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Bilanz der Basketball-EM: Viele Zuschauer, wenig Stimmung

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Nowitzki nach EM-Aus: NBA-Star sorgte für ausverkaufte Arena Zur Großansicht
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Nowitzki nach EM-Aus: NBA-Star sorgte für ausverkaufte Arena

Die Basketball-Europameisterschaft war ein Experiment, zum ersten Mal wurde sie in vier Ländern ausgetragen. Der Verband feiert Zuschauerrekorde - doch außerhalb der Halle hinterließ das Turnier kaum Spuren.

Die spanischen Basketballer waren der Spielverderber der Europameisterschaft: In Lille stoppte das Team um Superstar Pau Gasol Gastgeber Frankreich vor dem Finale. Es war die Revanche für zwei bittere Niederlagen, im EM-Halbfinale 2013 und bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land 2014. Am Sonntag krönten die Spanier ihren Triumph dann noch mit dem Titel, im Endspiel besiegten sie Litauen deutlich 80:63.

"Es war eine unglaubliche EM", sagte Gasol, der zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt wurde. "Daran werde ich für den Rest meines Lebens denken." Sein Team war mit zwei Niederlagen in der Vorrunde mäßig gestartet, hatte sich aber von Spiel zu Spiel gesteigert und vor allem im Halbfinale gegen Frankreich mit sehenswertem Teambasketball überzeugt.

Als großen Sieger feiert sich auch der Verband: Spaniens Sieg gegen Litauen verfolgten 27.372 Zuschauer, so viele wie noch nie bei einem Basketballspiel in Europa, verkündete Fiba Europe stolz. Auch insgesamt sei die EM mit rund 711.000 Zuschauern "ein Riesenerfolg". Zum Vergleich: Bei der EM in Slowenien vor zwei Jahren wurden nur 170.000 Karten verkauft.

Für das massiv gestiegene Interesse gibt es vor allem einen Grund: Erstmals wurde die EM in vier Ländern ausgetragen. Die Entscheidung dazu hatte der Verband aus der Not getroffen. Wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine hatte Fiba Europe dem ursprünglich vorgesehenen Ausrichter das Turnier entzogen. Dafür bekamen außer Frankreich (Vor- und Endrunde) drei weitere Länder den Zuschlag: Deutschland, Kroatien und Lettland durften jeweils eine Vorrundengruppe ausrichten.

Für den Deutschen Basketball Bund (DBB) war das eine glückliche Fügung: Nur die Konstellation, ein Turnier im eigenen Land zu spielen, veranlasste NBA-Profi Dirk Nowitzki nach vier Jahren Pause zur Rückkehr in die Nationalmannschaft. Zwar konnte auch der 37-Jährige das frühe Aus nicht verhindern, doch seine Teilnahme sorgte zumindest für durchweg ausverkaufte Spiele des DBB-Teams in Berlin.

"Müssen mehr als die Hardcore-Fans aktivieren"

Auch in Montpellier, Riga und Zagreb waren die Hallen voll. Doch die Aufteilung auf vier Länder hat auch Schattenseiten. So war in den sechs Tagen EM in Berlin keine Turnieratmosphäre spürbar: Wer Anfang September durch die Hauptstadt lief, bekam kaum etwas davon mit, dass hier gerade einige der besten Basketballer der Welt zu Gast waren.

"Da gibt es noch viel Spielraum", sagte Alexander Reil, Präsident der Basketball-Bundesliga (BBL), SPIEGEL ONLINE. "Wir wollen und müssen mehr als die Hardcore-Fans aktivieren. Um ein breiteres Publikum zu erreichen, müssen wir unsere Aktivitäten auch außerhalb der Arenen steigern." Der Liga-Präsident hätte sich gewünscht, die Popularität der NBA-Stars Nowitzki und Dennis Schröder stärker zu nutzen: "Wenn man Auftritte der beiden an prominenter Stelle organisiert hätte, hätte das sicher zusätzliches Interesse erzeugt."

Der DBB zieht dagegen eine positive Bilanz. Präsident Ingo Weiss hebt vor allem die Zahl der verkauften Tickets hervor, die in Berlin mit Abstand am höchsten war. Auch mit der TV-Quote (1,05 bis 1,46 Millionen) zeigt sich der Verband zufrieden.

Zur mangelnden Euphorie in Berlin sagt Weiss, der DBB habe es sich nicht leisten können, mehr Werbung zu machen: "Das würde fünf bis sechs Millionen Euro kosten." Zudem seien durch die Internationale Funkausstellung (Ifa), die zum gleichen Zeitpunkt in Berlin stattfand, viele Anzeigenflächen geblockt gewesen.

Weiss verteidigt sich weiter, man könne das öffentliche Interesse "nun mal nicht mit dem Fußball vergleichen". Auch BBL-Präsident Reil gibt zu, die Sportarten lebten in "komplett unterschiedlichen Welten".

Dennoch dürfte auch der europäische Fußballverband Uefa die Auswirkungen der Vier-Länder-EM genau analysieren. Denn in fünf Jahren tragen die Fußballer ihr Turnier sogar in 13 verschiedenen Ländern aus. Die Funktionäre werden sich Gedanken machen müssen, wie auch bei einer Veranstaltung mit Spielen in München, Bilbao, Baku und London eine Turnieratmosphäre entstehen kann.

