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Basketball-Nationalspieler Chris Kaman Der zweite Mann

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Getty Images

Nationalspieler Kaman: Leistungsträger im deutschen Team

Nur mit einem starken Chris Kaman ist die Basketball-Nationalmannschaft gut genug für die Olympia-Qualifikation. Im deutschen Team ist der NBA-Center absoluter Leistungsträger. In der nordamerikanischen Profiliga droht ihm hingegen die Rolle als Ergänzungsspieler.

Nach dem Sieg gegen die Türkei beim Supercup in Bamberg stellte sich die deutsche Mannschaft für ein Gruppenfoto zusammen. Kapitän Steffen Hamann reckte die Trophäe für das Erreichen des zweiten Platzes in die Höhe, strahlte mit Teamkollege Johannes Herber um die Wette. Und der junge Tibor Pleiß legte Chris Kaman freundschaftlich den Arm um die Schulter.

Eine Geste mit Symbolcharakter. Denn anders als bei seinem NBA-Club, den Los Angeles Clippers, erfährt Kaman in der deutschen Nationalmannschaft derzeit eine Wertschätzung, die dem Center sichtlich guttut. Nachwuchsspieler Pleiß hätte allen Grund gehabt, den eingebürgerten Amerikaner kritisch zu betrachten. Denn dieser hatte mit hervorragenden Leistungen die Chancen für Pleiß, auf der Position des Centers direkter Konkurrent von Kaman zu werden und sich viele Einsatzminuten bei der EM in Litauen zu sichern, geschmälert.

Aber die deutsche Nationalmannschaft braucht Kaman, das weiß auch Pleiß. Ohne den erfahrenen Center wäre das Team wahrscheinlich nicht in der Lage, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Und es ist wohl auch dieses Gefühl, gebraucht zu werden, das Kaman nach drei Jahren Pause wieder für Deutschland spielen lässt. Denn bei den Los Angeles Clippers ist der 29-Jährige ein Auslaufmodell.

Kamans Ziel ist die Olympia-Teilnahme

2008 war Kaman wegen eines "übergeordneten nationalen Interesses" eingebürgert worden. Die Entscheidung rief damals viele Kritiker auf den Plan, doch mittlerweile sind sich alle einig: Nur mit Superstar Dirk Nowitzki ist die Qualifikation für die Olympischen Spiele nicht zu schaffen.

Wie wichtig Kaman für die deutsche Basketball-Nationalmannschaft ist, konnte er bereits in den ersten Testspielen vor der EM in Litauen zeigen: Gemeinsam mit Nowitzki war der 29-Jährige beim Supercup in Bambergbester Punktesammler im deutschen Team. Dabei ist der Center noch gar nicht in Topform. Sein letztes Saisonspiel in der NBA bestritt Kaman am 6. April, mit dem deutschen Team bereitet er sich erst seit dem 16. August vor. Davor hielt er sich eineinhalb Monate lang mit individuellem Training fit.

Dass Bundestrainer Dirk Bauermann trotzdem auf den Deutsch-Amerikaner setzt, spricht für Kamans Klasse. Der Coach musste für die Integration der beiden NBA-Stars mit der EM-Vorbereitung quasi von vorne anfangen, er ist sich aber dennoch sicher: "Ihr Mitwirken hebt unser Spiel basketballerisch um 50 Prozent an."

Kamans Teilnahme bei der EM in Litauen war dabei bis vor wenigen Wochen alles andere als sicher. Der 29-Jährige hatte sein Mitwirken von der Entscheidung Nowitzkis abhängig gemacht, bei dem Turnier dabei zu sein. Erst als der NBA-Champion sein endgültiges OK gab, konnte Bauermann auch mit Kaman planen. Der Tarifstreit in der NBA zwischen Liga und Profis, der den Saisonstart derzeit gefährdet, dürfte Kamans Entscheidung dabei noch erleichtert haben.

Über Ziele mit der deutschen Auswahl wollte Kaman nach seiner Ankunft in Deutschland nicht sprechen. Er freue sich einfach, "wieder dabei zu sein". Dass es aber ein klares Motiv für die Teilnahme an der EM gibt, darüber dürfte derweil kein Zweifel bestehen. Wie schon 2008 will Kaman mit der deutschen Mannschaft an den Olympischen Spielen teilnehmen. Um 2012 in London dabei zu sein, muss er daher mit der DBB-Auswahl in Litauen mindestens Sechster werden. Damit wäre das deutsche Team bei einem vorolympischen Turnier im kommenden Jahr startberechtigt. Nur bei einem Einzug ins EM-Finale wäre die direkte Olympia-Qualifikation gesichert.

