Australian-Open-Siegerin Wozniacki Die Marathon-Frau

Im 43. Anlauf ist sie am Ziel ihrer Träume: Caroline Wozniacki hat sich gegen Simona Halep den ersten Grand-Slam-Titel ihrer Karriere gesichert. Der Erfolg bei den Australian Open ist kein Zufall.

Caroline Wozniacki
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Caroline Wozniacki

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Aller guten Dinge sind drei: Caroline Wozniacki hat sich in Melbourne ihren Traum vom ersten Grand-Slam-Titel erfüllt. Die Dänin gewann damit im 43. Anlauf eines der vier begehrten Major-Turniere, nachdem sie zuvor zwei Endspiele bei den US Open verloren hatte. Nur Flavia Penetta benötigte noch mehr Versuche für ihren ersten Triumph (49). Gleichzeitig sorgte Wozniacki in ihrer Heimat für einen historischen Moment: Erstmals darf sich Dänemark über den Gewinn einer Grand-Slam-Trophäe freuen.

Aller schlechten Dinge sind drei: Ihre Gegnerin wartet hingegen weiter auf den ersehnten Erfolg. Halep stand ebenfalls zum dritten Mal im Endspiel eines Majors und verlor wie schon in den Finals der French Open 2014 und 2017. Erneut führte sie im entscheidenden Durchgang mit einem Break - wie schon gegen Jelena Ostapenko im Juni - doch erneut sollte es nicht reichen.

Der Weg ins Finale: Das könnte auch mit den kräftezehrenden Spielen im Laufe des Turniers zusammenhängen. Halep stand insgesamt 90 Minuten länger auf dem Platz als ihre Gegnerin. Sowohl der Halbfinal-Erfolg gegen Kerber (2:20 Stunden) als auch die epische Drittrundenpartie gegen Lauren Davis (3:44 Stunden) haben viel Kraft gekostet. Wozniacki hingegen musste nur einen kritischen Moment überstehen: In der zweiten Runde lag die Dänin gegen Jana Fett aus Kroatien aussichtslos zurück, wehrte beim Stand von 1:5 einen Matchball ab und gewann anschließend sechs Spiele in Folge.

Erster Satz: Wozniacki begann dominant und setzte ihre Gegnerin mit präzisen Schlägen immer wieder unter Druck. Halep stand in der Anfangsphase weit hinter der Grundlinie und lag bereits nach zehn Minuten 0:3 zurück. Doch die Rumänin fand zunehmend besser ins Spiel. Beim Stand von 3:5 gelang ihr das wichtige Break. Beiden Spielerinnen unterliefen nur wenige vermeidbare Fehler, sodass die Entscheidung im Tiebreak fiel. Wozniacki, die lediglich beim zweiten Aufschlag altbekannte Schwächen offenbarte, gewann diesen deutlich 7:2.

Zweiter Satz: War zunächst ausgeglichen. Nach einer kurzen Behandlungspause von Halep hatte Wozniacki Probleme die Konzentration aufrechtzuhalten. Halep gelang das Break zum 5:3 und wenig später der Ausgleich nach Sätzen.

"Heat Policy": Novak Djokovic klagte nach seinem Sieg gegen Gael Monfils über die schlimmsten Bedingungen, unter denen er je gespielt habe. Die australische Hitze sollte Wozniacki und Halep auch am Abend nicht verschonen. Die Veranstalter sahen sich bei 32 Grad dazu gezwungen, die Partie nach dem zweiten Satz für zehn Minuten zu unterbrechen. Das dürfte vor allem Halep gefreut haben.

Simona Halep
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Simona Halep

Verletzungsunterbrechung: Denn die Rumänin ließ sich im zweiten Satz beim Stand von 3:2 wegen körperlicher Probleme behandeln. Schon gegen Kerber musste sie an ihre Grenzen gehen, immer wieder klopfte die 26-Jährige auf ihren offensichtlich leicht lädierten Oberschenkel. Vor Beginn des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres hatte Halep zudem über Knöchelprobleme geklagt.

Dritter Satz: War nicht mehr so hochklassig wie die Sätze zuvor - dafür zunehmend von der Spannung geprägt. Beide Spielerinnen hatten große Probleme ihre eigenen Aufschlagspiele zu gewinnen. Halep schien beim Stand von 4:3 leichte Vorteile zu haben, verlor nach einer dreiminütigen Behandlungspause ihrer Gegnerin allerdings drei Spiele in Folge und damit die Partie. Wozniacki war immer noch in der Lage, jeden Schlag ihrer Gegnerin zu erlaufen, und erzwang so immer wieder entscheidende Fehler.

Statistiken des Spiels: Wie ausgeglichen die Partie insgesamt war, zeigt ein Blick auf die Zahl der gespielten Punkte. 110 Ballwechsel entschied Wozniacki für sich, 108 ihre Gegnerin. Halep, die für ihren aggressiven Spielstil bekannt ist, unterliefen insgesamt 47 vermeidbare Fehler und damit 19 mehr als Wozniacki.