Mitarbeit: Maximilian Rau

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1.
countrushmore 21.09.2015
Bei der alltäglichen medialen Omnipräsenz des Fußballs ist es natürlich schwer die Menschen für andere Sportarten zu überzeugen.
2. grosse Enttäuschung
blankesv 21.09.2015
woher soll denn die Stimmung kommen, wenn nicht mal das Finale im deutschen Fernsehen nicht übertragen wurde! Wenn Deutschland nicht mehr im Wettbewerb ist,dann braucht man auch nicht mehr das Finale zu zeigen. Mann muss es dann mit vielen Unterbrechungen und Störungen per Internet anschauen.
3.
andromeda793624 21.09.2015
Zitat von countrushmoreBei der alltäglichen medialen Omnipräsenz des Fußballs ist es natürlich schwer die Menschen für andere Sportarten zu überzeugen.
Du hast recht! Aber warum sind die in Spanien so begeistert? Dort ist doch auch Fußball die Nr.1,aber trotzdem schaffen sie den "Spagat" zu anderen Team-Sportarten!
4.
Boesor 21.09.2015
Zitat von countrushmoreBei der alltäglichen medialen Omnipräsenz des Fußballs ist es natürlich schwer die Menschen für andere Sportarten zu überzeugen.
ich weiß nicht, das reflexhafte "Der Fußball verdrängt alles" greift hier glaube ich zu kurz. Der dt. Basketball hatte mit Nowitzki und Schröder zwei im Inland sehr bekannte Basketballer im Aufgebot, sendeplätze bei den öffentlich rechtlichen und eben mit berlin die heimspiele. Vielleicht ist es einfach so das sich ganz ohne Medienmanipulation o.ä. mehr menschen für Fußball interessieren als für Basketball. Ist ja auch nicht schlimm
5. kein tv nach Deutschland
iceyyo 21.09.2015
ich war zum einen beim auftaktspiel ggn island in deer halle welches auf keinen fall ausverkauft war. zum anderen hat es mich mega angekotzt keine spiele im free tv sehen zu können. so dass ich die em dann kaum noch verfolgt habe.
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Basketball-Profi Schröder: Aus Braunschweig in die NBA

Nowitzki abgelöst: Dennis Schröder hatte die Basketball-Nationalmannschaft bei der EM geführt, der mittlerweile 37-Jährige Dirk Nowitzki ließ ihm den Vortritt. Diesen Status hatte sich der Spielmacher in den vergangenen Jahren verdient.

Durchbruch im zweiten NBA-Jahr: Schröder steigerte sich in der abgelaufenen Saison deutlich. Beim zweitbesten Team der regulären Saison, den Atlanta Hawks, zählte er zu den wichtigsten Spielern.

Eine rasante Entwicklung: 2012/2013 konnte er sich in der Bundesliga etablieren, wurde Allstar (siehe Bild), einige Monate später folgte der Sprung in die NBA.

Dort hatte er zunächst große Probleme, die Kritiker fühlten sich bestätigt. Dabei hatte auch der spätere Superstar Dirk Nowitzki (l.) zunächst Schwierigkeiten. Schröder wurde in seinem ersten Jahr kaum eingesetzt und auch zum Farmteam der Hawks abgeschoben.

Ganz anders sah es in der vergangenen Saison aus: Der deutsche Nationalspieler stand knapp 20 Minuten pro Partie auf dem Feld und erzielte dabei rund zehn Punkte, gab dazu im Schnitt vier Vorlagen und darf auch in wichtigen Phasen spielen. Das war im vergangenen Jahr noch ganz anders, oft durfte Schröder sogar nur zuschauen.

Mittlerweile hat sich der Point Guard jedoch an die anspruchsvolle Liga gewöhnt. Schröder weiß seine Schnelligkeit - seine wohl größte Stärke - nun besser einzusetzen. Dank seiner guten Defensive gestehen ihm die Hawks-Coaches auch Fehler im Angriff zu.

Dort hat Schröder auch an seinen Passfähigkeiten gearbeitet, er findet nun regelmäßig frei stehende Mitspieler und bedient diese.

Auch der Wurf ist deutlich konstanter geworden, die Verteidiger können mittlerweile nicht mehr absinken, sondern müssen den Spielmacher eng verteidigen - sonst werden sie so wie hier die Indiana Pacers bestraft.

Eines seiner stärksten Spiele machte Schröder im Dezember gegen die Dallas Mavericks und Dirk Nowitzki. Womöglich könnte der 21-Jährige der nächste deutsche NBA-Star werden. In Atlanta halten sie große Stücke auf den Point Guard.

Ähnlich geht es Bundestrainer Chris Fleming, der Schröder für die Heim-EM die Führungsrolle zuspricht. In der Qualifikation im vergangenen Sommer war Schröder bereits bester Punktesammler.

So gut die Rollenaufteilung zwischen Nowitzki (l.) und Schröder lief. Auf dem Feld gab es noch Abstimmungsprobleme – der Spielmacher war für den alternden Superstar oft zu schnell.


Basketball-Glossar
REUTERS
Zu einem Basketballteam gehören fünf Akteure. Auf der Eins spielt der Point Guard (Aufbau). Die Zwei hat der Shooting Guard inne, dessen vornehmliche Aufgabe es ist, Punkte zu erzielen. Die Drei ist der Small Forward, eine wendige Flügelkraft mit einem guten Wurf. Spieler, die auf der Zwei oder Drei eingesetzt werden können, heißen "Swingmen". Die Vier ist der Power Forward, ein kräftiger Spieler, der durch seine Größe auch für Rebounds prädestiniert ist. Auf der Fünf spielt der Center, der zumeist in Korbnähe agiert. Die Positionen Eins und Zwei bilden den Backcourt, Drei bis Fünf sind der Frontcourt.

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