Spurs-Oldie Ginobili: Der alte Mann kann noch mehr
Die NBA-Finalspiele sind die Zeit für Comebacks. Erst führte Miamis Dwyane Wade die Heat zum Ausgleich, nun brachte Manu Ginobili San Antonio wieder in Führung. Der Argentinier trumpfte groß auf, als die Spurs eine komfortable Führung fast verspielt hatten.
Die 18.500 Zuschauer hielt es nicht mehr auf ihren Sitzen. Zunächst applaudierten sie ihm lautstark, ehe sie im Chor seinen Namen skandierten: Manu Ginobili, der gefeierte Spieler des Abends. "Maaaaanu, Maaaaanu", hallte es durch das Center von San Antonio. Es war Ende des dritten Viertels im fünften NBA-Finalduell, Ginobili stand an der Freiwurflinie und erhöhte für die Spurs auf 81:74.
"Ich habe mich wahnsinnig gefreut, als ich bemerkt habe, dass die Leute meinen Namen rufen", sagte Ginobili wenig später, als der 114:104-Erfolg der Spurs über die Miami Heat perfekt war. "Solch einen Moment habe ich gebraucht, um zu wissen, dass ich endgültig zurück bin." Schließlich war Ginobili auf Seiten San Antonios die große Enttäuschung der ersten vier Finalspiele. Doch in der fünften Partie kam der 35-Jährige eindrucksvoll zurück. Mit 24 Punkten, zehn Assists und ganz viel Führungsqualität.
Das komplette Spiel hinweg hatten die Spurs vor eigenem Publikum geführt. Im zweiten Viertel mit 17 Punkten (45:28), zu Beginn des dritten Viertels immerhin noch mit acht Punkten (68:60). Doch gegen Ende des dritten Spielabschnitts war der Vorsprung fast dahingeschmolzen. Miami schaffte den Anschluss zum 74:75, die Heat waren kurz davor, das Spiel zu drehen. Der Titelverteidiger war auf dem Weg zur 3:2-Führung in der Finalserie. Mit dann zwei Heimspielen im Rücken wäre Miami die erneute Meisterschaft wohl so gut wie sicher gewesen.
19:1-Lauf von San Antonio in der Schlussphase
Doch dann schlug die große Stunde von Ginobili. Er ging beherzt zum Korb, traf aus der Distanz oder verteilte zum Teil spektakuläre Assists - ihm gelang fast alles. Angeführt vom routinierten Flügelspieler legte San Antonio einen 19:1-Lauf aufs Parkett. Die Heat waren besiegt. Und Ginobili hatte sich die Sprechchöre redlich verdient.
Dabei hatte es vor ein paar Tagen noch den Eindruck gemacht, als habe der Argentinier das Basketballspielen verlernt. Phasenweise stolperte er nur über das Parkett und produzierte haarsträubende Ballverluste. Ausgerechnet Ginobili, der Erfahrene, der Olympiasieger von 2004, der eigentlich die Zuverlässigkeit in Person ist. "Ich weiß selbst nicht, was mit mir in den letzten Spielen los war", sagte Ginobili: "Dein Team ist in den Finals, es steht 2:2 - und du merkst, dass du deinen Jungs nicht helfen kannst. Das war sehr frustrierend für mich."
Doch vor allem dank Ginobili brauchen die Spurs nur noch einen Sieg, um die Meisterschaft nach San Antonio zu holen. Spiel sechs steigt in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in Miami. Für das vereinstreue Startrio Ginobili, Tim Duncan und Tony Parker könnte es die Krönung werden. Gemeinsam gewannen sie schon 2003, 2005 und 2007 den Titel. "Wir haben zusammen schon dermaßen viel erlebt", sagt Parker, "deshalb empfand ich es als sehr unfair, wie hart Manu in den vergangenen Tagen kritisiert wurde. Aber er ist ein großartiger Wettkampftyp, der auch mit solchen Situationen umgehen kann."
Häufig gehören Parker und Duncan die Schlagzeilen - doch Ginobili ist das wahre Gesicht der Spurs. Schließlich liegt San Antonio nur zweieinhalb Autostunden von der mexikanischen Grenze entfernt. Ein Großteil der Bevölkerung sind Latinos (etwa 63 Prozent der 1,3 Millionen), Spanisch wird in der Gegend fast häufiger gesprochen als Englisch. Aus diesem Grund ist der Argentinier Ginobili San Antonios "Local Hero".
Allerdings ist er auch so langsam in die Jahre gekommen. Er plagt sich regelmäßig mit Verletzungen, zuletzt im Knie und im Oberschenkel. Auch die Falten im Gesicht nehmen zu, die Glatze ist unweigerlich im Anmarsch. "Seit 16 Jahren bin ich Profibasketballer. Besonders in dieser Saison fällt es mir auf, dass ich nicht mehr der Jüngste bin", sagt Ginobili: "Die Knochen tun schneller weh als früher, ich brauche längere Pausen zur Erholung." Das Karrierende ist nahe. Doch zuvor will Ginobili seinen vierten NBA-Titel gewinnen. Und von den Spurs-Anhängern nochmals lautstark gefeiert werden.
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| NBA - Meister und MVPs seit 2000 | |||
| Jahr | Team | Season-MVP | Finals-MVP |
| 2013 | Miami Heat | L. James | L. James |
| 2012 | Miami Heat | L. James | L. James |
| 2011 | Dallas | D. Rose | D. Nowitzki |
| 2010 | LA Lakers | L. James | K. Bryant |
| 2009 | LA Lakers | L. James | K. Bryant |
| 2008 | Boston | K. Bryant | P. Pierce |
| 2007 | San Antonio | D. Nowitzki | T. Parker |
| 2006 | Miami | S. Nash | D. Wade |
| 2005 | San Antonio | S. Nash | T. Duncan |
| 2004 | Detroit | K. Garnett | C. Billups |
| 2003 | San Antonio | T. Duncan | T. Duncan |
| 2002 | LA Lakers | T. Duncan | S. O'Neal |
| 2001 | LA Lakers | A. Iverson | S. O'Neal |
| 2000 | LA Lakers | S. O'Neal | S. O'Neal |

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