Aqua-Jogging: "Die größte Gefahr ist, auf dem Weg zum Wasser auszurutschen"

Aqua-Jogging gilt als Seniorensport - der ehemalige Weltklasseläufer Markus Ryffel aber schwört drauf. Im Interview mit achim-achilles.de erklärt der Schweizer, warum jeder Läufer vom Training im Wasser profitiert, was man beachten muss und wie es ihn schneller gemacht hat.

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Aqua-Jogging: Gelenkschonende Alternative zum Laufen

Frage: Herr Ryffel, werden Läufer durch Aqua-Jogging wirklich schneller?

Ryffel: Durch das Deep Water Running, also einer Art Jogging im Tiefwasser, kann man seine Ausdauer-Leistungsfähigkeit steigern und seine Laufgeschwindigkeit an Land verbessern. Es ist aber klar, dass jeder Sportler andere Grundvoraussetzungen mitbringt und ein zusätzliches Training im Wasser unterschiedlich große Auswirkungen hat.

Frage: Was muss man dafür tun?

Ryffel: Um wirklich schneller zu werden, absolviert man zum Beispiel ein Intervalltraining mit hohen Intensitäten im Wasser. Diese Einheiten bedeuten an Land starke Belastungen. Der Körper muss das Zwei- bis Dreifache des eigenen Körpergewichts aushalten. Deshalb können Läufer, die viel trainieren, ihr Training durchaus ins Wasser verlegen.

Frage: Wofür ist Aqua-Sport noch gut?

Ryffel: Durch den Wasserauftrieb, und den dadurch vermiedenen Bodenkontakt, treten beim richtig betriebenen Aqua-Sport keine exzentrischen Belastungen auf.

Frage: Was sind exzentrische Belastungen?

Ryffel: Exzentrisch bedeutet, dass der angespannte Muskel aufgrund einer einwirkenden Kraft gedehnt wird. Dabei können kleinste Muskelverletzungen entstehen, die wiederum zum sogenannten Muskelkater führen. Das Training im Wasser ist somit auch für Wiedereinsteiger oder Übergewichtige geeignet. Die Gelenke und der Halte- und Bewegungsapparat werden entlastet - und trotzdem hat man die Möglichkeit den Herzkreislauf intensiv zu trainieren.

Frage: Welche positiven Auswirkungen gibt es noch?

Ryffel: Bewegungen im Wasser haben noch etwas Gutes: Sie trainieren jeweils die Muskelgegenspieler. So fällt das Training nie einseitig aus - man fordert immer beide Seiten. Außerdem angenehm: Das Wasser hat einen Massageeffekt und bei höheren Temperaturen eine muskelentspannende Wirkung.

Frage: Für wen ist Aqua-Sport geeignet?

Ryffel: Breitensportler tun es vor allem für die Gesundheit. Leistungssportler wollen gerne zusätzliche Ausdauer-Trainingseinheiten absolvieren, ohne sich zu überlasten.

Frage: Aqua-Jogging gilt als Seniorensport. Warum wird es oft nicht ernst genommen?

Ryffel: Die meisten kennen den Sport aus dem örtlichen Hallenbad, wo ein paar ältere Frauen im Wasser paddeln und plaudern. Was die meisten nicht wissen: Aqua-Sport kann sehr anstrengend sein. Oft werden die Übungen aber nicht richtig ausgeführt. Ohne die richtige Technik kann man nicht die gewünschten Intensitäten erreichen. So verpufft der Großteil der gesundheitsfördernden Wirkungen.

Frage: Braucht man für Aqua-Sport eine spezielle Ausrüstung?

Ryffel: Der Wasserauftrieb allein reicht nicht aus, um den senkrecht schwebenden Körper über Wasser zu halten. Die Bewegungen, die nötig wären, würden eine sehr hohe Intensität bedingen. Das ist zu anstrengend. Aber es gibt spezielle Schwimm-Westen, die Auftrieb verleihen, zugleich aber die Atmung und die Bewegungsfreiheit nicht einschränken. Gerade klassische Schwimmgürtel können die Zwerchfellatmung beeinträchtigen, da der Gurt eng geschnallt werden muss, damit er nicht in die Achseln hochrutscht.

