Basketball-Ikone Magic Johnson "Dirk ist einer der Größten aller Zeiten"

Earvin "Magic" Johnson ist eine Basketball-Legende, mit den Los Angeles Lakers wurde er fünfmal NBA-Meister - was hält er von Dirk Nowitzki? Im Interview spricht Johnson über die Karriere des Deutschen, die Finalserie zwischen den Dallas Mavericks und Miami Heat sowie den Willen zum Gewinnen.

Nowitzki Ende Mai in Oklahoma City: "Was er gezeigt hat, war einfach phantastisch"
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Nowitzki Ende Mai in Oklahoma City: "Was er gezeigt hat, war einfach phantastisch"


SPIEGEL ONLINE: Herr Johnson, ist Miami nach dem Sieg in Dallas schon durch? Schließlich ist, seitdem das Heimrecht in den NBA-Finals im 2-3-2-Rhythmus wechselt, immer die Mannschaft Meister geworden, die nach einem 1:1-Zwischenstand Spiel drei gewonnen hat.

Johnson: Ich glaube nicht. Jedes Spiel hat seine eigenen Drehungen und Wendungen. Miami hat zwar die dritte Partie gewonnen; aber Dallas braucht doch nur einen Sieg, und schon ist alles wieder ausgeglichen. Niemand hat das Steuer in der Hand, bevor er nicht zuerst drei Partien gewonnen hat. Ich bin als Spieler in allen möglichen Situationen gewesen. Wir haben geführt in der Serie, wir haben zurückgelegen. Aber richtig kritisch wird es erst, wenn ein Team sein drittes Spiel gewonnen hat. Dann geht es für den Gegner um alles oder nichts.

SPIEGEL ONLINE: Dirk Nowitzki wird in den Playoffs bislang von allen Seiten gelobt. Wie schätzen Sie seine Leistungen ein?

Johnson: Dirk ist unglaublich. Was er gegen die Portland Trail Blazers, besonders gegen die Los Angeles Lakers und dann im Conference-Finale gegen Oklahoma gezeigt hat, war einfach phantastisch. Er hat sich mit seinen Leistungen in den Kreis der größten Basketballer aller Zeiten gespielt. Eine Meisterschaft würde seinen Status nur noch aufwerten. Dirk ist bislang nicht zu stoppen gewesen. Man sieht ganz deutlich, wie fokussiert er ist. Sein Wille, gewinnen zu wollen, ist unglaublich. Und diese Einstellung färbt auch auf seine Mitspieler ab. Mit seinem Spiel, seinem Verhalten und seiner Mentalität ist er ein echter Anführer geworden.

SPIEGEL ONLINE: Welche Unterschiede fallen Ihnen auf, wenn Sie den Nowitzki aus der Finalserie von 2006 mit dem von heute vergleichen?

Johnson: Dirk hat sich dramatisch geändert. Er ist mental viel stärker, kann es mit jedem aufnehmen. Früher hatte er Probleme damit, sich an die verschiedenen Spielertypen zu gewöhnen. Aber diese Probleme hat er nicht mehr. Er ist wirklich ein Superstar in dieser Liga, einer der besten Basketballer aller Zeiten. Dirk und LeBron James sind wahrscheinlich die beiden besten Spieler der diesjährigen Playoffs. Und wenn Sie eine Umfrage machen würden, würde die Mehrheit wahrscheinlich Dirk als ihren MVP (wertvollster Spieler, Anm. d. Red.) wählen. Er ist auf jeden Fall mein persönlicher MVP.

SPIEGEL ONLINE: Nowitzki und James gehören seit Jahren zu den Stars der Liga, sind aber beide noch ohne Meistertitel. Wem drücken Sie die Daumen?

Johnson: Beiden, denn beide haben für die Liga eine große Bedeutung. Und in Ihrer Aufzählung habe ich Jason Kidd (Point Guard der Mavericks, Anm. d. Red.) vermisst. Ich hoffe, dass er eines Tages auch endlich Meister wird, denn er ist für die NBA ebenfalls sehr wichtig. Schauen Sie auf seine Statistiken, unglaublich, eine großartige Karriere.

SPIEGEL ONLINE: Viele sehen die Finalserie als letzte Titelchance für die Dallas Mavericks. Was sagen Sie?

