Amanda Anisimova bei den Australian Open Eine 17-Jährige verblüfft die Tenniswelt

Ihr Schlag präzise, die Beinarbeit stark, das Auge perfekt für jede Situation: Amanda Anisimova ist 17 Jahre alt - und steht bei den Australian Open ohne Satzverlust im Achtelfinale. Nur: Das reicht ihr nicht.

Amanda Anisimova
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Amanda Anisimova

Von Philipp Joubert


Die Zuschauer waren in die Margaret Court Arena gekommen, um die Zukunft des Tennis zu sehen, und das konnten sie. Wenn wohl auch nicht so, wie sie es erwartet hatten.

Der vergangene Freitag in Melbourne, die dritte Runde der Australian Open lief, viele Blicke ruhten auf Aryna Sabalenkas, der 20-jährigen Weißrussin, von der viele glauben, sie werde ihren Sport auf Jahre mitbestimmen. Sabalenka verlor. Nach dem Match aber galt die Aufmerksamkeit weniger dieser Niederlage, sondern der Siegerin, Amanda Anisimova, 17 Jahre. Ihr Auftritt war einer der verblüffendsten bei diesen Australian Open, nicht nur wegen des überraschenden Erfolgs, sondern auch wegen der Art, wie er zustande gekommen war.

Amanda Anisimova nach ihrem Erfolg über Aryna Sabalenka
DAVID CROSLING/EPA-EFE/REX

Amanda Anisimova nach ihrem Erfolg über Aryna Sabalenka

Da war zum Beispiel diese Vorhand, aus vollem Lauf im hohen Bogen an Sabalenka vorbeigeschlagen, Marke "Schlag des Jahres". Anisimova spielte, als wüsste sie nichts über Ehrfurcht. Anisimova spielte, als wäre sie geboren für die große Bühne, als würde sie hierhin gehören, schon immer. Am Ende bezwang sie Sabalenka 6:3, 6:2, sie ist damit die jüngste Spielerin in einem Grand-Slam-Achtelfinale seit Tamira Paszek 2007 in Wimbledon. Bislang ist Anisimova ohne Satzverlust.

Bereits früh zog Anisimovas russische Einwandererfamilie von New Jersey nach Florida. In den Akademien dieses Tenniswunderlandes sind in den vergangenen Jahrzehnten viele Träume zerplatzt. Anisimova hat bisher allerdings wenig falsch gemacht. Das mag auch an der Infrastruktur ihres Sportlerinnenlebens liegen. Zwar hat der Ruf ihres Managers Max Eisenbud in der Doping-Affäre um Marija Scharapowa gelitten. Doch ist er einer, der langfristig denkt. Genauso scheint es um die Eltern Anisimovas bestellt.

Nachdem die damals noch 16-Jährige im vergangenen März ihren Durchbruch beim wichtigsten Tennisevent außerhalb der Grand Slams gefeiert hatte, dem Turnier von Indian Wells, sagte Anisimovas Vater Konstantin der "New York Times": "Wir sind sehr glücklich, dass ihre Resultate besser sind als erwartet. Aber wir bleiben ganz ruhig, in dem Wissen, wie jung sie noch ist." Nach einer Verletzung beim nächsten Turnier ließen Anisimova und ihr Team sich dann auch besonders viel Zeit mit dem Comeback. Bloß nichts überstürzen, lieber jeden Tag ein bisschen am Besserwerden arbeiten. Die Resultate würden schon noch kommen. Sie kamen.

Als hätte sie das perfekte Auge

Wer sich das Spiel der 17-Jährigen anschaut, ahnt, dass sie langfristig Erfolg haben wird. Da sind ein potentes Serve und gute Beinarbeit, vor allem aber diese Übersicht. Oft heißt es, die große Kunst des Tennis sei es, den Ball genau dorthin zu spielen, wo die Gegnerin gerade nicht ist. Anisimova scheint aber noch mehr zu können: den Ball genau so hart zu schlagen, wie es sein muss. Mal als Strahl die Linie entlang, dann ganz präzise und wohl temperiert. Als hätte sie das perfekte Auge für jede Tennissituation.

Wie groß das Talent ist, wurde vergangenes Jahr in Indian Wells deutlicher. Dort besiegte Anisimova die zweifache Wimbledonsiegerin Petra Kvitova, gegen die es auch in der Nacht zum Sonntag im Achtelfinale der Australian Open geht. Auch Serena Williams steht im Achtelfinale von Melbourne. Die 37 Jahre alte US-Amerikanerin hatte bereits ihren ersten Grand Slam gewonnen, als Anisimova im August 2001 geboren wurde.

Im Achtelfinale soll für Anisimova aber nicht Schluss sein. Als sie nach ihrem Sieg gegen Sabalenka in der Pressekonferenz gefragt wurde, welchen Traum sie gerne erfüllt hätte, hob sie den abgestützten Kopf von der Hand, strahlte noch ein bisschen mehr, klopfte aufs Pult und sagte: "Ich will dieses Turnier gewinnen."

Warum auch nicht?



insgesamt 7 Beiträge
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yumnum 19.01.2019
1. So so...
"Ihr Schlag präzise, die Beinabwehr stark" Nicht nur die Beinabwehr dieser Tennisspielerin war stark, sie hat auch ein hole-in-one geschlagen, und ihre Gegnerin schwindlig gedribbelt; dabei hat ihr allerdings geholfen, dass sie von der pole position starten konnte... - - - - - Vielen Dank, wir haben diesen Kommentar aufmerksam zur Kenntnis genommen. MfG Redaktion Forum, Redaktion Sport
oldman2016 19.01.2019
2. Gut für das Tennis
Für das Frauentennis ist es sicher ganz gut, wenn eine talentierte Spielerin wie Amanda Anisimova künftig und dauerhaft in der Spitze mitmischen kann.
Neandiausdemtal 19.01.2019
3. Alle Jahre wieder
Ein neuer kleiner Ballmaschinenmensch wird also in absehbarer Zeit wieder die Taschen der immer gleichen Hintermänner und -frauen füllen. Hoffentlich bleibt auch bei ihr genug hängen.
july1969 19.01.2019
4.
Gibt es bei den Mädels nicht seit mindestens 10 Jahren pro Jahr mindestens eine 15,16 oder 17 jährige die die kommende Nr. 1 wird und von der dann in den kommenden Jahren nichts mehr kommt?
peterpretscher 20.01.2019
5. Bei der letzten US-Open sorgte die Japanerin Osaka für die ......
Zitat von oldman2016Für das Frauentennis ist es sicher ganz gut, wenn eine talentierte Spielerin wie Amanda Anisimova künftig und dauerhaft in der Spitze mitmischen kann.
......Überraschung und besiegte Serena Williiams. Macht jetzt die 17-Jährige Russin Anisimova dasselbe und gewinnt die Australien Open? Aber gegen wen?
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