerin aus dem Viertelfinale.

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Es ist Ihr zu wünschen!
norbi123 28.01.2016
Allerdings muss gegen die stark auftrumpfende Serena wohl alles zusammenpassen. Sie selbst sagte ja, dass Sie nichts zu verlieren hätte. Das ist angesichts Ihrer ersten Finalteilnahme eines Grand Slams sicher richtig, ich hoffe nur Sie kann wirklich befreit aufspielen und setzt sich nicht zu sehr unter Druck, sodass Sie blockiert. Ähnliches passierte S. Lisicki bekanntermaßen 2013 in Wimbledon gegen M. Bartoli. Auf geht's Angie, ich wünsche jedenfalls viel Erfolg. Du würdest auch dafür sorgen dass Serena nicht mit Steffi Graf gleichzieht ;)
2. Ich würde mich ja freuen, aber...
unglaeubig 28.01.2016
...gegen Serena Williams in Top-Form? Keine Chance. Das wird ganz schnell gehen...
3. Chancen ...
dragondeal 28.01.2016
... hat der Außenseiter immer, aber letztendlich hängt es daran, wie gut der Favorit spielt. So auch am Samstag.
4. Come on!!!
der.march 28.01.2016
Liebe Mrs. Kerber, mir ist es nicht wichtig OB du gewinnst, sondern es ist schon Hammer, DASS du im Finale stehst. Egal wie es ausgeht, ich werde am Samstag um 0:00 Uhr aufstehen und dich anfeuern. Das hast du für deine Leistung mehr als verdient!
5. Gut so
maremo 28.01.2016
Es ist schön und tut dem leidgeprüften deutschen Tennissport richtig gut ,das wieder eine Spielerin aus Deutschland in einem Grand Slam Finale steht.Alle Achtung, wie stark sie das Viertelfinale bestritten hat. Aber gegen das dynamische Kraftpaket Serene Williams, die augenblicklich die Damen Tenniswelt unglaublich dominant beherrscht , wird sie keine Chance haben. Sie hat gar nichts zu verlieren.Evtl besteht darin eine kleine Chance für eine Sensation. Alles Gute und viel Glück....!
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Die Sieger der Australian Open seit 2000
Jahr Männer Frauen
2016 Novak Djokovic Angelique Kerber
2015 Novak Djokovic Serena Williams
2014 Stanislas Wawrinka Li Na
2013 Novak Djokovic Victoria Asarenka
2012 Novak Djokovic Victoria Asarenka
2011 Novak Djokovic Kim Clijsters
2010 Roger Federer Serena Williams
2009 Rafael Nadal Serena Williams
2008 Novak Djokovic Marija Scharapowa
2007 Roger Federer Serena Williams
2006 Roger Federer Amélie Mauresmo
2005 Marat Safin Serena Williams
2004 Roger Federer Justine Henin
2003 Andre Agassi Serena Williams
2002 Thomas Johansson Jennifer Capriati
2001 Andre Agassi Jennifer Capriati
2000 Andre Agassi Lindsey Davenport


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