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Zweite Dallas-Pleite: Nowitzkis schicksalhafter letzter Wurf
Johnson: Ich sehe das anders. Für die Mannschaft in der jetzigen Besetzung mag es aufgrund des Alters einiger Spieler vielleicht die letzte Chance sein. Aber Mark Cuban ist ein großartiger Teambesitzer. Er hat einen wundervollen Job gemacht, um Nowitzki ein Team aufgebaut, und er wird das auch so weitermachen, wenn es diesmal nicht mit dem Titel klappen sollte. Mark ist ein angriffslustiger Clubbesitzer, er will gewinnen. Und das wird sich durch den Ausgang der Finalserie nicht ändern. Er wird immer eine konkurrenzfähige Mannschaft aufs Feld schicken, denn er ist selbst ein Wettkampftyp.

SPIEGEL ONLINE: Mit welcher Einstellung sollten Dallas' Spieler in die vierte Partie in der Nacht zu Mittwoch gehen? Trotz des Rückstands relaxt, um nicht zu verkrampfen? Oder sollten sie es wie ein alles entscheidendes, siebtes Spiel betrachten?

Johnson: Jeder Profi ist anders, alle Spieler bereiten sich unterschiedlich vor. Ich beispielsweise wollte vor Spielen wie diesen mit niemandem reden, habe mich in der Umkleidekabine in der hintersten Ecke versteckt, wenn die Journalisten reinkamen. Ich war launisch, reizbar, übergeschnappt. Einige Spieler sind lockerer als andere. Aber das Einzige, was zählt, ist, dass du bereit bist, wenn das Spiel beginnt. Das gilt auch für Dallas.

SPIEGEL ONLINE: Welche Faktoren werden Ihrer Meinung nach den Unterschied in der Serie ausmachen?

Johnson: Ganz klar die Rebounds und die Ersatzbänke. In Spiel eins und zwei hat jeweils die Mannschaft gewonnen, die mehr Rebounds geholt und mehr Punkte mit ihren Bankspielern erzielt hat. In der dritten Partie hatte Dallas zwar in beiden Kategorien leichte Vorteile; aber über eine gesamte Serie gesehen, kommt es immer darauf an, mehr Rebounds zu holen und besser von der Bank zu punkten als der Gegner.

Das Interview führte Heiko Oldörp

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Seite 1
UnitedEurope 07.06.2011
1. Titellos
Dirk ist einer der besten Spieler aller Zeiten! Es wäre nur schön, wenn das hier und auch im Spiegel mehr gewürdigt werden würde. Kaum ein Playoff Artikel, kaum jemand hat den Sweep gegen die Lakers mitbekommen ...
spon-1277755831106 07.06.2011
2. wir sind stolz
ich interessiere mich wenig für Basketball, aber dass ein Deutscher in die USA geht und einer der Besten in deren ureigensten Sportart wird, ist sehr sehr beeindruckend. Ich drücke Dirk beide Daumen für den Titel.
unifersahlscheni 07.06.2011
3. ...
Zitat von spon-1277755831106ich interessiere mich wenig für Basketball, aber dass ein Deutscher in die USA geht und einer der Besten in deren ureigensten Sportart wird, ist sehr sehr beeindruckend. Ich drücke Dirk beide Daumen für den Titel.
...sehe ich genauso, Respekt für Magic-Dirk. Und heute Abend gilt es wieder: Daumendrücken für des Deutschen liebsten Sportart Nummer 1: Fußball!!! ;---) Aserbaidschan : Deutschland
Shiraz, 07.06.2011
4. Eine Schwalbe...
Zitat von UnitedEuropeDirk ist einer der besten Spieler aller Zeiten! Es wäre nur schön, wenn das hier und auch im Spiegel mehr gewürdigt werden würde. Kaum ein Playoff Artikel, kaum jemand hat den Sweep gegen die Lakers mitbekommen ...
Basketball ist halt wie mir Fußball in den USA, spielt hierzulande keine große Rolle und geht deshalb unter. Schade für Dirk, aber er wird's verkraften.
Rasheed Wallace 07.06.2011
5. Dirk - Aushängeschild Deutschlands
Also ich bin kein Deutscher, aber was Dirk für die Deutschen macht, ist einfach die beste Werbung überhaupt! Da kann die Merkel noch so viel sabbern, der Dirk hat das Image der Deutschen in den USA gewaltig verbessert, das könnt ihr mir glauben! Und was man als Basketballspieler alles leistet, da könnten sich die Fussballer mal eine schöne Scheibe abschneiden! Keinem wäre es mehr zu gönnen als ihm, er hat den Titel sowas von verdient!! Aber ich glaube Miami ist einfach zu stark für Dallas... Hoffentlich liege ich falsch, go Mavs!
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