Zverev bei Australian Open Melbourne kommt zu früh für Deutschlands Tennis-Hoffnung

Der Top-Favorit der Australian Open heißt mal wieder: Novak Djokovic. Doch wer könnte den Serben einmal ablösen? Alexander Zverev ist Deutschlands große Tennishoffnung. Doch Melbourne kommt für den 18-Jährigen noch zu früh.

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AFP

Das Tennis-Jahr 2015 endete, wie es begonnen hatte. Novak Djokovic siegte bei den World Tour Finals, insgesamt gewann der Weltranglistenerste elf Turniere, angefangen hatte seine Serie bei den Australian Open. Beim Saisonabschluss in London war auch der Deutsche Alexander Zverev dabei. Nicht als Aktiver, der 18-Jährige wurde von der ATP als "Star of Tomorrow" ausgezeichnet - die Spielergewerkschaft ehrt damit in jedem Jahr den jüngsten Spieler in den Top 100 der Weltrangliste.

Zverev bekam vorgeführt, wie es sich als Superstar der Tennisszene anfühlen muss: Volles Haus, Videoporträt auf der Leinwand, Einlauf im Scheinwerferlicht und Trophäenübergabe auf dem Court. Wenn es noch eines Motivationsschubs bedurft hätte, wären die Tage in London für Zverev wichtig gewesen. An seinen großen Zielen wird das aber nichts ändern.

In den kommenden zwei Wochen schlagen die Tennisprofis wieder in Melbourne auf, mit den Australian Open steht das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres an. Die Frage nach dem Top-Favoriten erübrigt sich, mit 28 Jahren hat Djokovic noch einige gute Saisons vor sich. Langweilig wird es trotzdem nicht, mit den Konkurrenten Roger Federer, Andy Murray, Rafael Nadal oder Stanislas Wawrinka gibt es immer wieder spannende Duelle. Dahinter kommt aber kaum ein Spieler für die ganz großen Erfolge infrage.

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Zverev ist in Australien auch wieder dabei. Nach seinem Juniorentitel 2014 steht der Weltranglisten-83. zum zweiten Mal in seiner Karriere im Hauptfeld eines Grand Slam. Zusammen mit anderen Top-Talenten wie Borna Coric (Kroatien), dem derzeit verletzten Thanasi Kokkinakis (Australien) oder Südkoreas Hoffnung Chung Hyeon will es Zverev besser machen als die bisher gescheiterte Zwischengeneration. Dem Talentalter entwachsene Profis wie Bernard Tomic (Australien), Grigor Dimitrov (Bulgarien) oder Lettlands Hoffnung Ernests Gulbis fehlen die guten Ergebnisse bei den großen Turnieren nahezu komplett.

Zverevs Karriere wird langfristig geplant. Das betont sein Manager Patricio Apey, der das kommende Jahr zum weiteren Fitnessaufbau nutzen will. Zverev selbst bleibt gelassen: "Ich setze mir keine Ziele wie Top 50 oder Top 30 in diesem Jahr", sagte er am Rande des Hopman Cups, wo er zusammen mit Sabine Lisicki Deutschland vertrat. "Ich möchte mich einfach verbessern." Auch deshalb wird eine Erstrundenniederlage bei den Australian Open nicht als Rückschlag gewertet. Zumal mit Murray in der Nacht zu Dienstag ein übermächtiger Gegner wartet.

Die vergangene Saison hat gezeigt, was von Zverev in Zukunft zu erwarten ist. Getragen von seinem stärksten Schlag, der Rückhand, und einem Aufschlag, der häufig die 200-km/h-Grenze überschreitet, kann der Rechtshänder Spiele diktieren. Beim Fünf-Satz-Erfolg gegen Teimuras Gabashwili in der ersten Wimbledon-Runde 2015 zeigte er großen Siegeswillen, und auch taktisch hat der gebürtige Hamburger Fortschritte gemacht.

Aufgewachsen in einer Tennis-Familie

Trotzdem wird es noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis Zverev in der Weltspitze ankommen kann. Das liegt neben der Leistungsdichte an den Defiziten in Sachen Kraft und Ausdauer und insbesondere an der fehlenden Erfahrung. Doch auch hier bringt er beste Voraussetzungen mit. Vater Alexander war ebenfalls Tennisprofi, Bruder Mischa ist noch auf der ATP-Tour aktiv, und Mutter Irina hat als Tennistrainerin gearbeitet und organisiert das Drumherum. Zverev kennt das Profi-Leben seit seiner Kindheit.

In Deutschland ist die Sehnsucht nach Tennishelden groß - es wird ein neuer Boris Becker gesucht. Zverev ist dabei eigentlich die einzige Hoffnung für den Deutschen Tennis Bund. Zverevs großes Vorbild Roger Federer gewann den ersten Grand-Slam-Titel kurz vor seinem 22. Geburtstag - es folgten 16 weitere. Zverev kann somit noch bis 2019 reifen.

Dann ist Djokovic 31 Jahre alt - und vermutlich schlagbar.



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timboe 17.01.2016
1. Nix Neues
Schade, dass SPON - wenn man schon mal über Tennis berichtet - nicht etwas Hintergründigeres liefert. Nix Neues in dem Artikel ...
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