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Badminton: Nennt es bloß nicht Federball!

Von Tim Scholz und (Video)

Im Ausland werben Badminton-Spieler für Luxusmarken, in Deutschland kämpfen Profis um jeden Fan. Der Sport leidet selbst zur WM unter einem miesen Image. Nationalspieler Kämnitz verrät seine besten Spielzüge und zeigt wie spektakulär ein Match sein kann.

SPIEGEL ONLINE

Patrick Kämnitz hatte mit der Nationalmannschaft schon abgeschlossen, die Strapazen waren zu groß. Er war weit weg von zu Hause, reiste zu Turnieren ins Ausland und gab viel Geld aus. Irgendwann aber merkte er, welch große Chance ihm da entging. Der 22-jährige Badminton-Spieler haderte, sprach mit dem Bundestrainer und kam zurück. "Ich bin gereift", sagt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, "mir wurden meine Ziele bewusst." Olympische Spiele, Weltmeisterschaften, die Weltspitze. Seither nimmt er den Aufwand in Kauf, studiert zudem VWL. Der Weg nach oben ist beschwerlich - gerade im Badminton.

Marc Zwiebler hat es dagegen schon geschafft. Der 30-Jährige gilt als bester deutscher Spieler. Vor zwei Jahren wurde er sensationell Europameister, schlug zweimal bei Olympia auf und geht auch bei der WM in Kopenhagen, die an diesem Montag beginnt, an den Start. Er ist so erfolgreich, dass er von seinem Sport leben kann. In ihm haben viele deutsche Talente ein Vorbild gefunden. "Er hat gezeigt, dass man es schaffen kann", sagt Kämnitz, der im Olympiastützpunkt in Saarbrücken seinem Idol nacheifert.

National hat Kämnitz schon etliche Erfolge gefeiert, er führt die deutsche Rangliste an. Für die WM ist es jedoch noch zu früh, dazu fehlt ihm vor allem die internationale Erfahrung. Denn viele Top-Spieler erreichen aufgrund der späten und mäßigen Förderung in vielen Verbänden ihr bestes Badminton-Alter mit 30. Auch Zwieblers Laufbahn verlief ähnlich: Erst nach einer schweren Rückenverletzung, die beinahe seine Karriere beendet hätte, begann seine erfolgreichste Zeit.

Für die Jungen ist es ein Geduldspiel. Einige zerbrechen an der Ungewissheit oder wollen sich lieber auf das Studium konzentrieren. Athleten wie Kämnitz hingegen lieben ihren Sport, auch wenn er eine Randerscheinung ist und die Ausgaben die Einnahmen übersteigen. "Es ist extrem hart", sagt er, "aber Badminton ist ein Riesenspaß für mich."

Auch das deutsche Team in Kopenhagen ist voller Vorfreude. Dass es zu einer Medaille reicht, gilt aber als äußerst unwahrscheinlich. Die Deutschen haben in der Auslosung harte Brocken erwischt. Zwiebler könnte es in der zweiten Runde des Herreneinzels mit dem Zweiten der Setzliste, dem Chinesen Chen Long, zu tun bekommen. Seinem Teamkollegen Dieter Domke droht sogar ein Duell gegen den top-gesetzten Malaysier Lee Chong Wei, Olympia-Zweiter 2012. Bundestrainer Holger Hasse hält sich mit Prognosen lieber zurück, sagt nur: "Es sind schwierige, aber lösbare Aufgaben. Vielleicht können wir für Überraschungen sorgen."

Top in Europa, chancenlos gegen die Asiaten

Die Deutschen zählen im weltweiten Kräftemessen mit den Asiaten zu den Außenseitern, während sie sich in Europa an die Top-Nationen Dänemark und England herangetastet haben. Der Deutsche Badminton-Verband (DBV) hat in den vergangenen zehn Jahren vor allem die Ausbildung verbessert, die Talente werden meistens schon mit elf Jahren gefördert. Außerdem gibt es eigens einen Bundestrainer für die Talententwicklung. "Mit dem Nachwuchs bin ich momentan sehr zufrieden", sagt Hasse. Bis 2012 war er Bundesjugendtrainer und machte das U19-Nationalteam vor drei Jahren zum Europameister.

Trotz dieses Meilensteins bemängelt Hasse, dass die Talentauswahl begrenzt sei. "Da sind wir als Verband gefordert. Wir müssen mehr Kinder für Badminton begeistern", sagt er. Doch dem DBV fehlen dazu vor allem Geld und Personal. Er ist hierzulande ein kleiner Verband mit rund 200.000 Mitgliedern, der in den vergangenen zehn Jahren etwa 23.000 Mitglieder verloren hat. Da schielen die Profis schon mal anerkennend hinüber nach Asien, wo das Rückschlagspiel Volkssport ist und Spieler wie Lin Dan, der Lionel Messi des Badminton, für Luxusmarken werben.

