B-Probe Landis' letzter Strohhalm

Fest von seiner Unschuld überzeugt, hat Floyd Landis die Auswertung seiner B-Probe beantragt. Der Tour-Sieger macht sich über das vermutliche Ergebnis des zweiten Dopingtests keine Illusionen - dafür hat er aber eine Vermutung, wie es zu dem erhöhten Testosteronwert kommen konnte.

Von Pavo Prskalo


Hamburg - "Ich bin Realist, ich kann da nur wenig hoffnungsvoll sein", sagte Landis in einem Interview mit "SI.com": "Ich würde es niemand übel nehmen, wenn er mir nicht glauben würde." Dennoch kämpft er weiter gegen die Dopingvorwürfe. "Nein, ich habe nicht gedopt", sagte der US-Amerikaner.

Seine Unschuld will er mit Hilfe des spanischen Arztes Luis Hernandez beweisen. Dieser solle belegen, dass der erhöhte Testosteron-Wert natürlichen Ursprungs sei - wie Hernandez es schon bei vielen Athleten zuvor gezeigt habe.

Landis brachte ein Problem mit seiner Schilddrüse als Erklärung für die positive Probe ins Spiel: "Ich hatte im vergangenen Jahr ein Schilddrüsenproblem und habe deshalb täglich eine kleine Menge an Hormonen eingenommen." Dadurch könne das Testergebnis verfälscht worden sein, so Landis. Wegen seiner Hüfterkrankung nimmt Landis zudem das auf der Dopingliste stehende Mittel Cortison zu sich. Dieses darf allerdings mit ärztlicher Genehmigung eingenommen werden, welche Landis besitzt.

Der Phonak-Kapitän war nach seinem Erfolg auf der 17. Tour-Etappe nach Morzine in der vorigen Woche positiv auf Testosteron getestet worden. Dies hatte sein Phonak-Team gestern bekannt gegeben. Phonak sei tags zuvor vom Radrennverband UCI darüber informiert worden. Das Management des Rennstalls und auch der Fahrer seien völlig überrascht worden von diesem Ergebnis, hieß es in der Erklärung. Sollte die Gegenanalyse das Ergebnis der A-Probe bestätigen, werde man sich sofort von Landis trennen, hieß es bei Phonak.

Laut Professor Mario Thevis, Sprecher des Zentrums für Präventive Dopingforschung in Köln, ist mit der Auswertung der B-Probe in etwa drei Tagen zu rechnen. "Die Untersuchung auf Testosteron ist etwas aufwändiger", sagte Thevis SPIEGEL ONLINE. Er macht Landis nur wenig Hoffnung. "Die Wahrscheinlichkeit, dass A- und B-Probe nicht identisch sind, ist sehr, sehr gering", so Thevis.

Dennoch habe es auch Fälle gegeben, wo dies vorgekommen sei. "Bakterielle Aktivitäten in der Probe wie etwa Pilzbefall oder Abbauprozesse können dazu führen", erklärte Thevis SPIEGEL ONLINE.

So gab es im vergangenen Jahr etwa den Fall des Top-Skilangläufers Vincent Vittoz. Bei dem Franzosen war in der A-Probe das Diuretikum Furosemid nachgewiesen worden, die B-Probe war aber negativ. Eine eindeutige Aufklärung blieb bis heute offen, Vittoz wurde nicht gesperrt.

Ähnlich erging es Bernard Lagat. Im Sommer 2003 wurde eine A-Probe des kenianischen Läufers im Labor in Köln als positiv gewertet. Die B-Probe war jedoch nicht zu beurteilen. Ursache: Bakterielle Verunreinigung.

Der Triathlet Rutger Beke wurde 2004 sogar bei der A- und B-Probe positiv auf Epo getestet und 18 Monate gesperrt. Erst ein Jahr später lieferte die Universität in Leuven den Beweis, dass er nicht positiv war. Bei Norweger kam es aufgrund harten Trainings zu einer Nieren-Unterfunktion. Dadurch gelangen Proteine in den Urin, die den Test verfälschen. Ein belgisches Gericht sprach den Triathleten schließlich frei, Beke verklagte die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada und die beiden beteiligten Labors auf Schadenersatz.

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