NBA-Vertrag läuft aus

Die Teilnahme an den Sommerspielen wäre für die deutschen Basketballer ein großer Erfolg - und auch für Kaman persönlich. Seine Erfolge auf nationaler Ebene sind rar. In die NBA-Playoffs schaffte es der Center mit den Los Angeles Clippers bislang nur ein einziges Mal. Dass sich ein stärkerer Club für den 29-Jährigen interessieren könnte, ist mittlerweile eher unwahrscheinlich. Zwar schaffte Kaman in der Saison 2009/2010 ein Karrierehoch von durchschnittlich 18,5 Punkten und 9,3 Rebounds pro Spiel, die erstmalige Berufung ins All-Star-Team war die Folge.

Doch etliche Verletzungen haben den 120 Kilogramm schweren Center immer wieder zurückgeworfen: Nur in seiner ersten Saison absolvierte Kaman alle 82 Partien, allein in der abgelaufenen Spielzeit verpasste er 50 Auftritte seiner Mannschaft wegen einer Sprunggelenksverletzung. Der 23 Jahre alte Nachwuchsmann DeAndre Jordan hat Kamans Platz in der Startformation übernommen. Auch weil er besser zu den jungen Stars Blake Griffin und Eric Gordon passt.

Kamans variantenreiches Offensivspiel kann nicht über Defizite in der Defensive und beim Rebound hinwegtäuschen. Spieler seines Typs sind in der NBA nicht mehr gefragt. Junge, athletische und zugleich bewegliche Center drängen nach, Kraftpakete wie Andrew Bynum von den Los Angeles Lakers, Al Horford von den Atlanta Hawks - oder eben Kamans Teamkollege Jordan.

Im kommenden Jahr läuft Kamans Vertrag bei den Los Angeles Clippers aus. Gerüchten zufolge will sich der Club bald von seinem Großverdiener trennen - das Gehalt des Centers beträgt in der kommenden Saison rund zwölf Millionen Dollar. Bei Abschluss eines neuen Vertrags müsste Kaman wohl drastische Abstriche beim Gehalt machen.

Und als Spieler für die Startformation wird er in der NBA wahrscheinlich schon bald nicht mehr erste Wahl sein. In der deutschen Nationalmannschaft ist er aber kaum zu ersetzen.

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Der deutsche EM-Kader
  • dapd
    Guards: J. Herber (Frankfurt), S. Hamann (FC Bayern), H. Schaffartzik (Berlin), P. Schwethelm (FC Bayern), L. Staiger (Berlin)
    Forwards: R. Benzing, J. Jagla (beide FC Bayern), T. Ohlbrecht (ohne Verein), D. Nowitzki (Dallas Mavericks), S. Schultze (Berlin)
    Center: C. Kaman (Los Angeles Clippers), T. Pleiß (Bamberg)

Basketball-Glossar
REUTERS
Zu einem Basketballteam gehören fünf Akteure. Auf der Eins spielt der Point Guard (Aufbau). Die Zwei hat der Shooting Guard inne, dessen vornehmliche Aufgabe es ist, Punkte zu erzielen. Die Drei ist der Small Forward, eine wendige Flügelkraft mit einem guten Wurf. Spieler, die auf der Zwei oder Drei eingesetzt werden können, heißen "Swingmen". Die Vier ist der Power Forward, ein kräftiger Spieler, der durch seine Größe auch für Rebounds prädestiniert ist. Auf der Fünf spielt der Center, der zumeist in Korbnähe agiert. Die Positionen Eins und Zwei bilden den Backcourt, Drei bis Fünf sind der Frontcourt.
Basketball-Europameister
Jahr Team
2011 Spanien (98:85 vs Frankreich)
2009 Spanien (85:63 vs Serbien)
2007 Russland (60:59 vs Spanien)
2005 Griechenland (78:62 vs Deutschland)
2003 Litauen (93:84 vs Spanien)
2001 Serbien und Montenegro (78:69 vs Türkei)
1999 Italien (64:56 vs Spanien)
1997 Serbien und Montenegro (61:49 vs Italien)
1995 Serbien und Montenegro (96:90 vs Litauen)
1993 Deutschland (71:70 vs Russland)
1991 Jugoslawien (88:73 vs Italien)

Deutschlands EM-Bilanz seit 1991
Jahr Platz Abschneiden
2011 9 Zwischenrunde
2009 11 Zwischenrunde
2007 5 Viertelfinale
2005 2 Finale
2003 9 Zwischenrunde
2001 4 Halbfinale
1999 7 Viertelfinale
1997 12 Zwischenrunde
1995 10 Vorrunde
1993 1 Europameister
1991 - nicht qualifiziert




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