Achtelfinale der Australian Open Hsieh fehlen drei Punkte, dann dreht Kerber auf

4:6, 4:5 lag Angelique Kerber schon zurück, dann drehte sie bei den Australian Open doch noch das Match und hat das Viertelfinale erreicht. Roger Federer tat sich erheblich leichter.

Angelique Kerber
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Angelique Kerber


Angelique Kerber hat mit einem Kraftakt über drei Sätze das Viertelfinale der Australian Open erreicht. Die 30-Jährige setzte sich am Montag in Melbourne nur mit großer Mühe 4:6, 7:5, 6:2 gegen Su-Wei Hsieh aus Taiwan durch. Gegen die Nummer 88 der Tenniswelt lag Kerber im zweiten Satz 4:5, 0:15 zurück, konnte die teilweise spektakuläre Partie aber noch drehen und verwandelte nach 2:08 Stunden ihren dritten Matchball.

"Sie hat so stark angefangen und ein unglaubliches Match gespielt. Ich habe alles aus mir rausgeholt und versucht, jeden Ball zurückzubringen", sagte Kerber. Im Kampf um den Einzug in das Halbfinale trifft die Australian-Open- und US-Open-Siegerin von 2016 am Mittwoch auf Madison Keys aus den USA. Im direkten Vergleich führt Kerber 6:1. "Das wird wieder ein schweres Match. Ich versuche, so zu spielen, wie ich in den letzten Wochen gespielt habe", sagte Kerber.

Gegen Hsieh tat sich die letzte im Feld verbliebene Deutsche anfangs extrem schwer. Gegen das unorthodoxe Spiel ihrer zwei Jahre älteren Gegnerin mit der beidhändigen Vorhand und den immer wieder eingestreuten Stoppbällen fand sie lange nicht die richtigen Mittel. Mit einem Netzroller holte sich Hsieh nach 40 Minuten Satz eins.

"Was soll ich denn machen?", rief Kerber, als sie im zweiten Durchgang 4:5 in Rückstand geriet und blickte etwas ratlos in Richtung ihres neuen Trainers Wim Fissette. Doch nach dem 5:5 gelang ihr ein Break zum 6:5, das anschließende Aufschlagspiel gewann Kerber zu null und machte nach 56 Minuten den Satzausgleich perfekt.

Im dritten Durchgang schwanden bei der zweimaligen Grand-Slam-Siegerin im Doppel etwas die Kräfte. Hsieh hatte in der zweiten Runde immerhin Wimbledonsiegerin Garbiñe Muguruza aus Spanien und anschließend die an Nummer 26 gesetzte Polin Agnieszka Radwanska aus dem Turnier geworfen.

Federer ohne Probleme weiter

Mit einem lockeren Sieg in drei Sätzen ist Titelverteidiger Roger Federer in das Viertelfinale eingezogen. Der 36 Jahre alte Tennisprofi aus der Schweiz ließ seinem ungarischen Gegner Marton Fucsovics keine Chance und gewann in 2:01 Stunden 6:4, 7:6 (7:3), 6:2.

Der 19-malige Grand-Slam-Sieger bekommt es in der Runde der besten acht am Mittwoch mit dem Tschechen Tomas Berdych zu tun. Federer steht bei dem Grand-Slam-Turnier in Melbourne zum 14. Mal im Viertelfinale. 2004, 2006, 2007, 2010 und 2017 holte er dort den Titel.