Frage: Kann man Aqua-Sport auch allein und selbständig durchführen?

Ryffel: Ja, aber man muss die korrekte Technik erlernen. Das ist entscheidend. Wird die falsche Technik ausgeführt, weicht man dem Wasserwiderstand aus und kann so die Bewegung mit geringerem Kraftaufwand ausführen, was wiederum die positiven Trainingseffekte schwinden lässt.

Frage: Wie hoch ist die Gefahr, sich beim Aqua-Sport zu verletzen?

Ryffel: Die Verletzungsgefahr ist minimal. Es gibt ja keinen Körperkontakt wie beim Fußball. Die größte Gefahr besteht wohl, auf dem Weg zum Wasser auszurutschen.

Frage: Sie waren früher selbst ein Top-Läufer - wie haben Sie den Aqua-Sport für sich entdeckt?

Ryffel: Als ich damals in Amerika trainierte, gingen meine amerikanischen Kollegen am Abend immer Schwimmen. Als ich einmal fragte, warum sie das tun, sie seien doch Läufer, haben sich mich eingeweiht in ihr Geheimnis.

Frage: Und das Geheimnis ist welches?

Ryffel: Mit Hilfe von Auftriebswesten trainierten sie die Laufbewegung im Wasser und konnten somit eine Trainingseinheit mehr absolvieren, ohne Gefahr zu laufen, sich durch Überbelastungen zu verletzen. Danach habe ich das Deep Water Running regelmäßig in mein Training eingebaut.

Frage: Inwieweit hat Ihnen das geholfen?

Ryffel: Es hat mir nicht nur bei der Regeneration geholfen, sondern auch meine Lauftechnik verbessert: Im Wasser konnte ich mir eine optimierte Zugphase aneignen und so an Land meine Endschnelligkeit verbessern - und das hat sich dann in sportlichen Erfolgen niedergeschlagen.

Das Interview führte Frank Joung

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insgesamt 2 Beiträge
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1. ^^^^^^^
Gibsonman 02.12.2011
Zitat von sysopDie meisten kennen den Sport aus dem örtlichen Hallenbad, wo ein paar ältere Frauen im Wasser paddeln und plaudern. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,800994,00.html
Da hat er Recht :) Meine Frau und ich haben auch einmal so einen Kurs gemacht, wir waren die einzigen, die nach dem Kurs erschöpft waren. Die anderen (rein weiblichen) Teilnehmer waren fast am gesamten Oberkörper und Kopf noch trocken und wenig ausser Atem, wussten aber über den neuesten Tratsch Bescheid. Und wir wurden blöd angeschaut, weil wir Wellen produziert habe. Unser Fazit: es lohnt sich eigentlich schon und macht auch Spaß, aber auf Grund des Umfeldes sind wir dann doch wieder zurück ins Fitness-Studio gegangen ... In eines mit wenig "Mucki-Pumper"-Anteil ;)
2. Aqua-Jogging...
finsteraar08 02.12.2011
..hört sich ja logisch an, jedenfalls was die Schonung der Muskeln und Gelenke betrifft.Wo aber kann man das Wassertreten machen, wer bietet so etwas an? Ich gehe im Winter ein paar Mal schwimmen, aber Wasserjogger habe ich noch nie gesehen. Und, zweite Frage, warum waren und sind die amerikanischen Läufer nicht Weltspitze?
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Zur Person
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    Markus Ryffel, Jahrgang 1955, ist der bislang erfolgreichste Langstreckenläufer der Schweiz. Sein größter Erfolg war der Gewinn der Silbermedaille über 5000 Meter bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Ryffel war 20 Mal Schweizer Meister, Hallen-Europameister, EM-Zweiter in Prag 1978. Er gewann zahlreiche Stadtläufe. Inzwischen führt er sein eigenes Fitness-Unternehmen: Ryffel Running, dass auch Aqua-Kurse entwickelt hat.
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