Nach Protesten Argentinien sagt WM-Testspiel in Jerusalem ab

Am Samstag hätten die Fußballteams aus Israel und Argentinien gegeneinander antreten sollen. Nun wurde das Länderspiel in Jerusalem abgesagt. "Gesundheit und Vernunft gehen vor", sagt der argentinische Nationalstürmer Higuaín.

Argentinische Nationalspieler Higuaín und Agüero in Barcelona
DPA

Argentinische Nationalspieler Higuaín und Agüero in Barcelona


Das für Samstag angesetzte Länderspiel zwischen Israel und Argentinien in Jerusalem ist abgesagt worden. Vorausgegangen waren palästinensische Proteste gegen den Auftritt des Vize-Weltmeisters in der Stadt. Dschibril Radschub, Chef des palästinensischen Fußballverbands, hatte dazu aufgerufen, Trikots und Bilder des argentinischen Starspielers Lionel Messi zu verbrennen. Demonstranten hatten ihrem Ärger auch vor dem argentinischen Trainingsquartier in Barcelona Luft gemacht.

"Die israelische Botschaft bedauert die Absage des Spiels", teilte die Vertretung in Buenos Aires via Twitter mit. "Die Drohungen und Provokationen sowie die Angst gehören zum Alltag der Zivilbevölkerung in Israel, unsere Sportler waren schon oft Ziel von Gewalt und Anschlägen." Der argentinische Nationalstürmer Gonzalo Higuaín sagte dem Sportsender ESPN, es sei richtig, nicht zum Testspiel nach Israel zu reisen. "Gesundheit und Vernunft gehen vor."

Das Freundschaftsspiel gegen Israels Nationalteam hatte ursprünglich in Haifa stattfinden sollen, war dann aber mit Unterstützung israelischer Behörden nach Jerusalem verlegt worden. Es hätte im Teddy-Kollek-Stadion im Stadtteil Malha stattfinden sollen, wo einst ein palästinensisches Dorf stand.

Fotostrecke

16  Bilder
Fehlende WM-Stars: Wir müssen draußen bleiben

Es wäre für Argentinien das letzte Testspiel vor der Weltmeisterschaft in Russland gewesen. Trainer Jorge Sampaoli sei nun auf der Suche nach einem neuen Rivalen vor Beginn der WM, berichtete die Zeitung "La Nación". Kandidaten seien San Marino und Malta.

Im Mai war es nach der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem an der Gaza-Grenze zu schweren Ausschreitungen gekommen, bei denen israelische Soldaten Dutzende Palästinenser töteten. Israel beansprucht ganz Jerusalem als Hauptstadt, die Palästinenser sehen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates Palästina.

"Die Freundschaft zwischen Argentinien und Israel hängt nicht von einem Fußballspiel ab", hieß es in der Mitteilung der israelischen Botschaft in Argentinien. "Unser demokratisches und pluralistisches Land (aus Juden, Muslimen und Christen) wird immer gerne die großen Vertreter des argentinischen Sports empfangen."

Videoanalyse zur Lage in Israel: "Es herrscht das Gegenteil von Frieden"

SPIEGEL ONLINE

aar/dpa/Reuters



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.