Roger Federers Sieg bei den Australian Open Wer soll diesen Mann stoppen?

Ungeschlagen im laufenden Jahr, 20. Grand-Slam-Titel, sechster Erfolg in Melbourne: Roger Federer ist auch im hohen Tennis-Alter der dominanteste Spieler. Ein Ende? Nicht in Sicht.

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Tennis-Geschichte: Roger Federer hat im Alter von 36 Jahren den Titel bei den Australian Open verteidigt. Der Sieg in einem dramatischen Endspiel gegen Marin Cilic war gleichbedeutend mit dem sechsten Triumph bei den Australian Open. Am Ende hieß es 6:2, 6:7 (5:7), 6:3, 3:6, 6:1 (Hier geht es zur Meldung). Trotz einer kritischen Phase zu Beginn des fünften Satzes konnte sich der Schweizer den 20. Grand-Slam-Titel seiner Karriere sichern. Er ist der erste Spieler, der zwei verschiedene Majors mindestens sechsmal gewinnen konnte. Ein Ende? Nicht in Sicht.

Totale Dominanz: Das belegen auch viele Zahlen. Im aktuellen Jahr ist Federer noch ungeschlagen, von den vergangenen 40 Partien auf Hartplatz hat er 37 gewonnen. Außerdem hat er überhaupt nur eines von den vergangenen 27 Spielen verloren. Wer soll diesen Mann eigentlich stoppen?

Bisherige Duelle: Cilic jedenfalls nicht. Zum zehnten Mal trafen die beiden aufeinander. Einmal erst konnte der Kroate zuvor gewinnen, auf dem Weg zu seinem einzigen Grand-Slam-Titel in New York 2014 ließ er Federer in drei Sätzen keine Chance. Ansonsten jubelte immer nur sein Gegenüber - unter anderem im Wimbledon-Finale 2017, als Cilic unter Schmerzen den Kürzeren zog.

Erster Satz: Cilic begann völlig verunsichert und leistete sich vor allem auf der Rückhand viele leichte Fehler. Bereits nach 13 Minuten stand es 4:0 für Federer, der seinerseits nicht gezwungen war, sein volles Leistungsvermögen abzurufen. In der Folge konnte Cilic sein Spiel zumindest bei eigenem Aufschlag etwas stabilisieren, hatte jedoch große Probleme mit seinem Return. Nach nur 24 Minuten stand es 6:2 für Federer.

Marin Cilic
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Marin Cilic

Federer, der Aufschläger: Cilic ist für seine unglaubliche Qualität beim eigenen Aufschlag bekannt. Das weiß auch Federer, der 2014 im Halbfinale der US Open keine Mittel gegen den Aufschlag des 29-Jährigen fand. Nun demonstrierte aber der Schweizer, über welche Qualitäten er verfügt. Im kompletten ersten Satz gab er bei eigenem Aufschlag lediglich zwei Punkte ab. Am Ende schlug er 24 Asse, Cilic hingegen nur 16.

Zweiter Satz: Cilic wirkte nun deutlich entschlossener, holte sich direkt zu Beginn zwei Breakbälle, die Federer jedoch abwehren konnte. Es ging in den Tiebreak. Dort gingen die entscheidenden Punkte überraschend an den immer besser werdenden Kroaten.

Schlag des Spiels: Den lieferte Mitte des dritten Satzes Federer. Im Rückwärtslaufen gelang es dem Schweizer, sich mit einem äußerst schwierigen Halbvolley aus der Defensive zu befreien und anschließend den Punkt zu machen. Eurosport-Experte Boris Becker brachte es auf den Punkt: "Das kann man nicht lernen."

Dritter und vierter Satz: Nach einem klaren dritten Satz sah Federer bereits wie der sichere Sieger aus und ging auch im vierten schnell 3:1 in Führung. Doch dann drehte Cilic noch einmal auf, holte fünf Spiele in Folge und erzwang so den fünften Satz. Federer begann plötzlich beim ersten Aufschlag zu schwächeln und brachte nur 36 Prozent im Feld von Cilic unter.

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Fünfter Satz: Federer hatte große Mühe, nicht ein weiteres Mal seinen Aufschlag abzugeben. Mit Glück und etwas Geschick ging er 1:0 in Führung. Von da an dominierte er und profitierte auch von nervlichen Problemen seines Gegners. Nach 3:07 Stunden durfte Federer jubeln - wie schon im Vorjahr gegen Rafael Nadal nach einem Videobeweis.

