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IOC-Kandidat Thomas Bach: Favorit im Schattenwahlkampf

Aus Buenos Aires berichtet

IOC-Wahlfavorit Bach: Nah dran an der absoluten Mehrheit Zur Großansicht
AFP

IOC-Wahlfavorit Bach: Nah dran an der absoluten Mehrheit

Noch ein Tag, dann könnte Thomas Bachs Traum in Erfüllung gehen. Der Deutsche gilt als klarer Favorit bei der Wahl zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees. Doch sicher ist nichts: Das IOC ist unberechenbar.

Der Countdown läuft. Am Dienstag wird im Hilton-Hotel in Buenos Aires der neunte Präsident in der 119-jährigen Geschichte des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt. Um 11 Uhr Ortszeit (16 Uhr MESZ) beginnt die Abstimmung mit elektronischen Wahlgeräten.

Die sechs Kandidaten, darunter der deutsche Favorit Thomas Bach, werden sich weder präsentieren, noch wird es eine Diskussion geben. Es wird lediglich gewählt, und damit endet ein Wahlkampf, der weitgehend verborgen vor der Öffentlichkeit geführt wurde. Um 17.30 Uhr MESZ wird der neue IOC-Konzernchef bekanntgegeben und damit das wichtigste Amt des Weltsports für acht Jahre besetzt - mit Option auf eine vierjährige Verlängerung.

Alles andere als ein Sieg Bachs wäre eine Sensation. Sogar ein Erstrundensieg ist möglich. Das Lager des 59-Jährigen rechnet fest mit mindestens 42 Stimmen, manche Hochrechnungen gehen von 48 aus, was für die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang genügen würde.

Bach wäre nah an der absoluten Mehrheit

Denn von den derzeit 103 IOC-Mitgliedern fehlen mindestens zwei in Buenos Aires: der Finne Saku Koivu und der unter Hausarrest stehende ägyptische General Mounir Sabet, Schwager von Ex-Diktator Hosni Mubarak. In der argentinischen Hauptstadt wurde zudem Patrick Chamunda (Sambia) wegen einer Herzattacke ins Krankenhaus eingeliefert. Ob er am Dienstag an der Wahl teilnimmt, ist unklar.

Der scheidende IOC-Präsident Jacques Rogge aus Belgien votiert traditionell nicht. Mitglieder aus Ländern der Präsidentschaftskandidaten dürfen so lange nicht abstimmen, wie ihre Kollegen im Rennen sind. Die sechs zur Wahl stehenden Kandidaten:

  • Thomas Bach (Deutschland)
  • Ser Miang Ng (Singapur)
  • Sergej Bubka (Ukraine)
  • Ching-Kuo Wo (Taiwan)
  • Denis Oswald (Schweiz)
  • Richard Carrión (Puerto Rico)

Damit sind in der ersten Runde Claudia Bokel (Deutschland), Waleri Borsow (Ukraine) sowie die vier Schweizer Joseph Blatter, René Fasel, Gian-Franco Kasper und Patrick Baumann nicht wahlberechtigt. Es verbleiben nach jetzigem Stand 93 Mitglieder. Die absolute Mehrheit würde dann bei 47 Stimmen liegen. Bach wäre nah dran.

Gewählt wird so lange, bis ein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereint. Nach jedem Wahlgang scheidet der Bewerber mit der geringsten Stimmenzahl aus. Je länger die Wahl dauert, desto problematischer könnte es für Bach werden, da die meisten Stimmen der ausgeschiedenen Kandidaten nicht zu ihm wandern dürften. Darin liegt fast die gesamte Hoffnung der Herausforderer, von denen Carrión und vielleicht Bubka die besten Chancen haben.

Bubka wird als ernsthafter Rivale angesehen

Bachs Lager hatte in den vergangenen Tagen vor allem Gerüchte über Bubka gestreut, der angeblich keine Chance habe und Bach wegen der deutschen Dopingforschungsstudie bei IOC-Kollegen angeschwärzt habe - was die Ukrainer vehement bestreiten. Warum die Attacken gegen Bubka? Viele Beobachter glauben, dass Bachs Team den Stabhochsprung-Weltrekordler als ernsthaften Kandidaten ausgemacht habe.

Da am Sonnabend Tokio zur Olympiastadt 2020 gekürt wurde, dürfte dies die Aussichten des zuvor gut gehandelten Singapur-Chinesen Ser Miang Ng schmälern. Denn es gilt im IOC als ungeschriebenes Gesetz, dass auf einer Session keine zwei Goldmedaillen an einen Kontinent verteilt werden. Andererseits ist dieses Gremium unberechenbar.

Nach Recherchen von SPIEGEL ONLINE dürfte Bach mindestens 36 Stimmen sicher haben. 25 weitere Mitglieder darf man einer zweiten Gruppe zuordnen, aus der Bach durchaus bedient werden könnte, entweder schon in der ersten oder - je nach Wahlverlauf - in weiteren Runden.

Bach soll nach dem Erstrunden-Aus von Madrid bei der Wahl der Olympiastadt 2020 die Stimmen der beiden spanischen IOC-Mitglieder und Weltverbandspräsidenten Marisol Casado (Triathlon) und José Perurena (Kanu) verloren haben.

