Superstar beim Baseball-Klub Cleveland Indians Bruce allmächtig

Hochdramatisch hatte Cleveland das Finale der Major League Baseball 2016 verloren. Nun nimmt das Team einen neuen Anlauf. Mit dabei: ein Allstar, der erst seit seinem Wechsel zu den Indians aufblüht.

AP

Mitte September sagte Jay Bruce: "Ich bin froh, von der am wenigsten im Baseball spaßmachenden zur am meisten spaßmachenden Konstellation gewechselt zu sein." Vier Wochen zuvor hatte der Outfielder die New York Mets verlassen und sich den Cleveland Indians angeschlossen.

Spaß? Den suchte man noch im vergangenen Herbst vergebens bei den Indians. Zu dramatisch war die Niederlage im Finale der World Series gegen die Chicago Cubs. Beide Klubs waren zuvor über Generationen ohne Titel geblieben, die Indians seit 1948, die Cubs gar seit 1908.

Cleveland hatte nach einer 3:1-Führung nur noch ein Sieg in der auf maximal sieben Spiele ausgelegten Finalserie gefehlt. Solch ein Vorsprung hatte zuvor 31 Jahre immer zum Titelgewinn gereicht. Doch nach zwei Niederlagen folgte der Showdown. Die Indians hatten sich nach einem Rückstand in die Verlängerung gerettet, als ein Regenschauer einsetzte und das Spiel für 17 Minuten unterbrochen wurde.

Das Team blieb zusammen

"Die Regenpause war das wichtigste Ereignis für die Chicago Cubs in den letzten 100 Jahren. Ohne sie hätten wir nicht gewonnen", sagte der dreimalige Allstar der Cubs Anthony Rizzo nach der Partie. Der Lauf für die Indians war vorbei. Rizzo und Co. schlugen im zehnten Inning zu.

Chicago verfiel in einen Freudentaumel, für Cleveland blieb die bittere Gewissheit, eine historische Chance ausgelassen zu haben. Manager Terry Francona, der selbst schon mit den Boston Red Sox 2004 und 2007 die World Series gewonnen hat, gelang es aber, das Team im Kern zusammenzuhalten. Bis auf die Batter Mike Napoli und Rajai Davis verließ kein wichtiger Spieler die Franchise.

Zudem wurde im Winter Edwin Encarnación für ein Jahresgehalt von 20 Millionen Dollar verpflichtet. Kein Spieler hatte 2016 in der American League für mehr Punkte gesorgt als der First Baseman der Toronto Blue Jays. Trotzdem kamen die Indians zu Saisonbeginn nur schwer in Tritt. Ende Mai hatte das Team nur 27 von 51 Spielen gewonnen.

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Baseball-Star Jay Bruce: Clevelands Hoffnung

Auch Jay Bruce erlebte mit den Mets zunächst eine enttäuschende Saison. Im Sommer 2016 war er von den Cincinnati Reds nach New York gewechselt. Das ihm gegebene Versprechen, ein Team um ihn herum aufzubauen, das um den Titel mitspielen würde, wurde nicht erfüllt. Anfang August lagen die New Yorker aussichtslos zwölf Siege hinter einem Wildcard-Platz. Der dreimalige Allstar litt unter Rückenproblemen, seine Schlagstatistiken verschlechterten sich.

102 Siege in der regulären Saison

Die Indians suchten zu diesem Zeitpunkt einen neuen Schlagmann - und Bruce war ihr Mann. Manager Francona holte ihn nach Cleveland, gab einen unbekannten Pitcher im Tausch zu den Mets, und verkündete: "Jay ist in den besten Jahren seiner Karriere. Er wird unser Team auf dem Feld komplettieren. Jay ist zudem nicht nur als produktiver Spieler bekannt, er ist ein sehr guter Teamkollege und ein erfahrener Profi."

Bruce blühte bei den Indians tatsächlich wieder auf. Am 11. August feierte er sein Debüt. Zwei Wochen später starteten er und seine Teamkollegen eine Serie von 22 Siegen in Folge und brachen den Rekord der Oakland Athletics. Seitdem ist der Spaß zurück: Bruce selbst sorgte gegen die Detroit Tigers mit einem Double in der Verlängerung für den 22. Sieg. Am 28. September feierten die Indians den 100. Saisonsieg, das war dem Klub zuvor nur 1954 und 1995 gelungen.

Seitdem Bruce zu den Indians gestoßen ist, haben sie 42 Siege geholt und damit 84 Prozent ihrer Spiele gewonnen. In die Playoffs, die am Donnerstag beginnen, gehen sie nach 102 Siegen als Favorit. Nur die Los Angeles Dodgers aus der National League gewannen zwei Partien mehr. Doch die aktuelle Form spricht gegen die Kalifornier, die im August noch 21 Siege vor Cleveland lagen.

Endlich keine Komödien mehr

Schon der erste Playoff-Gegner der Indians ist allerdings nicht zu unterschätzen. Die New York Yankees schlossen die reguläre Saison zwar mit elf Siegen weniger ab, doch sie kommen mit ihrem neuen Star Aaron Judge nach Cleveland. Der Rookie brach schon mehrere Homerun-Rekorde und überholte sogar Klub-Legende Babe Ruth, der vor 96 Jahren 32 Homeruns in einer Saison im Yankee-Stadium geschlagen hatte.

Viele Meilensteine des Baseballs wurden mit bemerkenswerten Filmen gewürdigt. Gary Cooper verkörperte im Drama "The Pride of the Yankees" die Legende Lou Gehrig. Die Geschichte der von den Spielern der Chigaco White Sox verkauften Meisterschaft von 1919 wurde 1988 mit John Cusack in der Hauptrolle in "Eight Men Out" in die Kinos gebracht und der Siegesserie der Oakland Athletics widmete sich 2011 Brad Pitt in "Moneyball".

Über die Indians wurden bisher nur Komödien gedreht. Die Zeit scheint gekommen, das zu ändern.



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