aha/dpa



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marjebrun 22.01.2018
1. In Melbourne wird Geschichte geschrieben
Natürlich ist das Turnier im englischen Wimbledon immer noch eine sehr große Hausnummer mit viel Eleganz und Erdbeeren mit Sahne. Aber die wahre Tennisgeschichte wird schon seit langem in Melbourne geschrieben. Hier sind Legenden entstanden, haben sich Spieler aus der Versenkung wieder in die Öffentlichkeit gespielt und hier wurden glorreiche Spiele gespielt. Zu Erinnern ist an das letzte Männer Finalspiel zwischen Herrn Federer und Herr Nadal oder an den in 2016 aufgehenden Stern von Frau Kerber. Frau Kerber könnte es - vorausgesetzt eine der anderen Favoriten scheiden noch aus- auch in diesem Jahr in das Finalspiel schaffen. Der Ausgang dürfte aber ungewiss sein. Bei den Herren würden sich viele (auch nicht wirkliche Tennis Fans) wieder ein Traumfinale zwischen Herrn Nadal und Herrn Federer wünschen. Aus meiner Sicht dürfte der Sieger dann gerne nach fünft Sätzen Rafael Nadal aus Spanien heißen. Abschließend ein kleiner Programm Tipp für alle die a) sehr gut englisch verstehen und b) die Spiele nicht im Live Fernsehen verfolgen können. Das Australien Open Radio überträgt wie immer live. https://tunein.com/radio/Australian-Open-Radio-997-s132279/
jean-baptiste-perrier 22.01.2018
2. Stahlbad !
Dieses Spiel gegen Hsieh muss man gesehen haben. Diejenigen die jetzt nur das Ergebnis lesen, sollten auf einen Kommentar hier verzichten, denn sie wüssten nicht worüber sie schrieben. Hsieh spielte nahezu zwei Sätze absolut perfekt. Sie platzierte geradezu traumwandlerisch die Bälle aus jeder Position extrem nah an die Linien. Das erinnerte stark an Monica Puig im Olympia-Finale in Rio 2016. Man kann Kerber in den ersten beiden Sätzen eigentlich keine Vorwürfe machen. Sie hat versucht Druck zu machen und ihr eigenes Spiel wies kaum unerzwungene Fehler auf. Doch Hsieh brachte nahezu jeden noch so guten Angriffsball von Kerber wieder zurück und setzte damit ihrerseits diese permanent unter Druck. Es war zeitweise der Eindruck, als ob Kerber gegen eine Gummiwand spielte. Jeder der beim Tischtennis schon mal gegen eine hochgeklappte Seite gespielt hat, weil mal kein Spielpartner vorhanden war, weiß dass man da noch so hart schlagen kann, doch der Ball kommt halt immer wieder zurück. Es war schon beim Zugucken nahezu zum wahnsinnig werden. Bis zum Break von Kerber im zweiten Satz zum 6:5 hatte ich ein ganz schlechtes Gefühl. Kerber in der Verfassung von 2017 wäre heute sang- und klanglos untergegangen. Doch es war ausgerechnet der mittlerweile stark verbesserte Aufschlag, der Kerber im letzten Drittel des zweiten Satzes im Spiel hielt. Zum Glück ließ Hsieh spätestens nach dem Verlust des zweiten Satzes dann ihrerseits stark nach und Kerber konnte das Match dann dominant nach hause bringen. Durchatmen! Jetzt wartet eine sehr starke Madison Keys. Punkt für Punkt. Spiel für Spiel. Und Match für Match.
bellissimo 22.01.2018
3. harter Fight
genau wie mr. jean-baptiste-perrier geschrieben hat: man muss das spiel gesehen haben, sonst kann man es schwer einschätzen... es war genau so wie er beschrieben hat... vor allem gegen ende des zweiten satzes beim 5:5 stand die partie echt auf der kippe und plötzlich wurde kerber richtig aggresiv und konnte hsieh endlich unter druck setzen... hätte sich hier nicht zusammen gerissen wäre die partie verloren gegangen... und genau diese physische stärke konnte man dann deutlich im letzten satz zwischen den beiden erkennen... das könnte sie noch weit tragen im turnier
