Basketball: Nationalspieler Staiger kehrt zurück nach Deutschland

Von Marco Plein

Plötzlicher Abschied: Weil sich Basketball-Nationalspieler Lucca Staiger an seinem College in den USA nicht mehr wohlfühlte, wird er mitten in der Saison nach Deutschland zurückkommen. Hier will sich der Flügelspieler in der Bundesliga durchsetzen. Wo, ist noch unklar.

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Basketballer Staiger: Abschied aus den USA

Irgendwann mal in der NBA spielen, davon träumen viele Basketballer. Auch Deutschlands Nationalspieler Lucca Staiger wollte es dorthin schaffen. Nun aber hat der 21-Jährige erkannt, dass sich dieser Wunsch kaum erfüllen dürfte. Und da er sich in seiner College-Mannschaft ohnehin sehr unwohl gefühlt hat, kehrt er Iowa State mitten in der Saison den Rücken und will fortan lieber für einen Bundesligaverein in Deutschland spielen.

"Es ist wichtig für mich, diesen Schritt jetzt zu bewältigen, weil sich diese Chance später nicht mehr bieten könnte", heißt es in einer Erklärung des 1,96 Meter großen Flügelspielers, der erst vor wenigen Wochen zehn Dreipunktewürfe in einem Spiel für Iowa State getroffen hatte. "Ich weiß, dass es kein guter Zeitpunkt ist. Da sich für mich aber die Möglichkeit ergeben hat, professionell in meinem Heimatland zu spielen, habe ich die Entscheidung getroffen."

Für welchen Verein Staiger in der deutschen Bundesliga spielen wird, ist noch nicht bekannt. Allerdings bestätigte Branchenführer Alba Berlin, in Kürze Gespräche mit ihm führen zu wollen. "In der Vergangenheit war er schon für uns interessant, jetzt ist er es natürlich auch", sagte Alba-Sprecher Justus Strauven SPIEGEL ONLINE.

"Lucca hat sich in seiner Rolle bei Iowa State nicht mehr wohlgefühlt", erläuterte Ralf Junge SPIEGEL ONLINE. Unter dem Trainer des Zweitligisten und Kooperationspartners von Alba Berlin, Ehingen/Urspringschule, hatte Staiger vor seinem Wechsel in die USA gespielt.

Lucca wie Luca

"Lucca wurde bei Iowa State als reiner Schütze angesehen. Seine Rolle im Angriff war sehr limitiert, aber er kann deutlich mehr. Er durfte es nur nicht zeigen. Bei Bayern München war Luca Toni auch nicht mehr mit seiner Situation zufrieden. Und jetzt schießt er in Rom auf einmal wieder Tore", sagte Junge, der erst vor wenigen Wochen selbst in die USA geflogen war, um die Situation mit Staiger zu besprechen. "Man muss sich also manchmal zu einem Wechsel entscheiden, wenn man mit seiner Rolle nicht mehr glücklich ist. Und da er unglücklich war und dazu immer wieder lukrative Angebote von Vereinen aus Europa erhielt, hat er sich nun zu dem Schritt entschlossen."

In der Nationalmannschaft unter Trainer Dirk Bauermann gilt Staiger als gesetzt für die Weltmeisterschaft, die im August und September in der Türkei stattfindet. "Mir wäre es lieber gewesen, er hätte die Saison in den USA zu Ende gespielt. Aber offenbar war der Leidensdruck so groß, dass er sich zu diesem Schritt entschieden hat", sagte Bauermann SPIEGEL ONLINE. "Das muss man akzeptieren. Wo die Grenze ist, muss der Spieler letztlich selbst entscheiden."

Vorwürfe in Internetforen: Egoismus und mangelnde Loyalität

An seinem College kam es zu negativen Reaktionen auf den plötzlichen Abgang des Deutschen. In Internetforen wird ihm Egoismus und mangelnde Loyalität vorgeworfen. "Wir sind sehr enttäuscht von seiner Entscheidung. Vor allem vom Zeitpunkt. Niemand hat diesen Schritt kommen sehen", sagte Iowa-State-Coach Greg McDermott dem US-Sportsender ESPN. "Sicherlich wird es Leute geben, die ihm diesen Schritt negativ auslegen. Lucca ist ja noch sehr jung. Aber wenn er sich erst mal in Deutschland bewiesen hat, dann wird das schnell vergessen sein", vermutete Junge.

Vor drei Jahren war Staiger in die USA gegangen, um sich dort über die Basketballausbildung an einem renommierten College möglichst gute Voraussetzungen für den Sprung in die NBA zu verschaffen. Nun heißt es in seiner Erklärung: "Ich habe gemerkt, dass dieser Traum unwahrscheinlich geworden ist."

"Wenn man als reiner Schütze gilt, erweckt man nicht so viel NBA-Interesse", sagte Junge. Da ein Wechsel innerhalb der USA aufgrund der strengen Regeln des Collegesports eine Sperre von einer Saison zur Folge gehabt hätte, "versucht Lucca nun, sich auf Spitzenniveau in Deutschland durchzusetzen", betonte Junge. "Ich traue ihm das allemal zu." Auch Bundestrainer Dirk Bauermann ist von Staigers Talent überzeugt, mahnt aber: "Wichtig ist, dass er nicht nur auf hohem Niveau trainiert, sondern auch spielt."

Mitarbeit: Sascha Klettke

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Zu einem Basketballteam gehören fünf Akteure. Auf der Eins spielt der Point Guard (Aufbau). Die Zwei hat der Shooting Guard inne, dessen vornehmliche Aufgabe es ist, Punkte zu erzielen. Die Drei ist der Small Forward, eine wendige Flügelkraft mit einem guten Wurf. Spieler, die auf der Zwei oder Drei eingesetzt werden können, heißen "Swingmen". Die Vier ist der Power Forward, ein kräftiger Spieler, der durch seine Größe auch für Rebounds prädestiniert ist. Auf der Fünf spielt der Center, der zumeist in Korbnähe agiert. Die Positionen Eins und Zwei bilden den Backcourt, Drei bis Fünf sind der Frontcourt.

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