Deutsches Aus bei der Basketball-EM Eine harte Lehre für die Zukunft

Es war eine enttäuschende EM für die deutschen Basketballer. Viermal verloren sie knapp und scheiterten in der Vorrunde. Bundestrainer Fleming wertet das Turnier dennoch als Erfolg, besonders für Dennis Schröder.

Aus Berlin berichten und

  Dennis Schröder beim Freiwurf: "Ich nehme die Schuld auf mich"
DPA

Dennis Schröder beim Freiwurf: "Ich nehme die Schuld auf mich"


Dennis Schröder stand lange im Mittelkreis, die Hände auf die Knie gestützt, den Kopf gesenkt. Die Enttäuschung war greifbar. Kurz zuvor hatte der Spielmacher noch an der Freiwurflinie gestanden. Drei Punkte lagen die deutschen Basketballer gegen Spanien drei Sekunden vor Spielende zurück, Schröder hatte drei Freiwürfe herausgeholt. Der erste saß sicher, der zweite auch, doch der dritte - vergeben. Die vierte knappe Niederlage hintereinander bedeutete das Vorrunden-Aus bei der EM.

"Ich nehme die Schuld auf mich", sagte der 21-Jährige nach der Partie. Dabei hatte der NBA-Profi von den Atlanta Hawks sein Team mit einer weiteren starken Leistung überhaupt im Spiel gehalten: 26 Punkte, 7 Vorlagen, 6 Rebounds. Sieben seiner acht Freiwürfe verwandelte Schröder, der einzige Fehlwurf kam nur zum ungünstigsten Zeitpunkt.

Der Point Guard bewies erneut, dass er ein Führungsspieler ist, auch wenn es wieder nicht zum Sieg reichte. Nach seiner unbedachten Kritik an Bundestrainer Chris Fleming nach der Niederlage am Mittwoch gegen Italien war Schröder selbst in die Schusslinie geraten. Auch seine vermeintlich egoistische Spielweise und seine vielen Ballverluste (4,2 pro Spiel) wurden von vielen Medien und Fans beanstandet.

Nowitzki und Pleiß mit durchwachsenen Leistungen

Dass Schröder zu dieser Spielweise gezwungen war, wollten viele offenbar nicht wahrhaben. Dass er die schwierigste Position im Basketball spielt, und dass es ihm an Unterstützung mangelte, ebenfalls. Dabei war es vor allem Schröder zu verdanken, dass es gegen Serbien (66:68), die Türkei (75:80), Italien (82:89 nach Verlängerung) und eben Spanien (76:77) so eng war. Neben Schröder fehlten Deutschland Spieler, die zuverlässig Punkte liefern und wirklich Gefahr ausstrahlen. Dirk Nowitzki galt vor dem Turnier als ein solcher Scorer, doch der 37-Jährige traf lediglich rund 36 Prozent seiner Würfe.

Fotostrecke

8  Bilder
EM-Aus: Nowitzkis Abschiedsspiel

Überhaupt war es ein unglückliches Turnier für den alternden Superstar, auch wenn Bundestrainer Fleming sagte: "Dirk war überragend. Seine Bedeutung für uns ist schwer messbar. Sein Einsatz und seine Professionalität waren äußerst wichtig für diese jungen Spieler." In der Verteidigung jedoch war Nowitzki der große Schwachpunkt im Team, die gegnerischen Teams attackierten ihn unentwegt. Fleming war so zu taktischen Kompromissen gezwungen. Gegen Italien etwa, als er Tibor Pleiß und Nowitzki nicht gleichzeitig spielen lassen konnte.

Für Pleiß war es ebenfalls eine durchwachsene EM. Wie wichtig der Center für das deutsche Team ist, zeigte sich insbesondere gegen Serbien und Spanien - defensiv hatte der 2,18-Meter-Mann eine enorme Präsenz. Im Angriff wäre für ihn mehr möglich gewesen, doch seine Mitspieler übersahen ihn zu häufig unter dem Korb. Das größte Problem war jedoch, dass der 25-Jährige zu leichtfertig in Foulprobleme geriet. Gegen die Türkei stand Pleiß nur 14 Minuten auf dem Feld und wurde schmerzlich vermisst.

Fleming nimmt eingebürgerten Gavel in Schutz

Ein weiterer Grund für das frühe Ausscheiden war die mangelnde Gefahr der Flügelspieler. Alle Gegner - selbst Island - hatten dort Spieler, die auf EM-Level Leistungsträger sind. Bei Deutschland kam jedoch von den Positionen zwei und drei vor allem offensiv zu wenig. Paul Zipser konnte zwar in der Verteidigung überzeugen, im Angriff fehlte dem 21-Jährigen allerdings die Konstanz. Auch Karsten Tadda, Niels Giffey und Anton Gavel konnten sich nicht entscheidend in Szene setzen.

