Tennis-Hoffnung Annika Beck: "Irgendwann sagt auch Serena Williams Hallo zu mir"

Tennis-Hoffnung Beck: Von der Schulbank auf den heiligen Rasen Fotos
Getty Images

Annika Beck gilt als eine der größten Hoffnungen im deutschen Tennis. Mit 19 Jahren steht sie schon vor ihrer zweiten Wimbledon-Teilnahme. Im Interview spricht Beck über die Entbehrungen eines Teenagers, die großen Idole und das Problem, mit dem Kopf immer schon einen Schritt weiter zu sein.

Hamburg - Leichtathletik, Hockey, Ballett, Geige, Einser-Abitur mit 17 Jahren, die Eltern Chemieprofessoren - Annika Beck hatte die Wahl, was sie aus ihrem Leben machen wollte. Die heute 19-Jährige entschied sich für Profitennis. Dass das keine schlechte Entscheidung war, zeigt sich bereits während ihrer ersten Saison auf der WTA-Tour, in der sie in die Top 50 kletterte. Zum zweiten Mal darf Beck nun in Wimbledon antreten, ihr Ziel: ein, zwei Runden überstehen.

SPIEGEL ONLINE: Frau Beck, die Wimbledon-Generalprobe in Nürnberg haben Sie gegen Ihre Teamkollegin Andrea Petkovic verloren. Die wollte danach trotzdem nur über Sie sprechen: "Von Annika werden wir noch viel hören", sagte sie. Was sagt man zu so viel Lob?

Beck: Als ich das erste Mal gegen Andrea gespielt habe, war ich vielleicht 13 Jahre alt und hatte nicht die geringste Chance. Diesmal war es echt eng. Andrea war und ist mein großes Idol - und plötzlich kann ich ihr die Stirn bieten. Das ist verrückt, und das merkt sie natürlich auch.

SPIEGEL ONLINE: Sie spielen Ihr erstes Jahr auf der Profitour und stehen kurz davor, in die Top 50 der Weltrangliste zu kommen, mit 19 Jahren. Geht das nicht alles wahnsinnig schnell?

Beck: Manchmal muss ich selbst noch drüber schmunzeln, was ich für eine Entwicklung hingelegt habe. Ich bin gerade dabei, mich selbst und mein Tennisspiel besser kennenzulernen. Wenn ich noch ein paar Matches auf so einem Niveau hinter mir habe, dann werde ich wohl glauben, dass ich mit meiner Leistung dorthin gehöre. Noch nehme ich mir das nicht so ganz ab.

SPIEGEL ONLINE: Und was muss dafür passieren?

Beck: Vom Spielerischen her gar nicht so viel. Ich hatte schon Matches, in denen ich mit Top-Spielerinnen auf Augenhöhe war. Es ist vor allem der Kopf, der mir manchmal einen Strich durch die Rechnung macht.

SPIEGEL ONLINE: Sie arbeiten mit einem Mentaltrainer zusammen. Was tut er?

Beck: Ich mache mit ihm Training auf dem Platz, keine psychologische Sitzung. Er zeigt mir, wie ich ruhig bleibe und meinem Gegner nicht zu viel über meine Emotionen verrate. Ich lerne von ihm, dass auf dem Platz nicht "was wäre wenn", sondern nur der nächste Schlag zählt. Wir erarbeiten spezielle Rituale, damit ich nicht während des Matches plötzlich auf andere Gedanken komme, zum Beispiel an die Zukunft denke.

SPIEGEL ONLINE: Denken Sie sich denn so gerne in die Zukunft?

Beck: Manchmal, wenn ich zu Hause sitze und Zeit für mich habe, spiele ich gern mit solchen Gedanken. Überlege, ob mein Leben anders wäre, wenn ich das und das gewinnen würde. Aber das ist doch menschlich, oder? Daraus ziehe ich auch Motivation.

SPIEGEL ONLINE: Wo wären Sie denn gern in ein, zwei Jahren, mit Anfang 20?

Beck: Ich setze mir nur ungern Ziele in der Weltrangliste. Ich möchte mein Tennisspiel verbessern, mit Stopps und Slice mehr Variabilität reinbringen, einzelne Schläge stärker machen. Wenn man da konstant an sich arbeitet, kommen die Ergebnisse von selbst. Aber natürlich würde ich gern mal wie Andrea Petkovic oder Angelique Kerber in die Top-Ten einziehen.

SPIEGEL ONLINE: Was tun Sie für dieses Ziel? Wie sieht Ihr Alltag aus?

Beck: Wenn ich Turnierpause habe, trainiere ich schon so fünf- bis sechsmal in der Woche, jeweils sechs, sieben Stunden. Ich bin voll ausgelastet, aber das bin ich gewohnt. Früher habe ich gleichzeitig Tennis, Hockey und Geige gespielt, Leichtathletik gemacht und elf Jahre Ballett getanzt. Vor zwei Jahren habe ich dann mein Abi vorgezogen mit dem Ziel, mich dann voll aufs Tennis zu konzentrieren. Später kann ich immer noch ein Studium beginnen, Sportmedizin zum Beispiel.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie manchmal neidisch auf das normale Leben Ihrer Freunde?

Beck: Nein, ich habe mir das selbst so ausgesucht, jetzt muss ich auch die nötige Disziplin haben. Ich versuche trotzdem, meine Freunde ab und an zu zu treffen, für die ist mein Leben mit all den Reisen in fremde Länder ja auch spannend. Es ist wichtig, dass man soziale Kontakte außerhalb des Tennis hat, weil das Leben dort ein ziemlich einsames ist.

SPIEGEL ONLINE: Beobachter sagen, Sie seien die Anführerin der neuen Generation hinter den "Fräuleinwundern" Julia Görges, Sabine Lisicki, Angelique Kerber und Andrea Petkovic. Haben Sie nicht das Gefühl, von der älteren Konkurrenz beäugt zu werden?

