Baseball-Meister Boston Red Sox Mit ganz viel Gewühl

Manche waren angeschlagen, andere hatten in der Vergangenheit in entscheidenden Momenten geschwächelt: Die Stars der Boston Red Sox hatten in der Finalserie gegen die Los Angeles Dodgers viel zu beweisen.

Von , Boston


Was war das für eine Ungewissheit vor Beginn der Playoffs bei den Boston Red Sox. So viele Fragezeichen: Wie gesund ist Chris Sale? Die Nummer eins unter den Werfern hatte seit seiner Verletzung Ende Juli große Probleme. Wie stark sind die Nerven von David Price? Der Pitcher ist mit einem Jahresgehalt von 30 Millionen Dollar der Top-Verdiener, aber eben dafür bekannt, in den K.o.-Spielen zu schwächeln. Und was kann eigentlich der sogenannte Bull Pen? Die Einwechsel-Werfer waren die gesamte Saison über die neuralgische Stelle gewesen.

Nun sind alle Fragen beantwortet und durch dicke Ausrufezeichen ersetzt worden. Die Red Sox waren mit 108 Siegen nicht nur das beste Team der Vorrunde in der Major League Baseball, sondern sind durch einen 4:1-Seriensieg gegen die Los Angeles Dodgers auch Meister geworden.

Sale feiert mit seinem Sohn
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Sale feiert mit seinem Sohn

"Hierfür arbeitest du dein ganzes Leben", freute sich Sale, der Star-Werfer. Er hatte die Red Sox-Saison am 29. März bei den Tampa Bay Rays als Starting Pitcher begonnen. Und nun setzte Sale den Schlusspunkt. Als Boston im neunten Inning bei eigener 5:1-Führung nur noch ein Out benötigte, schleuderte Sale dem Dodgers-Profi Manny Machado den Ball so raffiniert entgegen, dass dieser seinen Schläger vergeblich schwang.

"Wir haben das ganze Jahr zusammengehalten, sind nie in Panik verfallen. Jeder hat seine Aufgaben erfüllt. Das war etwas ganz Besonderes", sagte 30-Millionen-Dollar-Pitcher Price. Dann schaute er zu seinen Mitspielern, die rechts neben ihm auf dem Wurfhügel tanzten, hüpften und juchzten. "Schauen Sie sich das an. All diese harten Kerle benehmen sich wie kleine Kinder. Darum geht's doch."

Für ihn ging es in diesen Playoffs vor allem darum, zu zeigen, dass er seine Millionen-Gage wert ist. Dass er für die Red Sox nicht nur in der Vorrunde Spiele gewinnen kann, sondern auch im Oktober - in der entscheidenden Phase der Meisterschaft. Denn obwohl Price schon seit zehn Jahren in der Liga ist, hatte er bis zur diesjährigen Halbfinalserie gegen Titelverteidiger Houston alle Playoff-Partien als Starter verloren. Doch dann glänzte Price beim entscheidenden Sieg in Spiel fünf in Houston und ließ zwei grandiose Auftritte in der World Series gegen die Dodgers folgen.

Pitcher David Price
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Pitcher David Price

Die vergangenen Jahre seien für ihn nicht einfach gewesen, meinte Price und kämpfte mit den Tränen. Verletzungen, schwache Nerven, schlechte Leistungen - irgendwas war immer und die Kritik an ihm daher groß. Price bezeichnete die Red Sox, diesen Traditionsverein mit dem ältesten Ballpark Amerikas und den leidenschaftlichen Fans als "große Herausforderung". Aber für eben diese Herausforderung sei er 2016 nach Boston gekommen. Price hat sie nun bestanden.

Und auch die Einwechsel-Werfer haben eindrucksvoll gezeigt, dass auf sie Verlass ist. Es gab ohnehin keinen Einzigen im Red Sox-Kader, der in diesen Playoffs enttäuschte. Waren die Stars wie Outfielder Mookie Betts oder Homerun-König J.D. Martinez am Schlag mal nicht so zuverlässig, dann droschen Rollenspieler wie Eduardo Nuñez, der erst 22 Jahre alte Rafael Devers oder Steve Pearce den Baseball auf die Tribünen. "Wir sind eine Truppe von Wühlern, Tag ein, Tag aus. Wir erwarten einfach voneinander, dass einer sich für den anderen aufreibt", sagte Pearce. Er avancierte mit drei Homeruns in den vergangenen beiden Partien zum unerwarteten Helden und wurde als wertvollster Spieler (MVP) der Finalserie geehrt.

#DoDamage lautete der Playoff-Hashtag der Red Sox. Sie wollten bei ihren Gegnern ordentlich Schaden anrichten. Das ist ihnen gelungen. Gegen die New York Yankees, Houston Astros und Los Angeles Dodgers hat Boston nur drei Spiele verloren. Sieben der elf Siege gelangen auswärts. "Wir haben die World Series nicht nur gewonnen, wir haben sie dominiert", sagte Ian Kinsler. Für ihren einzigen Sieg brauchten die Dodgers ein Rekordspiel. Der 3:2-Erfolg in der dritten Partie ging mit 7:20 Stunden sowie 18 Innings in die MLB-Historie ein.

