Basketball in Afrika Die vergessene Welt

Hakeem Olajuwon und Dikembe Mutombo waren nur die Vorboten: In Afrika schlummern reihenweise Basketballtalente, die nur entdeckt werden müssen. Das Basketball-Magazin "FIVE" über afrikanische Idole, Trainingsbedingungen und der Konkurrenzsportart Fußball.

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Center Dikembe Mutombo: Vom Fußball-Torhüter zum NBA-Profi
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Center Dikembe Mutombo: Vom Fußball-Torhüter zum NBA-Profi


Langsam geht die Sonne unter, doch die Hitze flimmert immer noch über das staubige Spielfeld. Einige Jungen laufen trotzdem hin und her. Ein anderer - deutlich größer als der Rest - springt, reißt eine Hand nach oben und blockt den Ball. Während der Gegenangriff läuft, baut sich der Junge auf, klopft sich den Staub von den Knien und klatscht in die Hände - vor seinem Tor.

Eine Szene, wie sie sich zwischen den Kapverdischen Inseln und dem Roten Meer, zwischen dem Mittelmeer und dem Kap der Guten Hoffnung täglich ereignet. Irgendwo in Afrika.

Zwei, die ebenfalls als Torhüter angefangen haben, sind Hakeem Olajuwon und Dikembe Mutombo. Später, als Profis, haben sie viele Bälle abgewehrt. Allerdings nicht als Keeper in den europäischen Fußballligen - sondern als Center in der NBA. Kein anderer Spieler hat so viele Blocks wie "The Dream" (3.830) oder "Mount Mutombo" (3.289). Dabei sind die beiden Afrikaner erst über Umwege zum Basketball gekommen. Kein Wunder, denn der Großteil der rund eine Milliarde Menschen auf dem "schwarzen Kontinent" kennt nur eine Religion: den Fußball.

"Wenn du in Nigeria aufwächst, spielst du Fußball, das ist einfach so", erklärt Olajuwon, der aus Lagos, der größten Stadt des Landes, stammt und mit den Houston Rockets zwei NBA-Titel (1994 und 1995) gewann. Während seiner Karriere galt "The Dream" als der Center mit der vielleicht besten Fußarbeit überhaupt.

Viele beginnen zu spät mit dem Basketball

Eine Meisterschaft gewann der aus Kinshasa (Demokratische Republik Kongo) stammende Mutombo zwar nicht, aber auch er legte eine Hall-of-Fame-Karriere hin. Und das, obwohl ihn sein älterer Bruder Ilo erst überreden musste, überhaupt mal auf den nächsten Freiplatz der Gegend mitzukommen. Damals war "Deke" bereits 16 Jahre alt, Olajuwon begann sogar erst mit 17 mit dem Basketballspielen.

Ein Jahr nach dem Nigerianer kam 1985 ein dritter bekannter Afrikaner in die NBA - der mittlerweile verstorbene Sudanese Manute Bol. Wie Olajuwon und Mutombo war auch er Center und kam erst im Alter von 16 Jahren zum Basketball. Mit 2,31 Meter Körpergröße ist Bol zusammen mit Gheorghe Muresan sogar der längste Spieler der Liga-Geschichte.

Kein Wunder, dass die Verantwortlichen der NBA-Klubs sich Ende der Achtziger Jahre die Hände rieben. Der afrikanische Kontinent schien viel Potential zu haben - besonders für Big Men. "You can't teach height" ist schließlich eines der ältesten Basketball-Mantras. Hollywood drehte sogar den Film "The Air Up There" mit Kevin Bacon, der einen College-Coach mimt, der in Afrika nach neuen Talenten sucht. Doch die Hoffnungen auf den nächsten Olajuwon oder Mutombo wurden bis heute nicht erfüllt. Denn die basketballrelevanten Probleme auf dem Kontinent sind immer noch dieselben.

Kein Geld für Hallen und die Ausbildung

Ein großes Hindernis ist etwa das späte Einstiegsalter. "Wir müssen es hinbekommen, dass die Kids im Alter von elf Jahren mit Basketball anfangen und dann damit aufwachsen", sagt Masai Ujiri. "Wer erst mit 17 oder 18 loslegt, kann keine Profikarriere haben. Viele versuchen deshalb, ihr Alter zu verbergen, um noch eine Chance zu bekommen." Ujiri stammt aus Nigeria und ist seit August 2010 General Manager der Denver Nuggets. Zudem ist er der Direktor des "Basketball without Borders Africa"-Programms der NBA. Das jährlich stattfindende Camp mit den 60 besten afrikanischen Talenten gibt es seit 2003.

Im vergangenen Jahr machte die Liga den nächsten Schritt, "weil wir glauben, dass Afrika bei der Entwicklung von Spielern so wichtig werden könnte wie West- und Osteuropa zusammen", so NBA-Commissioner David Stern. Unter der Leitung des Senegalesen Amadou Gallo Fall, der zwölf Jahre lang im Management der Dallas Mavericks gearbeitet hatte, wurde in Johannesburg ein Afrika-Büro der NBA eröffnet. "Unser Ziel ist es, Basketball an der gesellschaftlichen Basis wachsen zu lassen", so Fall gegenüber ESPN.com. "Eines der größten Hindernisse ist die fehlende Infrastruktur."

Fußball, dafür braucht man nicht mehr als einen Ball. Selbst eine Dose tut es. Basketball dagegen benötigt einen Ball, einen Korb sowie ein halbwegs ebenes Spielfeld. Afrika ist der ärmste Kontinent des Planeten, Investitionen in Basketballplätze, gute Hallen oder die Ausbildung der Trainer sind kaum finanzierbar. Ohne Plätze gibt es keine Spieler und ohne die kann es später auch keine Trainer geben. Ein Teufelskreis.

Lesen Sie im zweiten Teil: Wie sich die NBA in Afrika engagiert und warum die Basketballtalente dort das Dunken mit Fußbällen üben.

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