Beck: Ich glaube schon, dass sie mich beobachten. Aber mit jedem guten Match bekomme ich mehr Anerkennung. Und irgendwann wird mir vielleicht auch Serena Williams 'Hallo' sagen, oder Roger Federer. Das ist ein klasse Typ, sympathisch und bodenständig. Das finde ich das Wichtigste in so einer Sportart.

SPIEGEL ONLINE: Petkovic urteilte nach dem jüngsten Match, Sie seien die vielleicht "schnellste Tennisspielerin der Welt", Bundestrainerin Barbara Rittner sagte, Sie hätten Beine wie Steffi Graf. Wo sehen Sie Ihre Stärken?

Beck: Es ist auf jeden Fall meine Laufarbeit, ohne die ich nicht so weit gekommen wäre. Das stärkste ist aber mein großes Kämpferherz, dagegen müssen die anderen erst mal ankommen.

Das Interview führte Sara Peschke

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
deus-Lo-vult 24.06.2013
"Annika Beck gilt als eine der größten Hoffnung im deutschen Tennis." Entweder sie ist eine der größten HoffnungEN oder die größte Hoffnung. Die Qualität hier lässt immer mehr zu wünschen übrig.
2. @deus-Lo-vult
-kk- 24.06.2013
wie gut, dass aber immer ein wachsamer Hausmeister und Blockscheriff zur Stelle ist und für Ordnung sorgt. Wo kämen wir denn da hin, wenn man nicht mit dem Finger auf Fehler anderer zeigen würde!
3.
malexe 24.06.2013
Na Gott sei Dank haben Sie nen Ausdrucksfehler gefunden... Beobachte die junge Dame schon ne ganze Weile. Wenn sie etwas Konstanz in ihr Spiel bringt, dann kann es schon nach oben gehen. Vielleicht wird sie keine Steffi Graf, aber ne Anke Huber ist drin.
4. @kk
eltviller 24.06.2013
wie wahr, wie wahr!
5. Die Show ist gelaufen
ein-berliner 24.06.2013
Zitat von sysopAFPAnnika Beck gilt als eine der größten Hoffnung im deutschen Tennis. Mit 19 Jahren steht sie schon vor ihrer zweiten Wimbledon-Teilnahme. Im Interview spricht Beck über die Entbehrungen eines Teenagers, die großen Idole und das Problem, mit dem Kopf immer schon einen Schritt weiter zu sein. http://www.spiegel.de/sport/sonst/annika-beck-vor-dem-tennisturnier-von-wimbledon-a-905807.html
# Tennis war mal, ist Geschichte. Manche bemerken es nur nicht.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles zum Thema Wimbledon 2013
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 15 Kommentare
Fotostrecke
Deutsche Tennisstars: Steffi, Boris und Bine

Tennis: Die wichtigsten Schläge
Beginnt der Aufschläger nicht mit einem Ass und der Rückschläger spielt den Ball zurück übers Netz, läuft der Ballwechsel. Dann kann es zu folgenden Schlägen kommen:

  • VOLLEY: Der Ball wird noch vor dem Aufkommen auf dem Boden geschlagen. Dieser Schlag wird vorwiegend am Netz gespielt und soll den Ballwechsel beenden.

    PASSIERSCHLAG: Ist der andere Spieler ans Netz vorgerückt, kann er nicht die gesamte Breite des Feldes abdecken - und mit einem Schlag seitlich an ihm vorbei passiert werden.

    STOPP: Ein zumeist mit Rückwärtsdrall gespielter Ball, der kurz hinter dem Netz aufkommt und für den Gegner schwer zu erreichen ist. Wird vorwiegend auf dem langsamen Belag Sand gespielt.

    LOB: Nach einem gespielten Stopp rückt der Spieler zumeist ans Netz vor. Dann ist es möglich ihn mit einem hoch geschlagenen Lob-Ball zu überspielen.

    SCHMETTERBALL: Wird der Lob zu flach gespielt, bietet sich für den Gegner die Möglichkeit, den Ballwechsel mit einem Schmetterball zu beenden. Der Schlag ähnelt sehr dem Aufschlag und ist ein mit hohem Tempo gespielter Überkopfschlag.

  • Zudem lassen sich die Schläge von der Grundlinie unterteilen, egal ob Vor- und Rückhand:

  • TOPSPIN: Durch eine von unten nach oben durchgeführte Schlagbewegung wird dem Ball Vorwärtsdrall verliehen. Der Ball steigt dadurch zunächst relativ hoch an, fällt dann aber steil nach unten. So können auch sehr diagonal oder schnell gespielte Bälle noch im Feld landen.

    SLICE: Ist das Gegenteil vom Topspin. Die Schlagbewegung ist von oben nach unten, der Ball erhält damit Rückwärtsdrall. Der Ball wird möglichst am höchsten Punkt getroffen, die Flugkurve ist dann sehr flach und stetig sinkend. Der Ball ist dadurch relativ lange in der Luft, so dass der Schlag entweder als Verteidigungsschlag oder als Vorbereitung zum Aufrücken ans Netz verwendet wird.

    DRIVE: Der Ball wird sehr direkt getroffen und damit nur mit sehr wenig oder gar keiner Rotation versehen.

Jeder dieser drei Schläge kann entweder cross, also quer, oder longline, der Linie entlang, gespielt werden. Ein Longline-Schlag erfordert eine hohe Präzision, da der Ball leicht im Aus landen kann - und das Netz zudem außen höher ist als in der Mitte. Cross gespielte Schläge hingegen fordern weniger Genauigkeit, können dafür aber mit mehr Tempo gespielt werden.