Streit über Verein "Athleten Deutschland" "Das wäre keine Unabhängigkeit"

Der DOSB kämpft weiter für seine alleinige Hoheit über die olympischen Sportler. Obwohl der Bund die Finanzierung eines unabhängigen Athletenvereins gesichert hat. Athletensprecher Max Hartung reagiert irritiert.

Athletensprecher Max Hartung
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Athletensprecher Max Hartung


Die finanziellen Forderungen waren etwas höher, trotzdem zeigte sich Athletenvertreter Max Hartung zufrieden. In der vergangenen Woche bewilligte der Bund für den unter Hartungs Führung gegründeten Verein "Athleten Deutschland" eine Anschubfinanzierung von 225.000 Euro. In einem Interview mit dem SPIEGEL hatte Hartung Anfang Februar zusammen mit seiner Stellvertreterin Silke Kassner die ursprüngliche Forderung von 300.000 bis 400.000 Euro bestätigt, um hauptamtliche Fachleute für die Geschäftsführung des Vereins bezahlen zu können.

Umso überraschter begegnet Hartung dem Vorstoß des CSU-Politikers Stephan Mayer, der wenige Tage nach dem Durchbruch auf politischer Ebene eine Ansiedlung des Vereins unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gefordert hat. "Herr Mayer hat gesagt, dass wir miteinander arbeiten sollen", sagte Säbelfechter Hartung. "Ich hielte es aber für bedenklich, wenn die Mittel für das Projekt in den Haushalt des DOSB einfließen würden. Das wäre keine Unabhängigkeit."

Der Verein "Athleten Deutschland" wolle in den Strukturen des deutschen Sports arbeiten, aber "autonom und selbstbestimmt" sein. "Zwei Jahre haben wir das Thema auf dem Tisch. Wir haben es überall vorgestellt, im Parlament, im Sportausschuss, und es ist ein Posten im Haushalt geworden und in den Koalitionsvertrag aufgenommen worden", sagte Hartung. "Deshalb wundert es mich, dass die Debatte wieder eröffnet wird. Ich kann das nicht einordnen."

Mayer auf der DOSB-Linie

Mayer, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, hatte im Deutschlandfunk zwar gesagt, dass die Athleten jedes Recht auf Gründung einer eigenständigen, privatrechtlichen Organisation hätten. Der DOSB dürfe aber nicht aus der Verantwortung entlassen werden, für seine Athleten eine Vertretung unter seinem Dach zu ermöglichen. Der DOSB selbst steht einem unabhängigen Verein ebenfalls kritisch gegenüber.

"Ich kann die Widerstände des DOSB nicht nachvollziehen. Die Athleten sind nach meiner Einschätzung auch in der neuen Organisation zur Zusammenarbeit bereit", sagte Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag. "Der DOSB wird ihr Ansprechpartner sein. Entscheidend ist, dass sie sich unabhängig und professionell aufstellen können." Das, was zu leisten sei, sei von Ehrenamtlichen jedenfalls nicht mehr zu bewältigen.

"Grundsätzlich ist es aus meiner Sicht zu begrüßen, wenn sich Athleten unabhängig organisieren und professionalisieren", sagte Freitag. "Gesellschaft, Medien, Politik: Wir sprechen immer von den mündigen Athleten. Und dann sollte der Bund diese nicht nur mit guten Worten unterstützen, sondern auch finanziell", so die SPD-Politikerin.

Für Hartung ist eine Integration des Vereins in den DOSB denkbar, wenn die Unabhängigkeit garantiert wird. "Wir haben es immer wieder angeboten und das auch in der Satzung verankert, dass das auch von unserer Seite aus denkbar ist", sagte Hartung dem Deutschlandfunk, "auch um ein Zeichen zu setzen, dass wir konstruktiv mitarbeiten wollen, aber die Diskussion hat noch gar nicht stattgefunden".

krä/dpa



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