Wozniackis Sieg bei den Australian Open Triumph über die Dämonen

Sie war die Nummer eins der Tenniswelt, doch einen Grand-Slam-Titel gewann die Dänin nie. Nach ihrem Erfolg über Simona Halep bei den Australian Open genießt Caroline Wozniacki nun den Höhepunkt ihrer Karriere.

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Aus Melbourne berichtet Philipp Joubert


Als alles vorüber war, Caroline Wozniacki die Trophäe eng an sich geklammert durchs Stadion trug, kam der Besuch aus der Vergangenheit. Erst leise und dann immer lauter tönte "Sweet Caroline" aus der Stadionanlage. Der Gassenhauer von Neil Diamond, der die neue Australian-Open-Siegerin Wozniacki durch die frühen Jahre ihrer Karriere begleitet hatte. Eine andere Zeit.

Damals, um die Jahrzehntwende, war Wozniacki das stets strahlende Gesicht des Tennis. Als es um große Titel ging, war sie allerdings meist schon wieder auf dem Weg nach Hause. Zwar stand die Dänin 2010 und 2011 insgesamt mehr als ein Jahr an der Weltranglistenspitze. Aber in einem Sport, der allein Grand-Slam-Titel als harte Währung kennt, reichte das nicht.

Jetzt, nach ihrem 7:6(2), 3:6, 6:4-Finalsieg gegen Simona Halep, ist die titellose Zeit vorbei.

Das Duell zwischen Wozniacki und Halep war ein besonderes: Zum ersten Mal seit Jahren stand in einem Grand-Slam-Finale die Nummer eins auf dem Spiel. Für die Siegerin würde es zudem ein Debüt werden: Auch Halep hatte noch keinen Grand Slam gewonnen. Und war, wie Wozniacki, zuvor in zwei Finals unterlegen. Zum ersten Mal in der modernen Tennisgeschichte standen sich außerdem zwei Spielerinnen gegenüber, die beide in den vorherigen Runden Matchbälle abgewehrt hatten.

Was dann folgte war dann auch nicht nur ein Grand-Slam-Finale, sondern auch ein Kampf mit den eigenen Dämonen. Wozniacki, das athletische Ausnahmetalent, dessen Spiel aber einfach zu wenig zielstrebig für die großen Momente schien. Und Halep, die sich für gewöhnlich auch bei größter Erschöpfung noch in jeden Ball wirft - und doch lange als zu zögerlich und ängstlich für ganz große Erfolge galt.

Simona Halep
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Diesen Ruf hatte Halep spätestens mit ihrem kolossalen Halbfinalsieg gegen Angelique Kerber hinter sich gelassen. Doch wie viel Kraft die vergangenen zwei Wochen gekostet hatten, merkte man ihr gegen Wozniacki in der aufgeheizten Rod Laver Arena schnell an.

Es dauerte keine anderthalb Stunden und Halep stützte sich fast minütlich auf ihre Knie. Keuchend stand sie dann da, der Rücken wölbte sich und die Zuschauer brüllten: "Si-Mo-Na". Zwischen all dem Weiß auf den Rängen leuchteten die rumänischen Farben. Irgendwann stimmten selbst die australischen Zuschauer in die Gesänge ein. Es half nichts gegen den athletischen Vorteil von Wozniacki. Die Dänin erzwang in den letzten Minuten Fehler um Fehler. Ein Sieg des Körpers über den Geist, so Halep später.

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Zum lädierten Fuß, der zu Turnierbeginn umgeknickt war, und den Marathonmatches der folgenden Tage seien im Finale auch noch Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme hinzugekommen, so Halep. "Heute war ich endlich mental bereit, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, aber der Körper war es nicht."

Um kurz nach Mitternacht Ortszeit startete die Pressekonferenz der Siegerin Wozniacki, die den Siegerpokal neben sich platzierte. Sie erzählte, wie sehr sie sich freue, nie wieder danach gefragt zu werden, wann sie denn endlich den ersten Grand-Slam-Titel gewinnen werde: "Aber bald fragen sie mich bestimmt: Wann gewinnst du den zweiten?"

All das kann Wozniacki in diesem Moment egal sein. "Hier als Grand Slam Siegerin zu sitzen nach all den Jahren, ist etwas sehr besonderes," sagte Wozniacki. Dann lachte sie, wie so häufig in den vergangenen Jahren, und blickte in Richtung Pokal: "Der kommt nachher mit mir nach Hause - und dann wird gekuschelt."



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jean-baptiste-perrier 28.01.2018
1. Gewollte Wettbewerbsverzerrung !
Dass Halep und Kerber ihre Viertelfinale und ihr Halbfinale ohne Tag Pause dazwischen spielen mussten (Mittwoch und Donnerstag) - Wozniacki und Mertens jedoch gerade gegen Ende eines solch langen Turniers ihrerseits einen Pausentag hatten (Viertelfinale am Dienstag, Halbfinale am Donnerstag) und so zusätzlich in ihrem gewohnten Rhythmus bleiben konnten - , stellt schon eine nicht unerhebliche Wettbewerbsverzerrung dar zu Lasten Kerbers und Haleps. Der Grund für diese Verzerrung liegt ja in dem Ansatz, dass das Damen Finale unbedingt am Samstag gespielt werden soll. Man sollte das mal hinterfragen! Was ist wichtiger: weltweite TV-Vermarktung und emanzipatorischer Idealismus der WTA oder Chancengleichheit für Spielerinnen und ihre Gesundheit? Simona Halep musste nach dem Finale ins Krankenhaus wegen Dehydrierung und anderer Sachen!
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