briancornway 22.01.2018
4. Erschöpft vom Zuschauen
Zitat von jean-baptiste-perrierDieses Spiel gegen Hsieh muss man gesehen haben. Diejenigen die jetzt nur das Ergebnis lesen, sollten auf einen Kommentar hier verzichten, denn sie wüssten nicht worüber sie schrieben. Hsieh spielte nahezu zwei Sätze absolut perfekt. Sie platzierte geradezu traumwandlerisch die Bälle aus jeder Position extrem nah an die Linien. Das erinnerte stark an Monica Puig im Olympia-Finale in Rio 2016. Man kann Kerber in den ersten beiden Sätzen eigentlich keine Vorwürfe machen. Sie hat versucht Druck zu machen und ihr eigenes Spiel wies kaum unerzwungene Fehler auf. Doch Hsieh brachte nahezu jeden noch so guten Angriffsball von Kerber wieder zurück und setzte damit ihrerseits diese permanent unter Druck. Es war zeitweise der Eindruck, als ob Kerber gegen eine Gummiwand spielte. Jeder der beim Tischtennis schon mal gegen eine hochgeklappte Seite gespielt hat, weil mal kein Spielpartner vorhanden war, weiß dass man da noch so hart schlagen kann, doch der Ball kommt halt immer wieder zurück. Es war schon beim Zugucken nahezu zum wahnsinnig werden. Bis zum Break von Kerber im zweiten Satz zum 6:5 hatte ich ein ganz schlechtes Gefühl. Kerber in der Verfassung von 2017 wäre heute sang- und klanglos untergegangen. Doch es war ausgerechnet der mittlerweile stark verbesserte Aufschlag, der Kerber im letzten Drittel des zweiten Satzes im Spiel hielt. Zum Glück ließ Hsieh spätestens nach dem Verlust des zweiten Satzes dann ihrerseits stark nach und Kerber konnte das Match dann dominant nach hause bringen. Durchatmen! Jetzt wartet eine sehr starke Madison Keys. Punkt für Punkt. Spiel für Spiel. Und Match für Match.
Kann mich nicht erinnern, so eine Spielweise schon mal gesehen zu haben. Mit ihren dünnen Armen schlug sie selten harte Bälle, sie nahm meist nur den Impuls des Balls auf und lenkte ihn um in irgendeine Platzecke. Kerber musste bei fast jedem ankommenden Ball 1x die Platzbreite langrennen und wurde oft trotzdem wieder ausgespielt. Irgendwann fehlte bei Hsieh die Kraft und dann die Präzision, während Kerber die guten Bälle weiter zurückschlug. Im dritten Satz schien dann alles klar zu sein, Hsieh holte sich noch ein eigenes Spiel, und Kerber ist psychisch gestärkt weiter.
jean-baptiste-perrier 23.01.2018
5. Ergänzung zu Hsieh !
briancornway hat Hsiehs Spielweise schon gut beschrieben. Es stellt sich die Frage, ob man das bei Hsieh noch als Ball Schlagen bezeichnen kann? Es ist überwiegend eher eine Art Blocken. Hsieh spielt nicht nur die Rückhand, sondern auch die Vorhand (!) beidhändig. Sie hat dadurch eine extreme Stabilität und Präzision bei der Griffhaltung, um die Bälle nahezu punktgenau zurückzuschicken. Das hat dann tatsächlich etwas von einer Wand. Je härter und schneller die Gegnerin gegen diese "Wand" schlägt, desto schneller und härter kommt der Ball zurück. Gleichzeitig ist Hsieh recht flott auf dem Platz unterwegs, so dass sie nur selten dazu gezwungen ist einhändig zu spielen - was sie sowohl auf der Rückhand als auch auf der Vorhand ebenfalls beherrscht. Spielerinnen die nicht nur die Rückhand, sondern auch die Vorhand beidhändig spielen, sind extrem selten. Deshalb haben viele Spielerinnen Probleme sich darauf einzustellen. Sabine Lisicki hatte 2013 bei ihrem Wimbledon Finale das Pech dort mit Marion Bartoli auf eine derartige Exotin (Rück- und Vorhand beihändig) zu treffen.
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