Natürlich sind derlei Hochrechnungen äußerst volatil. Das olympische Wahlvolk reagiert traditionell opportunistisch und beeindruckend schnell auf Strömungen und Richtungswechsel. Es soll sogar IOC-Mitglieder geben, die allen sechs Präsidentschaftskandidaten ihre Stimme versprochen haben.

Mitentscheidend wird sein, wie sich die sogenannten Key Members in den letzten zwei Tage verhalten. Diese einflussreichen Mitglieder bewegen allerdings nicht mehr 20 und mehr Stimmen wie vor fünfzehn Jahren noch der Südkoreaner Kim Un Yong, der später wegen Korruption aus dem IOC verbannt wurde. Die Lage ist viel unübersichtlicher geworden.

Wer heutzutage fünf Stimmen bewegen kann, gilt schon als Strippenzieher. Fifa-Präsident Joseph Blatter zählt dazu, auch Lamine Diack, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, vor allem aber Scheich Al-Sabah aus Kuwait. Der Scheich ist Bachs wichtigster Verbündeter, sportpolitisch und wirtschaftlich.

Als der Scheich im Mai in St. Petersburg seinen Alliierten Marius Vizer aus Österreich zum Chef der Vereinigung aller Weltsportverbände gemacht und das Wahlergebnis exakt vorhergesagt hatte, nahm er anschließend wie ein Pate die Huldigungen seiner Jünger entgegen. Einige Delegierte flüsterten ihm zu, das sei nur der erste Streich gewesen, der zweite und wichtigste werde im Herbst folgen. Morgen also, am 10. September.

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Qual der Wahl
Talan068 09.09.2013
Näheres, was ich nur über Bach, damit ist klar das ich den nicht wählen würde. Über Buka kann ich nur spekulieren und damit wäre auch der raus. Über die 4 anderen weiß ich nichts, es ist aber zu befürchten, das die auch nicht besser sind. Was kann man machen? Höchstens, Olympia ignorieren dürfte aber auch kaum jemanden interessieren.
2. IOC-Kandidat Thomas Bach!
family-tree 09.09.2013
FRAGE: Wieviel deutsche KOHLE ist denn da geflossen??
3. Gekaufte Stimmen beim IOC. Mehr Geld als Sport
raber 09.09.2013
IOC ist schon seit vielen Jahren korrupt und langjährige Oberherarchien natürlich auch. Schade für den Sport. Her Bach bringt leider auch keine weisse Weste mit. Warum gibt das IOC Unsummen für Reisen, Hotels und Geschenke an sich selber und Mitglieder der Nationalen Olympischen Komitees aus? Besonders die armen Mitgliedsstaaten (die auch anzahlmässig die meisten -Stimmen- sind) werden damit gekauft. Ich kenne auch nicht die anderen Rivalen und wage keine Meinung zu denen.
4. Wird wie bei der Fifa sein
reinerunfug 09.09.2013
Zitat von sysopAFPNoch ein Tag, dann könnte Thomas Bachs Traum in Erfüllung gehen. Der Deutsche gilt als klarer Favorit bei der Wahl zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees. Doch sicher ist nichts: Das IOC gilt als unberechenbar. http://www.spiegel.de/sport/sonst/bach-ist-favorit-bei-der-wahl-zum-praesidenten-des-ioc-a-921140.html
Wer die Korruption am meisten duldet, wird gewählt.
5. Logische Konsequenz...
Thomassimo 10.09.2013
Zitat von raberIOC ist schon seit vielen Jahren korrupt und langjährige Oberherarchien natürlich auch. Schade für den Sport. Her Bach bringt leider auch keine weisse Weste mit. Warum gibt das IOC Unsummen für Reisen, Hotels und Geschenke an sich selber und Mitglieder der Nationalen Olympischen Komitees aus? Besonders die armen Mitgliedsstaaten (die auch anzahlmässig die meisten -Stimmen- sind) werden damit gekauft. Ich kenne auch nicht die anderen Rivalen und wage keine Meinung zu denen.
...müsste eigentlich sein, dass alle Vereine, die irgendwelche Beiträge über Kaskadenfinanzierung bis an das IOC, die FIFA und andere unkontrollierbare internationale Organisationen weiterleiten, ihre Gemeinnützigkeit verlieren. Dann wäre bald Schluss. Entweder mit der Korruption oder mit dem Sport. Was folgt daraus, dass das nicht passiert?
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IOC-Präsidentenwahl: Thomas Bach und seine Konkurrenten

Die IOC-Präsidenten im Überblick
Amtszeit Präsident
ab 2013 Thomas Bach (Deutschland)
2001 - 2013 Jacques Rogge (Belgien)
1980 - 2001 Juan Antonio Samaranch (Spanien)
1972 - 1980 Michael Killanin (Irland)
1952 - 1972 Avery Brundage (USA)
1942 - 1952 Sigfrid Edström (Schweden)
1925 - 1942 Henri de Baillet-Latour (Belgien)
1896 - 1925 Pierre de Coubertin (Frankreich)
1894 - 1896 Demetrius Bikilas (Griechenland)
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