MLB-Star Lutz Der kleine Nowitzki

Donald Lutz hat in den USA sein Glück gemacht - mit einer Sportart, die in Deutschland erst langsam erwacht: Baseball. Der 24-jährige Deutsche träumt von der großen Karriere in der Profiliga MLB - und von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen.

Getty Images

Von Marcel Friederich


Donald Lutz hat die Zahl natürlich genau im Kopf. Exakt 34 Mal durfte der Deutsche in der Major League Baseball (MLB) bisher auf dem Feld stehen. Und es sollen noch ein paar mehr werden, wenn es nach ihm geht: "Hoffentlich kommen tausend weitere Spiele dazu", sagt der 24-Jährige zu SPIEGEL ONLINE.

Momentan muss sich Deutschlands erster MLB-Profi allerdings in Geduld üben, bis dieser Wunsch wahr wird. Ende Juni wurde er von seinem Verein Cincinnati Reds herabgestuft. Seitdem spielt er für die Pensacola Blue Wahoos in der zweiten Nachwuchsliga (AA). Doch die Chancen stehen gut, dass Lutz im September auf die große Bühne der MLB zurückkehren darf.

Der Grund ist eine spezielle Regelung in der besten Baseball-Liga der Welt. Im September, dem letzten Monat der Vorrunde, wenn die Playoffs immer näher rücken, dürfen die 30 MLB-Teams ihre Kader aufstocken. Von 25 auf 40 Mann.

Durch die sogenannten "September Call-Ups" sollen alle Kräfte für den Playoff-Endspurt mobilisiert werden. Dies gilt vor allem für Cincinnati. Das Team aus dem Bundesstaat Ohio liegt in Reichweite der Playoff-Plätze, muss gegenüber den St. Louis Cardinals aber noch drei Siege gutmachen.

Erst einmal auf den Privatflieger verzichten

"Die Playoffs zu erreichen wäre eine ganz große Sache für mich", sagt Lutz. "Aber zu sehr will ich daran jetzt nicht denken. Wenn die Mannschaft weiterhin gut spielt, kommt das von ganz alleine." Auf jeden Fall hat der 1,91 Meter große Modellathlet gute Gründe geliefert, um in die MBL zurückkehren zu dürfen.

Als die Reds im Frühjahr von Verletzungsproblemen geplagt waren, sprang Lutz erfolgreich in die Bresche. Seine Schlagstatistiken waren für einen MLB-Neuling auffallend gut. Gegen die Milwaukee Brewers gelang ihm sogar ein Homerun.

Erst als sich die Stammkräfte der Reds gesund zurückmeldeten, musste Lutz erneut ins zweite Glied zurücktreten. Auf Luxushotels und Privatflieger muss er daher zwar wieder verzichten. "Doch mir wurde von Beginn an gesagt: Wenn ich bei meinen ersten Einsätzen gut spiele, habe ich eine Chance auf einen dauerhaften Platz in der MLB", sagt Lutz. "Und ich denke, dass ich ganz gute Werbung in eigener Sache gemacht habe."

Baseball-Aufschwung in Deutschland?

Mit großer Freude verfolgte Lutz, dass sein MLB-Debüt in Deutschland intensiv wahrgenommen wurde. Der 24-Jährige erhielt zahlreiche Interviewanfragen sowie unzählige Glückwünsche per Facebook und Twitter. Plötzlich rückte die Randsportart Baseball zumindest ein Stück weit in den öffentlichen Fokus. "Ich hoffe sehr, dass ich dem deutschen Baseball insgesamt weiterhelfen kann", sagt Lutz. "Wenn die Kids in Deutschland sehen, dass in der MLB plötzlich ein Deutscher Erfolg hat, greifen sie vielleicht auch zum Baseballschläger."

Lutz hofft auf eine ähnliche Entwicklung wie im Basketball. "Dank Dirk Nowitzki ist Basketball in Deutschland populär geworden. Natürlich bin ich noch lange kein Kaliber wie Dirk. Aber ich versuche, dass Baseball in Deutschland eine ähnliche Entwicklung nimmt", sagt Lutz und ergänzt schmunzelnd: "Insofern fühle ich mich als 'kleiner Dirk'."

Neben Lutz spielen derzeit sechs weitere Deutsche in den Nachwuchsligen der MLB - so viele wie nie zuvor. Die besten Chancen, bald auch den Sprung in die MLB zu schaffen, haben Kai Gronauer und Max Kepler. "Ich bin zuversichtlich", sagt Lutz, "dass es bald mehrere Deutsche in der MLB gibt".