Jubel: Federer reckte beide Arme in die Luft, fiel allerdings nicht auf die Knie. Das hatte er häufig zu Beginn seiner glorreichen Grand-Slam-Karriere gemacht. Die Kollegen der Schweizer Tageszeitung "Sonntagsblick" machten sich die Mühe, Federers verschiedene Jubelposen aufzulisten.

Weltrangliste: 155 Punkte fehlen Federer nur noch, um wieder an die Spitze der Weltrangliste zurückzukehren. Der aktuell Führende, Rafael Nadal, hat verletzungsbedingte Probleme. Nicht ausgeschlossen, dass Federer bereits nach den Masters-Turnieren in Indian Wells und Miami im März die neue Nummer eins sein wird. Marin Cilic darf sich trotz der bitteren Niederlage freuen: Der Kroate springt erstmals in seiner Laufbahn auf Rang drei des Rankings.



insgesamt 11 Beiträge
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Roberto.Geissini 28.01.2018
1. Schon
erstaunlich, da es bei Federer fast immer natürlich und grosse Mühe aussieht. Nur leider mag ich ihn als Person nicht und seine Jubelposen und Werbevideos , der ist mir einfach zu glatt! Ohne Ecken und Kanten und in etwa so wie Gelee
multi_io 28.01.2018
2.
"Wer soll diesen Mann stoppen?" Vermutlich er selber, wenn er irgendwann zurücktritt. Das wird dann der schwärzeste Tag der jüngeren Tennisgeschichte sein. Die ganzen Turnierveranstalter und Werbepartner haben sich wahrscheinlich schon drauf vorbereitet und irgendwelche Notfallpläne ausgeheckt. Mir selbst graut auch schon ein wenig davor :) Die aktuelle erste Garde und ihre Spielanlagen -- grunzende, schwitzende Arbeiter, die den Ball wie einen Kartoffelsack behandeln, den es über das Netz zu wuchten gilt -- kann Fed einfach nicht das Wasser reichen, dessen Spiel im Vergleich aussieht wie eine in physische Bewegungen transformierte Mozart-Symphonie.
Benj 28.01.2018
3. Nummer 1 der Weltrangliste der Herren
... wird Federer bereits, falls Nadal nicht beim Turnier in Acapulco (26. Februar bis 3. März) mindestens das Halbfinale erreicht. Da Nadal zurzeit verletzt ist, ist das gar nicht so unwahrscheinlich. Allerdings wäre die Freude wahrscheinlich nur von kurzer Dauer, denn Nadal hat beim anschließenden Masters-Turnier in Indian Wells fast gar keine Punkte zu verteidigen (Federer hingegen 1.000).
jujo 28.01.2018
4. ...
Zitat von multi_io"Wer soll diesen Mann stoppen?" Vermutlich er selber, wenn er irgendwann zurücktritt. Das wird dann der schwärzeste Tag der jüngeren Tennisgeschichte sein. Die ganzen Turnierveranstalter und Werbepartner haben sich wahrscheinlich schon drauf vorbereitet und irgendwelche Notfallpläne ausgeheckt. Mir selbst graut auch schon ein wenig davor :) Die aktuelle erste Garde und ihre Spielanlagen -- grunzende, schwitzende Arbeiter, die den Ball wie einen Kartoffelsack behandeln, den es über das Netz zu wuchten gilt -- kann Fed einfach nicht das Wasser reichen, dessen Spiel im Vergleich aussieht wie eine in physische Bewegungen transformierte Mozart-Symphonie.
Ich sehe es ganz einfach.Der Unterschied den ausmacht ist, das Federer Tennis spielt (!). Die anderen arbeiten Tennis, Folge sind die vielen Verletzungen und der frühzeitige Verschleiß des Körpers, siehe Nadal und Djokovic. Federer muß nicht mehr jedes Turnier spielen, er hat reduziert, schont seinen Körper, notwendigerweise mit 36 und Hochleistungssport, dafür ist er zu den Turnieren die er (noch) spielt topfit. Ich glaube nicht das er noch dem "Titel" die Nr.1 zu sein hinterherjagt?
e.pudles 28.01.2018
5. Wer will diesen Mann stoppen?
Da gibts nurn zwei Möglichkeiten, entweder eine schwere langwierige Verletzung, oder er sich selbst. Ich tendiere eher auf das Zweite, denn er weiss wie er mit seinem Körper umgehen muss und wann es genug ist, um ohne grössere Schäden weiterhin ein schönes Leben zu führen. Und warum gewinnt er immer noch, ja weil er aus Freude spielt und nicht so versessen und gierig auf Siege ist. Dieser Mann ist ein Vorbild für einen idealen, menschlichen Sportler. So mancher andere Sportler, egal aus welchem Bereich sollte sich an ihm ein Beispiel nehmen.
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