Dabei hatte Bundestrainer Fleming vor der EM vor allem auf den eingebürgerten Gavel gesetzt. Doch der Guard des FC Bayern spielte schwach. Nachdem er dreimal in der Startformation stand, wurde Gavel in den letzten beiden Spielen kaum noch eingesetzt. "Aus welchem Grund auch immer hat er in diesem Sommer nie seinen Rhythmus gefunden", sagte Fleming, der den 30-Jährigen in Schutz nahm: "Jeder hat Phasen in seiner Karriere, in denen nichts geht. Wenn ich mich noch mal entscheiden müsste, würde ich ihn wieder mitnehmen."

Natürlich trugen auch die vielen verletzungsbedingten Ausfälle und Absagen zum schlechten Abschneiden bei. So fehlten mit Maximilian Kleber, Daniel Theis, Elias Harris und Maik Zirbes gleich vier Spieler, die als feste Bestandteile der Rotation vorgesehen waren.

Nowitzki rät Schröder zur Nationalmannschaft

Und so zog Fleming trotzdem ein positives Fazit. "Die junge Generation des deutschen Basketballs hat viel Erfahrung gesammelt", sagte der Coach und meinte damit vor allem Schröder, Zipser und Maodo Lo, die vielversprechende Leistungen zeigten. "Wir hatten vier ganz knappe Spiele, im Normalfall gewinnst du mindestens eines davon. Die Spanier haben auch nicht immer alles gewonnen, die sind auch gewachsen."

Insbesondere Schröder könnte die EM-Erfahrung weiterbringen. "Dennis spielt in Atlanta eine ganz andere Rolle. Er ist dort nicht so wichtig, wie er es für uns ist", sagte Fleming. Aufgrund der harten NBA-Saison mit allein 82 Partien in der Regular Season ist aber fraglich, wie lange Schröder noch für die Nationalmannschaft antreten wird. Sollte er mit Atlanta im kommenden Jahr wieder das NBA-Halbfinale erreichen, hätte er zwei Jahre durchgespielt.

Nowitzki jedenfalls rät Schröder, weiter für Deutschland zu spielen: "Mir hat die Nationalmannschaft immer viel gebracht, vor allem, als ich noch keine führende Rolle in meinem NBA-Team hatte."



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 42 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
WeyrichderErste 10.09.2015
1. Erhobenen Hauptes
Messbarer Erfolg ist nicht immer alles. Das deutsche Außenseiterteam war in jedem Spiel auf Augenhöhe und ist in einer bärenstarken Gruppe extrem unglücklich ausgeschieden. Schröder war großartig! Bei den nächsten Turnieren kann es positivere Resultate geben.
noalk 11.09.2015
2. es gab auch schon andere Zeiten
... in denen die deutsche BB-NM als Kanonenfutter diente und deklassiert wurde. Diese Zeiten scheinen vorbei. Die Mannschaft hat ein Potenzial, das für die Zukunft hoffen lässt.
kritik² 11.09.2015
3. Deutsches Team nicht abgezockt genug!
Deutschland hat die Spiele gegen Serbien, Italien und Spanien knapp verloren, weil das Team nicht abgeklärt genug ist. Wenn es drauf an kam zeigten sie Nerven. Was hätte es den gebracht wenn Schröder den dritten Freiwurf gemacht hätte? Die Verlängerung, in der man dann gegen Spanien verloren hätte. Nein, den dritten Freiwurf hätte er so gegen das Brett werfen müssen das er definitiv nicht rein geht und ein deutscher Spieler den Rebound holt und 2 Punkte macht. So hätte man gewonnen!
Nonvaio01 11.09.2015
4. mal ehrlich
harte lehre? welche erwartungen hatte man den? Die Deutsche Basketball Mannschaft ist wie die Eishockey mannschaft aus Kuwait. Dirk ist Weltklasse aber einer alleine kann er es nicht und er wird auch nicht juenger. Schroeder kommt nach, aber der ist dann auch alleine weil Dirk weg ist.
brooklyner 11.09.2015
5.
Irgendwie klappt es nicht ganz so gut, wie bei dem Versuch Halloween in Deutschland zu installieren. Gut, das war ein wenig polemisch, aber ein Kürnchen Wahrheit steckt hier schon drin. Auch wenn andauernd darüber berichtet wird und ich auch Pletzingers Berichte sehr schätze, Basketball hat noch einen langen Weg vor sich, bevor es die Massen begeistern kann.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.