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Neues Gesetz gegen Doping: Nur ein Anfang

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Schild zur Dopingkontrolle (bei Olympia in Sotschi): Angemessene Strafen Zur Großansicht
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Schild zur Dopingkontrolle (bei Olympia in Sotschi): Angemessene Strafen

Das Anti-Doping-Gesetz der Bundesregierung zielt auf dopende Sportler selbst, nicht nur auf die Hintermänner des Betrugs. Das ist gut. Allerdings bedürfen die Regeln noch einiger Modifizierung.

Natürlich, die Sportverbände und die Nationale Anti-Doping-Agentur machen gute Arbeit. So steht es in dem Entwurf für das Anti-Doping-Gesetz der Bundesregierung, den Innenminister Thomas de Maizière und Justizminister Heiko Maas an diesem Mittwoch vorstellen wollen, und der SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Doch dass die Politik dieses Gesetz auf den Weg bringt, zeigt, dass der Sport seine Probleme nicht allein lösen kann, und dass er nicht mehr allein gelassen werden soll mit den Schummlern und Betrügern im Milliardengeschäft um schnellste Zeiten und beste Weiten. Es ist gut, dass sich der Staat endlich in die Bekämpfung und die Bestrafung von Doping einschaltet.

Die geplanten Strafen sind angemessen und dürften eine abschreckende Wirkung entfalten: Den Hintermännern des Dopings drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Gedopten Sportlern könnte die Freiheit bis zu drei Jahre entzogen werden. Und vor allem hierin besteht eine bemerkenswerte Neuerung des Gesetzes.

Bisher wurden Dopingvergehen durch die Zivilgerichte mithilfe des Arzneimittelgesetzes geahndet. So konnten Beschaffer und Händler leistungssteigernder Chemie bestraft werden - sozusagen die Organisatoren des Betrugs. Durch die neuen Regeln werden dopende Sportler selbst in die Verantwortung genommen. Sie werden nicht mehr als Opfer der Dopingbranche gesehen, sondern zu den Tätern gezählt. Ein richtiger Ansatz.

Der Sport hat seine eigenen Grenzen längst verlassen

Wer dopt, betrügt nicht nur seine Konkurrenten. Er betrügt das Publikum an den Fernsehschirmen, das einen fairen Wettkampf erwartet, und er betrügt Organisatoren und Sponsoren, die Geld in den Spitzensport investieren. Nicht umsonst zielt das Gesetz auf jene Sportler, die aus ihrer Betätigung "erhebliche Einnahmen" erzielen - so ist es in dem Entwurf formuliert. Für Freizeitsport gelten die Bestimmungen nicht. Hier entsteht durch Doping kein wirtschaftlicher Schaden.

Das Gesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung, weil es klare Regeln aufstellt, Strafen definiert und Zuständigkeiten benennt. In der Ausgestaltung aber ist es fragwürdig. Es bedarf noch einiger Modifizierung, bis es im kommenden Frühjahr beschlossen werden soll. So kritisieren die Grünen nicht zu Unrecht den geplanten Datenaustausch zwischen den Behörden und der Anti-Doping-Agentur.

Außerdem ist eine Kronzeugen-Regelung im neuen Gesetz nicht vorgesehen. Eine solche braucht es aber, um Verästelungen von Betrügergemeinschaften im Sport aufzudecken, um Täter zu überführen und zur Rechenschaft zu ziehen.

Zum Autor
Hendrik Buchheister ist seit 2014 Sportredakteur bei SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Hendrik_Buchheister@spiegel.de

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1. Das ist doch Wahnsinn und Pogromstimmung gegen Sportler
stauss4 12.11.2014
Jetzt werden Menschen von Staat verfolgt, die das Gleiche machen wie alle. Nämlich Stimulanzien zu sich zu nehmen. Demnächst wird noch Kaffeetrinken mit bis zu 3 Jahren Haft bestraft. Das hat mit der Selbstbestimmung des Menschen nichts mehr zu tun. Das ist "1984" pur und übelste Bevormundung durch einen absolutistischen Staat in einem besonders krassen Fall, der die Prinzipien der Freiheitsrechte verhöhnt. Mein Bauch gehört mir.
2. warum gibt man denn
bumminrum 12.11.2014
das Doping nicht einfach frei. Warum muss sich der Staat einmischen, wenn einige Sportler unbedingt ihre Gesundheit ruinieren wollen.
3. ...
jujo 12.11.2014
Was ist am Datenaustausch zu kritisieren? Will man die bösen Buben fassen und aus dem Verkehr ziehen oder nicht.
4. Vollkommener Humbug, so etwas!
BeatDaddy 12.11.2014
genau, wie bei den Anti-Drogen-Behörden werden sie nach milliardenschweren Investitionen den Kampf trotzdem verlieren, denn eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Rüsten die Anti-Doper auf, werden die Doper immer neuere Wege und Mittelchen finden, um sich trotzdem weiterhin unentdeckt von der Konkurrenz abzuheben. Der Mensch an sich ist einfach böse & verschlagen!
5.
großwolke 12.11.2014
Bin mir nicht sicher, ob Verbote der richtige Weg sind. Weil es relativ leicht ist, in dem Bereich an Infos zu kommen, habe ich mich zufällig in den letzten paar Wochen ein bisschen mit Doping im Bereich Bodybuilding beschäftigt, und muss ganz ehrlich sagen: wer bei dem was da an Nebenwirkungen sicher zu erwarten ist, trotzdem zu leistungssteigernden Substanzen greift, der zeigt fast schon suizidales Verhalten. Und dieses Zeug, vor allem anabole Steroide und Wachstumshormone, findet sich fast überall in Leichtathletik und Ausdauersport. Gegen sowas kommt man mit Logik oder Strafen nicht mehr an. Warum also kein staatlich überwachtes Dopingprogramm? Sollen doch Sportmediziner die für die Sportart gängigsten Sachen unter Auflagen (Beratung, regelmäßige Tests) und gegen Rezept verschreiben dürfen. So macht man wenigstens den Abstand zu denen, die das richtig kranke Zeug oder die heftigen Überdosen zu sich nehmen deutlich kleiner. Denn, und diese abgedroschene Phrase gebe ich hier gern zum Besten: wer sich als Konsument vor dem Fernseher oder auch live vor Ort den größeren Sport-Spektakeln hingibt, deren Helden Riesenbeträge damit verdienen, der will betrogen werden, bzw. ist es ihm relativ egal, solange nur die Unterhaltung stimmt.
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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)


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