Finale der Basketball-Bundesliga Double oder Drama?

Bayern München und Alba Berlin kämpfen heute Abend im entscheidenden fünften Spiel um die deutsche Basketballkrone. Die Münchner hoffen auf einen 2,08-Meter-Hünen, Berlin dagegen auf einen 71-Jährigen.

Luke Sikma (2.v.l) und Danilo Barthel (r.)
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Luke Sikma (2.v.l) und Danilo Barthel (r.)

Von Philipp Awounou


Beim FC Bayern München ist man es gewohnt, der Favorit zu sein. Seit Jahrzehnten dominiert der Verein den deutschen Fußball, die "Sieger-DNA" prägt den Klub - auch die Basketballabteilung. Am Samstagabend (20.30 Uhr, Stream: Telekom Sport) kämpfen Münchens Korbjäger gegen Alba Berlin im entscheidenden Spiel 5 um die deutsche Meisterschaft - als Favorit, versteht sich.

"Wir wollen den Titel, wir wollen das jetzt Zuhause beenden", sagt FCB-Kapitän Anton Gavel vor dem Showdown gegenüber Sport1. 2:2 steht es in der laufenden Finalserie, die bislang unberechenbar verlief.

Zum Auftakt erwarteten viele einen Heimsieg der Bayern, doch die Albatrosse setzten sich in der Verlängerung durch (106:95). In Spiel zwei wiederum deklassierte der FCB die heimstarken Berliner in eigener Halle (96:69). Zurück in München verschafften sich die Bayern mit einem knappen Sieg die Pole-Position (72:66), vergaben in Spiel vier in der Hauptstadt jedoch den Matchball (68:72).

Teams mit unterschiedlichen Stärken

Vor Spiel fünf wissen beide Teams, auf welche Erfolgsfaktoren sie sich verlassen können.

Bei den Bayern weiß bislang vor allem Danilo Barthel zu überzeugen. Der 2,08 Meter große deutsche Nationalspieler beeinflusst das Spiel seiner Mannschaft auf verschiedenste Weise: Er punktet, reboundet, passt, dirigiert, erledigt verlässlich, was sein Team gerade braucht. In der Verteidigung hat Barthel entscheidenden Anteil daran, dass Albas Topstar Luke Sikma, MVP der diesjährigen Bundesligasaison, bislang unter seinen Möglichkeiten spielt.

Auf den Flügeln konnten die Bayern bislang auf die Kreativität des Ex-Berliners Reggie Redding, die Athletik von Ex-NBA-Profi Jared Cunningham sowie den sicheren Distanzschützen Nihad Djedovic setzen. Stellenweise ließen die Leistungsträger jedoch Konstanz vermissen.

Alejandro Garcia Reneses
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Alejandro Garcia Reneses

Albas größter Erfolgsfaktor wiederum ist 71 Jahre alt und sitzt auf der Trainerbank: Alejandro Garcia Reneses, kurz: "Aito", coacht die Berliner erst seit Anfang dieser Saison, hat jedoch schon jetzt großen Einfluss auf deren Spiel. Der spanische Trainerroutinier installierte ein flüssiges Offensivsystem, das auf Uneigennützigkeit und Ballbewegung setzt. Auch deshalb konnte die Mannschaft die unterdurchschnittlichen Leistungen ihrer Topspieler Sikma und Peyton Siva verhältnismäßig gut verkraften.

Druck liegt bei Bayern

Zudem sprang statt der etatmäßigen Topscorer Niels Giffey in die Bresche. Der Kapitän der Albatrosse übernahm vor allem in Spiel vier, als Berlin mit dem Rücken zur Wand stand, Verantwortung. Er nahm schwierige Würfe in kritischen Situationen - und war am Ende mit 20 Punkten Garant des Erfolgs. "Er hat eine tolle Persönlichkeit und eine gute Mentalität", sagte Trainer "Aito" im Anschluss über seinen Schützling.

Daneben kann Alba auf weiche Faktoren hoffen: Der Druck liegt bei Pokalsieger Bayern, der vor heimischer Kulisse das "Drama Dahoam" verhindern soll und stattdessen das erste (Basketball-)Double der Vereinsgeschichte eintüten will. Berlin wiederum kann schon die Finalteilnahme an sich als unerwarteten Erfolg verbuchen und wird von rund 700 lautstarken Alba-Fans in fremder Halle nach vorne gepeitscht werden. Reicht das für die erste deutsche Meisterschaft seit 2008?

Die Historie sagt nein. Neun Mal gingen eine Finalserie der Basketball-Bundesliga ins entscheidende fünfte Spiel. Neun Mal gewann das Heimteam.



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