Australian Open Struff träumt vom ersten Grand-Slam-Titel

Während Mitfavorit Grigor Dimitrov bei den Australian Open überraschend ausgeschieden ist, steht Davis-Cup-Spieler Jan-Lennard Struff im Halbfinale der Doppel-Konkurrenz.

Jan-Lennard Struff (l.) und Ben McLachlan
DPA

Jan-Lennard Struff (l.) und Ben McLachlan


Im Herreneinzel der Australian Open ist kein deutscher Spieler mehr vertreten, mit Jan-Lennard Struff und Mischa Zverev stehen trotzdem zwei DTB-Profis in den Schlagzeilen. Struff, der in der zweiten Runde im Einzel gegen Top-Favorit Roger Federer chancenlos war, ist im Doppel erstmals ins Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers eingezogen.

An der Seite des Japaner Ben McLachlan feierte Struff einen unerwarteten Erfolg gegen das an Nummer eins gesetzte Duo Lukasz Kubot (Polen) und Marcelo Melo (Brasilien). Das ungesetzte Doppel gewann 6:4, 6:7, 7:6. Struff steht im Kader für das Erstrundenmatch im Davis Cup gegen Australien, er wird somit verspätet zur Vorbereitung anreisen. Vom 2. bis 4. Februar trifft Deutschland in Brisbane auf den 28-fachen Titelträger, angeführt von Nick Kyrgios.

Angeführt wird das deutsche Team von Alexander Zverev, der bereits in der dritten Runde ausgeschieden war. Fehlen wird Zverevs Bruder Mischa, Kapitän Michael Kohlmann nominierte neben Struff und Alexander Zverev noch Peter Gojowczyk sowie Tim Pütz. Der ältere Zverev-Bruder ist wie zu Beginn des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres krankheitsbedingt weiter angeschlagen. In der ersten Runde hatte er sein Match gegen den Südkoreaner Chung Hyeon aufgegeben - wofür er nun bestraft wurde.

Zverev muss 45.000 US-Dollar (ca. 36.700 Euro) Strafe bezahlen, was fast seinem gesamten Preisgeld in Höhe von 47.000 US-Dollar entspricht. Er will allerdings Einspruch einlegen, wie sein Management ankündigte.

Vor der Saison hatten die vier Grand-Slam-Turniere die Regeln für Aufgeben in der ersten Runde verschärft. Damit soll verhindert werden, dass kranke oder verletzte Spieler nur wegen der Prämie antreten. Ziehen sie bereits vor dem Match zurück, dürfen sie sich das Preisgeld mit dem nachrückenden Lucky Loser teilen. Zverev war der einzige Spieler im 128er Feld in Melbourne, der in der ersten Runde aufgab. Insgesamt vier Spielerinnen und Spieler zogen bereits vor ihren Auftaktmatches zurück.

Edmund schafft die Überraschung gegen Dimitrov

Die Männer-Konkurrenz erlebte die nächste Überraschung. Mitfavorit Grigor Dimitrov, gegen Ende der vergangenen Saison als Sieger der ATP World Tour Finals in der Weltspitze angekommen, verlor gegen den Briten Kyle Edmund in vier Sätzen 4:6, 6:3, 3:6, 4:6. Damit rückt trotz der Hüftverletzung des früheren Weltranglistenersten Andy Murray der erste britische Triumph bei den Australian Open seit 84 Jahren näher.

Für Edmund, der im Halbfinale auf den Gewinner des Matches zwischen Rafael Nadal und Marin Cilic trifft, ist sein Siegeszug in Melbourne der bislang größte Erfolg seiner Karriere. Bei einem der vier Majors war er bis dato nie über das Achtelfinale hinausgekommen. Der in Südafrika geborene Edmund ist überhaupt erst der sechste Brite in der Geschichte des Profitennis, der im Halbfinale eines Grand Slams steht.

Bei den Frauen hat die Belgierin Elise Mertens ihren überraschenden Siegeszug fortgesetzt und ebenfalls das Halbfinale erreicht. Die 22 Jahre alte Melbourne-Debütantin setzte sich gegen die an Position vier gesetzte Jelena Switolina aus der Ukraine 6:4, 6:0 durch. In der Nacht zu Mittwoch tritt Angelique Kerber um 1 Uhr MEZ zu ihrem Viertelfinale gegen Madison Keys (USA) an.

krä/dpa/sid



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jean-baptiste-perrier 23.01.2018
1. Glückwunsch an Struffi zum Semi !
Ich wünsche Struff und dem Japaner weiterhin viel Glück. Doppel ist für die breite Masse in der öffentlichen Wahrnehmung natürlich eher zweitrangig. Erfolge und Erfahrungen beim Doppel sind für Spieler hingegen ein wichtiger Faktor. Das trainiert sehr gut die Reaktionsfähigkeit und Präzision am Netz. Das Bilden eines Teams mit einem anderen Spieler kann die Spieler charakterlich und mental weiterbringen. --------- Zu Mischa Zverevs Strafe: Hatte er definitiv schon Fieber als er auf den Platz ging? War ihm von vornherein klar, dass er nicht spielfähig war? Oder fühlte er sich einfach nur etwas unwohl und hatte gehofft die erste Runde irgendwie zu überstehen? Ich denke z.B. an Juan Martin del Potro gegen Dominik Thiem (letzte US Open?). Del Potro schien da lange Zeit zu Beginn der Partie über auch vollkommen körperlich am Ende (inklusive Fieber). Irgendwie erholte sich Del Potro noch im Match und rang Thiem nieder. Also ob Mischa Zverev vor dem Spiel hundertprozentig wusste, dass er aufgeben würde? Nur wenn man diese Frage mit ja beantworten kann, wäre eine Strafe berechtigt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.