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Badminton-Spieler Zwiebler: "Der große Erfolg fehlt"

Ein Interview von Tim Scholz

Er ist der beste deutsche Badminton-Spieler, doch bei der WM in Kopenhagen ein Außenseiter: Marc Zwiebler, 30, spricht über seine Ziele, die Dominanz der Asiaten und den Kampf um Aufmerksamkeit.

Marc Zwiebler: "Ich mache mir keinen Druck." Zur Großansicht
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Marc Zwiebler: "Ich mache mir keinen Druck."

SPIEGEL ONLINE: Herr Zwiebler, die letzten zehn WM-Titel im Herreneinzel gingen nach Asien. Sind nun die Europäer an der Reihe?

Zwiebler: Das wird für jeden Europäer unglaublich schwierig. Vor allem die ersten beiden der Setzliste sind ein Malaysier und ein Chinese, die stellen eine Klasse für sich. Aber im Badminton ist die Weltspitze eng beieinander. Auch die Dänen haben zuletzt herausragende Ergebnisse erzielt. Und wir Deutschen haben auch Chancen. Wir müssen nur daran glauben.

SPIEGEL ONLINE: Sie könnten in der zweiten Runde auf den Zweiten der Setzliste treffen, den Chinesen Chen Long. Sie bezeichneten ihn einst als "kompletten" Spieler. Welche Chancen rechnen Sie sich aus?

Zwiebler: Das ist eine ganz, ganz harte Nuss. Er ist nicht umsonst einer der Topspieler der Welt. Ich bin in der Außenseiterrolle. Daher mache ich mir keinen Druck und hoffe, dass ich für eine Überraschung sorgen kann. Aber zunächst konzentriere ich mich auf die erste Runde. Es hat immer viel mit Glück oder Pech bei der Auslosung zu tun.

SPIEGEL ONLINE: Nach ihrem überraschenden EM-Titel 2012 hatte der deutsche Badminton auf ein Erweckungserlebnis gehofft. Was hat sich seither getan?

Zwiebler: Wir haben uns in den letzten Jahren stückweise gesteigert. Vergangenes Jahr sind wir zum Beispiel erstmals Europameister mit der Mannschaft geworden - gegen die Dänen. Das war früher undenkbar. Wir sind bei den hochklassigsten Turnieren immer öfter vorne dabei. Das gilt nicht nur für mich im Herreneinzel, sondern auch für die anderen Disziplinen. Das hilft, die Randsportart Badminton in Deutschland populärer zu machen. Natürlich fehlt noch der ganz große Erfolg.

SPIEGEL ONLINE: Die WM wird in Deutschland nicht im Fernsehen übertragen. Ist es nicht deprimierend, so wenig Aufmerksamkeit zu bekommen?

Zwiebler: Es ist schon enttäuschend, dass in Deutschland unsere guten Leistungen nicht medial gewürdigt werden. In Asien bekommen wir dagegen unheimlich viel Aufmerksamkeit. Ich würde mir sehr wünschen, dass Badminton auch in Deutschland populärer wird, genauso wie viele andere olympische Sportarten, die gegen die Dominanz des Fußballs in den Medien keine Chance haben. Ein wichtiger Schritt sind professionelle Strukturen im Verband, in der Öffentlichkeitsarbeit und im Förderungssystem. Daran muss weiter gearbeitet werden, und wir brauchen natürliche weitere Erfolge.

SPIEGEL ONLINE: China ist das Gegenteil. Dort ist Badminton eine Volkssportart, die Spieler sind Werbestars und verdienen Millionen. Sie müssen dafür aber auch einen hohen Preis zahlen.

Zwiebler: Die Jungs dort schwimmen im Geld wie Fußballstars in Europa. Allerdings kenne ich viele asiatische Spieler und sehe auch die Schattenseiten des Erfolgs. Viele Talente bleiben auch auf der Strecke, denn die Konkurrenz ist riesig. Die Chinesen haben ein anderes Förderungssystem als in Deutschland. Viele Kinder gehen nicht zur Schule und spielen stattdessen acht Stunden am Tag Badminton fernab der Heimat. Das hat eher etwas mit militärischem Drill zu tun als mit Spaß. Die Frage ist, ob wir so ein System in Deutschland haben wollen. Meine Antwort: ganz klar nein.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie vom Badminton leben?

Zwiebler: Derzeit ja, dank meiner Erfolge. Es ist aber nicht so viel, dass ich nach meiner Karriere nie wieder arbeiten müsste. Aber das ist völlig in Ordnung. Ich studiere nebenbei BWL und kann durch mein Fernstudium weltweit Prüfungen ablegen. Das ist bei meinem Reisepensum sehr wichtig. Und ich kann mir Zeit lassen, weil der Sport gerade Vorrang hat. Mit meinem Karriereende will ich möglichst den Uni-Abschluss in den Händen halten.

SPIEGEL ONLINE: Halten Sie eine deutsche WM-Medaille für realistisch?

Zwiebler: Ich könnte mich über die Macht der Asiaten beschweren. Aber ich bin Profi und fahre nach Kopenhagen, um eine Medaille zu gewinnen. Natürlich weiß ich, dass wir zu den Außenseitern gehören. Wir werden dennoch alles für eine Medaille tun. Vor allem im Mixed haben wir mit Birgit Michels und Michael Fuchs die größten Chancen. Ihre Leistungen waren zuletzt herausragend, sie können jeden schlagen.

SPIEGEL ONLINE: Wollen Sie 2016 in Rio nochmal angreifen?

Zwiebler: Im Moment ist Olympia mein größtes Ziel. In Rio wäre ich 32 und immer noch im besten Badminton-Alter. Ich hoffe, dass ich besser abschneide als bei meinen letzten beiden Olympia-Teilnahmen. Da wurde ich jeweils Neunter, was in Ordnung war. Aber ich möchte dort noch einmal das Optimum rausholen.

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1. WM gestartet
glubschi 26.08.2014
Danke für diesen Artikel. Marc hat sein Auftaktmatch gewonnen und muss nun in der Tat morgen Nachmittag gegen Chen Long antreten. Michael Fuchs und Birgit Michels haben im Mixed bereits das Achtelfinale erreicht. Bzgl. Medaillenchancen ist den beiden noch das meiste zuzutrauen.
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Badminton: Die Regeln und Schläge

Die Regeln

Das Spiel beginnt stets mit einem Aufschlag, der unter der Hüfte gespielt werden muss. Punkte können bei eigenem und beim Aufschlag des Gegners erzielt werden.

Gespielt wird in den Disziplinen Einzel, Doppel und Mixed jeweils über zwei Gewinnsätze bis 21 Punkte. Beim Stand von 20:20 wird das Spiel solange verlängert, bis ein Spieler oder eine Doppelpaarung zwei Punkte Vorsprung oder 30 Punkte erzielt hat.

Die Schläge

Clear: Ein weit geschlagener Ball aus dem Hinterfeld (Überkopf-Clear) oder Vorderfeld (Unterhand-Clear) in Richtung Grundlinie.

Smash: Ein hart geschlagener Angriffsball über dem Kopf und steil zu Boden des gegnerischen Feldes geschlagen.

Drop: Ein kurz geschlagener Ball aus dem Hinter- oder Vorderfeld. Eigentlich als Vorbereitungsschlag gedacht, kann der Drop mit verschiedenen Schnittvarianten auch zum Punkterfolg führen.

Drive: Ein flach und hart übers Netz geschlagener Ball. Neutralisiert die Spielsituation.


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