NBA-Profi Jakob Pöltl Biest am Brett

Erster und einziger Österreicher in der NBA: Jakob Pöltl steht in seinem zweiten Profijahr als Basketballer vor dem Durchbruch bei den Toronto Raptors. In seiner Heimat blieb das bislang beinahe unbemerkt.

Jakob Pöltl
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Jakob Pöltl


Wer neu in der NBA ist, wird "Rookie" genannt, und diese müssen zum Einstand meist singen oder tanzen, in jedem Fall: sich vor den Mannschaftskollegen zum Narren machen. Es ist ein Ritual und Jakob Pöltl blieb es nicht erspart. Seine Aufgabe: Er musste ein Jahr lang einen rosa Rucksack mit der "Eiskönigin", einer Disney-Figur, tragen. Schiefe Blicke waren dem 2,13 Meter-Riesen von den Toronto Raptors damit sicher.

Heute ist er den Rucksack los, die Blicke sind geblieben: Denn der österreichische Basketballprofi Pöltl spielt mittlerweile seine zweite NBA-Saison. "Ich habe alles schon einmal gesehen, jetzt zählt die Leistung, da gibt es keine Ausreden mehr", sagt der 22-Jährige und weiß: Der Welpenschutz ist weg.

Und offensichtlich ist das kein Nachteil. Es läuft nach bislang sechs Saisonspielen gut für den ersten und einzigen Österreicher in der besten Basketball-Liga der Welt. Pöltl holt im Schnitt fast dreimal mehr Punkte (neun) und mehr als doppelt so viele Rebounds (acht) pro Spiel im Vergleich zu seinem Premierenjahr. Mehr als 65 Prozent seiner Versuche landen im Korb, dazu blockt er im Schnitt zwei gegnerische Würfe - das sind aktuell ordentliche Werte für einen Center.

Jakob Pöltl blockt
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Jakob Pöltl blockt

Mit 14 Punkten in einer Partie erzielte Pöltl zuletzt einen neuen persönlichen Bestwert. In zwei anderen Spielen lieferte er jeweils mehr als zehn Punkte und zehn Rebounds ab - die Amerikaner bezeichnen solche Statistiken als "Double-Double". Pöltl kommt zwar immer noch von der Bank, doch seine Spielzeit hat sich gegenüber der vergangenen Saison fast verdoppelt. 20 Minuten steht er bisher im Schnitt auf dem Parkett.

"Ich kenne alles schon aus der vergangenen Spielzeit. Es ist wie in meiner zweiten College-Saison: Ich fühle mich wohler und selbstbewusster", sagt er. Pöltl hat den Sommer genutzt, um an seinen Fähigkeiten zu arbeiten. Er war unter anderem bei seinem Landsmann Stefan Weissenböck, der Individualtrainer beim deutschen Serienmeister Bamberg ist.

Zusammen feilten sie an Pöltls Spiel gegen athletische Gegner, seinem Wurf und seiner Treffsicherheit, die für großgewachsene NBA-Profis wichtiger geworden ist. Schließlich sind die Zeiten schon lange vorbei, in denen Schränke wie Pöltl einfach unter dem Korb "geparkt" wurden, um Rebounds zu holen oder Würfe zu blocken.

Das harte Training im Sommer scheint sich gelohnt zu haben. Auch die Konkurrenz hat den jungen Österreicher registriert. "Er ist ein Biest am Brett", sagte kürzlich Kevin Durant, Superstar der Golden State Warriors. Pöltls direkter Gegenspieler Zaza Pachulia, der ebenfalls für den aktuellen NBA-Champion spielt, sagte: "Der Junge ist wirklich gut."

Das wissen die Toronto Raptors schon länger. Der Klub hatte sich im vergangenen Jahr schon sehr früh Pöltl gesichert. Die Kanadier wählten ihn bei der Talentschau, der "Draft", an neunter Stelle aus. Mittlerweile hat der Verein den Vertrag mit dem Österreicher bis 2019 verlängert. Pöltl verdient umgerechnet etwa 2,4 Millionen Euro. Man ist sich sicher, seine Entwicklung geht noch weiter.

Dem "Austrian Hammer" - diesen Spitznamen haben ihm die Amerikaner nach einigen Dunkings verpasst - wird mit den Raptors vermutlich auch in dieser Saison wieder der Einzug in die Playoffs gelingen.

Im Sommer hielt sich das Interesse in Österreich noch in Grenzen, als der gebürtige Wiener und Sohn zweier ehemaliger Volleyball-Nationalspieler in der spielfreien Zeit seine Heimat besuchte. Manchmal sei er erkannt worden, sagt Pöltl, dann habe man ihn um Fotos gebeten. Aber es sei nicht so, dass er sich nicht mehr ungestört in der Öffentlichkeit bewegen könne. Vielleicht ändert sich das bald, und die Österreicher sehen im kommenden Mai genauer nach Amerika, wenn die Playoffs starten und Pöltl dabei sein sollte.

Für den ein oder anderen mag der Aufstieg noch wie ein Märchen klingen. Und, apropos: Den "Eiskönigin"-Rucksack hat Pöltl noch. Er werde ihn auf keinen Fall wegwerfen, sagt der Österreicher. "Er ist mir ein bisschen ans Herz gewachsen." Aber "nicht so sehr, dass ich ihn weiter tragen werde".



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
ItchyDE 01.11.2017
1.
Das Foto sollte eher unterschrieben sein mit 'Jakob Pöltl foult'. Wie er den Ball noch blocken will weiß ich beim besten Willen nicht.
Der_schmale_Grat 01.11.2017
2. Auf dem Radar
Der Mann ist gut und wird immer besser. Solche Zahlen, wie zu Beginn der zweiten Saison, sind schon gut, erst recht für Europäer. Und Finals MVP Durant und Pachulia verteilen jetzt auch nicht wahllos Komplimente wie der Weihnachtsmann Geschenke.
troy_mcclure 01.11.2017
3. Kein Schlechter
Für das junge Alter ist er schon echt gut und auf dem richtigen Weg. Wenn die Österreicher schon keine guten Fußballer mehr haben, dann klappt es jetzt ja vielleicht beim Basketball.
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