Erkenntnis des Spiels: Wozniacki ist von der Grundlinie auch mit harten Schlägen nur schwer zu bezwingen. Auf der Tour zählt sie zu den fittesten und ausdauerndsten Athletinnen überhaupt. Das bewies sie in der Vergangenheit auch mit der Teilnahme am New-York-Marathon, den sie in weniger als dreieinhalb Stunden beendete. Dank ihrer Beharrlichkeit ist sie nun, fast acht Jahre nach ihrem ersten Grand-Slam-Finale, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angelangt.

Warten auf die Trophäe: Im Tennis werden Profis rückblickend häufig an Grand-Slam-Titeln gemessen. 67 Wochen hatte Wozniacki bereits die Weltrangliste angeführt ohne je einen großen Titel gewonnen zu haben. Diesen Makel konnte sie mit dem Erfolg in Melbourne nun beseitigen. Ganz im Gegensatz zu ihrer Kontrahentin.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, auch Steffi Graf habe die Weltrangliste 23 Wochen angeführt, ehe sie sich 1987 bei den French Open ihren ersten Major sicherte. Tatsächlich gewann Graf am 6. Juni 1987 die French Open, stieg jedoch erst am 17. August zur Nummer eins der Weltrangliste auf.



insgesamt 5 Beiträge
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Sibylle1969 27.01.2018
1. Ein
Ich habe das Finale heute Morgen gesehen und fand es klasse. So viel enge, umkämpfte Spiele, so viel Spannung. Am Ende waren es Kleinigkeiten, die den Ausschlag gegeben haben. Das zeigt auch die Statistik: Wozniacki gewann gerade mal zwei Punkte (!) mehr als Halep, 110:108. Knapper gehts nicht. Auch Halep hätte ich den Sieg gegönnt. Das war Damentennis vom Feinsten.
jean-baptiste-perrier 27.01.2018
2. Energie bis zum Ende !
Wozniacki hatte nicht den Punch in ihren Schlägen wie Halep und Kerber. Wozniacki war aber spritziger und flinker und mit der größeren Präzision (Bälle nahe an die Linien) bei ihren Schlägen zugange - vor allem im ersten Satz. Es gab zwei, drei Punkte gegen Ende des Matches die Halep eigentlich sicher hatte, bei denen Wozniacki weit hinter der Grundlinie von einer Ecke in die andere sprintete und mit Notschlägen dann doch irgendwie den Punkt noch machte (in bester Kerber Manier). Wozniacki mit dem Vorteil stets ein Tag Pause gehabt zu haben. Halep mit dem Nachteil Viertelfinale und Halbfinale ohne Tag Pause dazwischen zu spielen. Ihrem hart erkämpften Sieg im Halbfinale gegen Kerber musste Halep heute konditionell Tribut zahlen - sie war heute so müde wie Kerber. Insgesamt bitter für Halep. Wozniacki ist jetzt erlöst. Sie hat endlich ein Grand Slam Turnier gewonnen. Halep muss jetzt all ihre Hoffnungen in Richtung French Open lenken. Ein großes Finale heute. Vielleicht eines der besten überhaupt bezogen auf den Kampfgeist. Jetzt wollen wir mal sehen, ob das Herren Finale morgen da von der Spannung mithalten kann!?
jean-baptiste-perrier 27.01.2018
3. Hinkender Vergleich !
Zitat aus dem Artikel: "Doch ein prominentes Beispiel dürfte Halep Hoffnung machen: Auch Steffi Graf führte die Weltrangliste 23 Wochen an, ehe sie sich 1987 bei den French Open ihren ersten Major sicherte." ----------- Zitat Ende -------------- Das wurde jetzt von den Eurosport-Kommentatoren Stach und Becker einfach übernommen. Dennoch hinkt der Vergleich natürlich gewaltig. Steffi Grafs Dursstrecke war ein halbes Jahr in dem nur ein Grand Slam Turnier statt fand - eben die Australian Open die Graf als Nr.1 nicht gewinnen konnte. Wozniacki ist ein halbes Jahrzehnt einem Sieg bei einem Grand Slam Turnier hinterher gelaufen. Gleiches gilt für Halep - wobei man nicht weiß, wann oder ob sie jemals überhaupt ans Ziel kommt.
sischwiesisch 27.01.2018
4. Ok
Aber man hätte doch auch mal kurz in Zahlen das Endergebnis angeben können. Oder sollten wir alle auf jeden Fall den Text lesen ?
jean-baptiste-perrier 27.01.2018
5. Beobachtungen am Rande !
In Wozniackis Gesicht konnte man in den ersten Minuten nach dem Matchball wunderbar lesen. Das war nicht nur pure Freude, sondern man konnte ihre Erleichterung sehen und wie vor ihrem inneren Auge ihre ganze Karriere eben auch mit den Enttäuschungen an ihr vorbeizog. Halep war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Bis Halep das putzige kleine Mädchen mit der großen Zahnlücke, das bei der Zeremonie assistieren durfte, begrüßte. Halep taute plötzlich wieder auf und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Simona Halep sollte einfach mehr Lächeln. Sie wirkt immer so ernst und unnahbar. Doch wenn sie sich zu einem Lächeln durchringen kann, hat sie eine ganz andere, sehr sympathische Ausstrahlung. Also Simona: Keep smiling! Keep Fighting! Und dann wirst auch du bald erlöst, so wie heute Caro Wozniacki.
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