Jubelnde Red Sox
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Jubelnde Red Sox

"Dies ist das beste Team der Vereinsgeschichte", sagte John Henry. Der Teambesitzer wirkte bei diesen Worten nicht etwa euphorisiert, sondern äußerst sachlich. Er hatte den Verein 2002 für 660 Millionen Dollar gekauft. Damals waren die Red Sox seit 1918 ohne Titel gewesen. Nun haben sie vierte Meisterschaft in 14 Jahren gewonnen, sind somit so erfolgreich wie kein anderer Klub im 21. Jahrhundert.

Henrys Saison-Investment von 228 Millionen Dollar war das größte Budget der Liga - und hat sich ausgezahlt. Vor allem Trainer Alex Cora war ein Glücksgriff. Der 43 Jahre alte Puerto Ricaner wurde gleich in seinem ersten Jahr Meister. Und seine Mannschaft ist für die Zukunft gut zusammengestellt. Die Kommentatoren des übertragenden TV-Senders Fox betonten: "Dieses Team ist noch lange nicht am Ende. Es bleibt zusammen und wird bereit sein, den Titel zu verteidigen."

Baseball-Glossar
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    Spieldauer (Innings):
    Baseball wird über neun sogenannte Innings gespielt. Pro Inning hat jede Mannschaft einmal Angriffsrecht. Zunächst das Auswärtsteam (Top), dann die Gastgeber (Bottom).

  • Spielfeld:
    Das Baseball-Feld hat die Form eines halben Quadrats, deren äußere Ecken mit einem Viertelkreis verbunden sind. Der Bereich außerhalb des Spielfeldes nennt sich Foul Territory. Das Spielfeld besteht aus zwei Teilen: dem Infield und dem Outfield. Im Infield befinden sich die Home Plate, die drei Bases sowie der Pitching Hügel in der Mitte. Aufgrund dieser Rautenform wird das Infield häufig auch Diamond genannt.
  • Mannschaften:
    Pro Team treten neun Spieler an, Wechsel sind erlaubt. Im Angriff sind alle Batter, also Schlagmänner. In der Defensive gibt es dagegen neun verschiedene Positionen. Den Pitcher (Werfer), den Catcher sowie First, Second und Third Baseman und den Shortstop. Diese sechs Spieler stehen im Infield. Dazu gibt es drei Outfielder: Left, Center und Right Fielder.
  • Spielprinzip:
    Zentraler Bestandteil ist das Duell des Pitchers gegen den Batter. Der Schlagmann hat drei Versuche, den geworfenen Ball des Pitchers ins Spiel zu bringen. Pro Fehlversuch bekommt er einen Strike. Scheitert er, bekommt sein Team ein Out. Pro Inning darf sich eine Mannschaft drei Outs erlauben, danach endet das Angriffsrecht.
    Der Pitcher, der rund 18 Meter vom Batter entfernt steht, muss jedoch innerhalb eines imaginären Rechtecks (Strike Zone) werfen, damit der Versuch zählt. Gelingt ihm das nicht, so ist dies ein Ball. Bei vier Balls darf der Batter auf die erste Base vorrücken und wird so zum Läufer (Runner).
Trifft der Schlagmann den Ball, kann er dennoch ausscheiden. Nämlich dann, wenn ein Gegenspieler den Ball fängt, bevor dieser den Boden berührt. Gelingt dem Batter ein guter Schlag, versucht er - nun als Runner - auf eine der drei Bases zu kommen. Daher gibt es Single, Double und Triple - je nachdem wie weit er gekommen ist. Seine Mitspieler, die gegebenenfalls schon auf einer Base stehen, versuchen ebenfalls, möglichst weit zu kommen. Im Idealfall zurück zur Home Plate. Pro einem solchen Run gibt es einen Punkt.
Gelingt dem Batter ein Schlag über die Begrenzungsmauer des Outfields, so ist dies ein Homerun. Dann dürfen alle Spieler, die auf einer Base standen sowie der Batter und zur Homeplate zurückkehren. Der Königsschlag im Baseball ist der Grand Slam, der vier Punkte bringt. Dafür ist ein Homerun nötig, wenn alle Bases besetzt sind.


insgesamt 4 Beiträge
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georg69 29.10.2018
1. Klasse!
Glückwunsch an die Red Sox! Baseball ist einfach ein unfassbar geniales Spiel. :-)
papelbon 29.10.2018
2.
Nur die Deutschen sind zu doof diesen Sport zu verstehen. Ganz schlimm, ausgerechnet in der World Series den amerikanischen Kommentar auf DAZN und auf Sport 1 nicht zu senden und stattdessen die Zuschauer mit eigenen Kommentatoren zu quälen.
Seffi 29.10.2018
3. Yes, yes, yes
Zweimal, war ich in den 90ern im Fenway-Park, noch zu Zeiten der "Jinx". Babe Ruth ist seit den 2000ern vergessen. Auf geht's - weitere Erfolge sollen kommen.
kopi4 29.10.2018
4.
108 Siege in der regular Season, in den Playoffs den ewigen Rivalen, den Titelverteidiger und den Finalisten von 2017 überlegen besiegt. Gratulation an die roten Socken...
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