"Das Bild vom Badminton ist oftmals falsch"

Dabei spielen nach DBV-Schätzungen rund fünf Millionen Menschen in Deutschland Badminton - beziehungsweise Federball, wie Laien den Sport meistens nennen. Die Profis freuen sich eigentlich, dass es so viele Spieler gibt, doch viele von ihnen haben noch nie den Namen Marc Zwiebler gehört oder wissen, dass Badminton auch anstrengend sein kann - ein Dilemma. "Das Bild vom Badminton ist oftmals falsch. Deshalb ist jeder Profi gefragt, den Leuten das Spiel zu zeigen", sagt Kämnitz, dessen Sport in den Medien kaum präsent ist. Selbst die WM wird nicht im deutschen Fernsehen übertragen. Immerhin kann man das Turnier im Internet auf sportdeutschland.tv verfolgen, wo der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zahlreiche Veranstaltungen überträgt, die bei den bekannten TV-Sendern keine Berücksichtigung finden.

Der DBV und die Landesverbände wollen das Imageproblem bei einem Treffen nach der WM angehen. Wie lassen sich mehr Menschen für Badminton begeistern? Wie können die Vereine ihre Angebote verbessern? Wie kann der Verband sie dabei unterstützen? "Wir wollen, dass sich die Sportler in den Vereinen gut betreut fühlen", sagt DBV-Geschäftsführer Detlef Poste. "Dadurch können wir auch den Wert unseres Sports steigern."

Zwiebler glaubt, dass sich die Popularität, die mediale Aufmerksamkeit und das Interesse der Sponsoren vor allem durch die ganz großen Erfolge steigern lasse. Er spricht von Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. 2016 in Rio, da ist er immer noch im besten Badminton-Alter, will er noch mal angreifen.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. In Federball umbenennen
ditor 25.08.2014
Nennt Badminton doch einfach "Federball", dann gibt es eine Hürde weniger. Wer als Kind gern Federball gespielt hat schaut dann vielleicht eher mal rein, sei es um selbst zu spielen oder sich die Pros mal anzuschauen.
2. @ditor
lemidi 25.08.2014
Pragmatische Lösung, aber Federball ist mMn schlicht etwas ganz anderes als Badminton. Bei dem einen versuchen beide Spieler den Ball hochzuhalten (z.B. auf der Wiese), bei dem anderen versucht jeder seinen Punkt zu machen. Ich finde die wörtliche Trennung angemessen. Und englische Begriffe sind in jungen Generationen nun wirklich kein Hindernis mehr...
3. Werbetrommel rühren
verdienst 25.08.2014
dieser Sport lebt i. W. von seiner Ansteckungskraft. Also müsste er auch mal adäquat vermarktet werden, wie mit Live Cams bei den deutschen Meisterschaften und auch niedrigeren Turnieren, einem eigenen DBV youtube-channel und vor allem professionelleren Webbagaes, die nicht so technokratisch wirken. Kostet doch heutzutage nichts. Keine Lösung ist, mehr Geld in noch mehr Funktionärsposten zu pumpen, die nicht die Werbetrommel rühren.
4. Sponsoren
dedueber 27.08.2014
Badminton ist einfach nicht so im Mittelpunkt wie im Vergleich Tennis, da sich alles in der Halle abspielt. Wir versuchen gerade mit diesem Trailer Sponsoren zu finden, da Ball und Turnierkosten nicht zu unterschätzen sind: http://youtu.be/nRGyW4G9APQ
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Badminton: Die Regeln und Schläge

Die Regeln

Das Spiel beginnt stets mit einem Aufschlag, der unter der Hüfte gespielt werden muss. Punkte können bei eigenem und beim Aufschlag des Gegners erzielt werden.

Gespielt wird in den Disziplinen Einzel, Doppel und Mixed jeweils über zwei Gewinnsätze bis 21 Punkte. Beim Stand von 20:20 wird das Spiel solange verlängert, bis ein Spieler oder eine Doppelpaarung zwei Punkte Vorsprung oder 30 Punkte erzielt hat.

Die Schläge

Clear: Ein weit geschlagener Ball aus dem Hinterfeld (Überkopf-Clear) oder Vorderfeld (Unterhand-Clear) in Richtung Grundlinie.

Smash: Ein hart geschlagener Angriffsball über dem Kopf und steil zu Boden des gegnerischen Feldes geschlagen.

Drop: Ein kurz geschlagener Ball aus dem Hinter- oder Vorderfeld. Eigentlich als Vorbereitungsschlag gedacht, kann der Drop mit verschiedenen Schnittvarianten auch zum Punkterfolg führen.

Drive: Ein flach und hart übers Netz geschlagener Ball. Neutralisiert die Spielsituation.


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