Für den Deutschen Baseball-Verband sei es "Gold wert, ein solches Zugpferd wie Donald zu haben", sagt Sportdirektor Michel Gomez-Krämer. "In den vergangenen Wochen haben wir übermäßig viele Anrufe von Kindern bekommen, die gefragt haben, wo man in Deutschland Baseball spielen kann."

Schon bevor Lutz sein MLB-Debüt feierte, ging es mit dem Baseball in Deutschland langsam bergauf. Vorreiter sind die Buchbinder Legionäre Regensburg. Im Regensburger Sportinternat haben junge Baseballer die Gelegenheit, Sport und Schule perfekt zu kombinieren. "Die Regensburger Internatsstruktur sucht ihresgleichen in Europa", sagt Gomez-Krämer. Nicht umsonst habe die MLB den Standort Regensburg ausgewählt, um dort derzeit noch bis zum 16. August die MLB European Academy auszutragen. Dabei treffen sich die 45 größten Baseball-Talente aus Europa und Südafrika.

Perspektivisch hofft Gomez-Krämer, dass Baseball ins Olympia-Programm zurückkehrt. Von 1992 bis 2008 war Baseball bereits olympisch, ehe die Sportart gestrichen wurde. Nun steht Baseball neben Ringen und Squash auf der Kandidatenliste für Olympia 2020. Die Entscheidung fällt im September. Olympische Spiele - das wäre dann der nächste Traum des Donald Lutz.



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insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
MünchenerKommentar 02.08.2013
1. Baseball
Ich hatte in letzter Zeit einige Male das Vergnügen, Live-Übertragungen von Baseballspielen der MLB im TV in voller Länge anzusehen. Ist mir schleierhaft, wie ein derartiges Spiel zu einer der vier großen amerikanischen Sportarten werden konnte. Ein Tennisspiel würde ja wohl auch niemand ansehen wollen, wenn es zu 95% daraus bestehen würde, dass ein Spieler einen Aufschlag macht und der andere Spieler den Ball nicht mal trifft (also ein Ass). Beim Baseball ist das aber wohl irgendwie der Witz der Sache.
Loddarithmus 02.08.2013
2. Doch nicht in Deutschland!
Hier gibt es doch nur eine Richtung: Das Runde muss in's Eckige oder über's Netz, und dazu müssen die Gegner (in gleicher Zahl vertreten) überwunden werden. So exotische Sportarten wie Baseball oder gar Cricket haben es mehr als schwer. Sind aber auch bekloppte Regeln, ich verstehe den Spaß dabei nicht. (Vor einiger Zeit sprach ich zwei US-Austauschschüler, zu Gast bei einem deutschen Handballspiel. Die haben das auch gemeint, nur anders herum.) Ist halt 'ne Kulturfrage.
homersimpson75 02.08.2013
3.
Zitat von MünchenerKommentarIch hatte in letzter Zeit einige Male das Vergnügen, Live-Übertragungen von Baseballspielen der MLB im TV in voller Länge anzusehen. Ist mir schleierhaft, wie ein derartiges Spiel zu einer der vier großen amerikanischen Sportarten werden konnte. Ein Tennisspiel würde ja wohl auch niemand ansehen wollen, wenn es zu 95% daraus bestehen würde, dass ein Spieler einen Aufschlag macht und der andere Spieler den Ball nicht mal trifft (also ein Ass). Beim Baseball ist das aber wohl irgendwie der Witz der Sache.
Man muß sich schon mit den Feinheiten des Spiels auseinandersetzen. Wer nur mal flüchtig reinschaut, dem wird sich der Reiz von Baseball nicht erschließen.
20InchMovement 02.08.2013
4. Man schaue sich die MLB Profis mal an
die scheinen mir sehr korpulent zu sein. Ein komischer Sport, bei dem mehr auf dem Feld gestanden wird, als sich bewegt. Ich kann mir schwer vorstellen, wie sich Baseball in Deutschland durchsetzen soll. Zu meiner Schulzeit gab es schon Mitschüler, die meinten das kommt ganz gross. Getan hat sich nichts.
gsv-bob 02.08.2013
5. optional
Ich bin seit Jahren Fan dieser Sportart und kann durchaus die Leute verstehen, die damit nichts anfangen können. Man muss sich erstmal in die Feinheiten einarbeiten um Baseball interessant zu finden. Hoffentlich bekommt Donald Lutz noch öfter die Chance zu spielen, dann vielleicht auch dauerhaft als starter. In den 34 spielen kam er nämlich zumeist als pinch hitter (sprich für 1x schlagen und wieder raus) zum Einsatz. Und "auffallend gut" waren seine Schlagstatistiken auch nicht wirklich.
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