Basketball-Profi Kirilenko: "Ich habe jeden NBA-Star geblockt"

Andrei Kirilenko war lange ein etablierter NBA-Profi, im Sommer ging er zurück in seine Heimat Russland. Im Interview mit dem Basketball-Magazin "FIVE" spricht der 31-Jährige über die Gründe für seinen Wechsel, seine Zeit bei den Utah Jazz und eine mögliche Rückkehr nach Nordamerika.

Basketballer Kirilenko: "In Salt Lake City kam ich mir wie in einer phantastischen Welt vor" Zur Großansicht
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Basketballer Kirilenko: "In Salt Lake City kam ich mir wie in einer phantastischen Welt vor"

Frage: Herr Kirilenko, Sie haben auf die NBA verzichtet und sich entschieden, bei ZSKA Moskau zu spielen. Was war der wichtigste Faktor für den Wechsel?

Kirilenko: Ich würde nicht sagen, dass es einen ausschlaggebenden Faktor gab. Mir tat das Team leid. Ich wollte ZSKA helfen, die Euroleague und alle anderen Titel in dieser Saison zu gewinnen. Außerdem hat meine Familie eine Rolle gespielt. Ich wollte nicht schon wieder umziehen, nachdem wir Salt Lake City erst ein halbes Jahr zuvor verlassen hatten. Eine andere Sache ist, dass diese NBA-Saison sehr kurz und vollgepackt ist. Spieler haben teilweise vier oder fünf Partien in einer Woche, und es lässt sich bereits ein Verletzungstrend erkennen.

Frage: Können Sie sich in der kommenden Spielzeit eine Rückkehr in die NBA vorstellen?

Kirilenko: Ich wäre ein großes Risiko eingegangen, wenn ich noch mitten in der Saison in die NBA gewechselt wäre. Wenn es um eine mögliche Rückkehr nach dem Sommer geht, habe ich bereits durchblicken lassen, dass ich gerne wieder in der besten Liga der Welt spielen würde. Am Ende der Saison werde ich alle Angebote aus der NBA noch einmal überdenken, was aber nicht bedeutet, dass ich auf jeden Fall gehen werde.

Frage: Im Jahr 2001 sind Sie in die NBA gekommen. Wie war der Umzug von der Metropole Moskau ins beschauliche Salt Lake City?

Kirilenko: ZSKA und der russische Basketball im Allgemeinen befanden sich zu der Zeit im Umbruch. Es war damals nicht dieselbe Atmosphäre bei ZSKA wie heute. Heute kommt die Stimmung der bei einem NBA-Team sehr nahe. In Salt Lake City kam ich mir wie in einer neuen, phantastischen Welt vor. Ich wurde herzlich empfangen und habe mich auf Anhieb in die Stadt mit ihren freundlichen Menschen verliebt.

Frage: Damals spielte bei den Utah Jazz noch das legendäre Duo John Stockton und Karl Malone. Sie waren 20 Jahre alt, wie war es, mit diesen Basketball-Legenden zusammen zu spielen?

Kirilenko: Ich habe jeden Moment, den ich mit ihnen verbracht habe, genossen und in Ehren gehalten. Sie sind große Persönlichkeiten und haben mich sehr gut behandelt. Ich kann nicht sagen, dass wir enge Freunde waren, aber sie waren immer bereit, mit mir über alles zu diskutieren oder mir mit Ratschlägen zu helfen. Ich bin stolz darauf, dass sie mir auf dem Parkett vertraut haben, wir hatten tolle Jahre zusammen. Zudem sollte ich noch einen anderen großartigen Jazzer erwähnen. Jeff Hornacek hat mit mir an meinem Wurf gearbeitet und mich zu einem deutlich besseren Werfer gemacht.

Frage: Welche Höhe- und Tiefpunkte sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Kirilenko: Ich habe eine ganze Menge guter Erinnerungen. Wir haben ein paar großartige Spielzeiten gehabt, unglaubliche Playoffserien gespielt. Ich war der erste Russe, der jemals in einem Allstar-Game gespielt hat. Ich habe die NBA bei den Blocks angeführt und wohl jeden NBA-Star geblockt, den es gibt. Was die Tiefpunkte angeht: Die Verletzungen stehen dabei sicher im Vordergrund.

Frage: Sie werden im Februar 31 Jahre alt. Wie lange werden Sie noch spielen?

Kirilenko: Ich denke, dass ich noch drei oder vier Jahre auf Top-Niveau in mir habe. Aber ich denke nicht daran, meine Karriere irgendwo langsam ausklingen zu lassen. In dem Moment, in dem ich sehe, dass ich nicht mehr auf dem höchsten Niveau mithalten kann, werde ich sofort zurücktreten.

Frage: Im Sommer könnten Sie sich zum dritten und vielleicht letzten Mal für die Olympischen Sommerspiele qualifizieren. Was ist mit der russischen Nationalmannschaft möglich?

Kirilenko: Ich denke, wenn das Team USA mit seinen besten Akteuren antritt, braucht man eine Menge Glück, um den ganz großen Wurf zu landen. Meiner Meinung nach sind wir nicht nur stark genug, um es nach London zu schaffen, sondern wir sind auch in der Lage, dort um die Medaillen mitzuspielen. Zunächst müssen wir aber gesund bleiben und das Qualifikationsturnier ernst nehmen.

Das Gespräch führte David Hein

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1. Aha.
johanna_v_w.-a. 10.04.2012
Verzeihen Sie bitte vielmals, es ist ja schön, daß auch mal über andere Sportarten als Fußball berichtet wird. Aber. Kirilenko? Utah Jazz? Basketball in den USA? Und viel zu berichten hat der junge Mann ja nun auch nicht. Ich hätte ein interview mit einem weißrussischen Eiskunstläufer aus der Nachwuchsrunde interessanter gefunden. Da wäre immerhin der Faktor Exotik im Spiel gewesen, obwohl Belorussland ja nur ein paar hundert Kilometer entfernt liegt. Aber bitte, gern. Es kostet ja nichts!
2. Warum?
Ostwestfale 10.04.2012
Zitat von johanna_v_w.-a.Verzeihen Sie bitte vielmals, es ist ja schön, daß auch mal über andere Sportarten als Fußball berichtet wird. Aber. Kirilenko? Utah Jazz? Basketball in den USA? Und viel zu berichten hat der junge Mann ja nun auch nicht. Ich hätte ein interview mit einem weißrussischen Eiskunstläufer aus der Nachwuchsrunde interessanter gefunden. Da wäre immerhin der Faktor Exotik im Spiel gewesen, obwohl Belorussland ja nur ein paar hundert Kilometer entfernt liegt. Aber bitte, gern. Es kostet ja nichts!
Bei Posting wie Ihrem frage ich mich immer, warum jemand seinen/ihren "Senf" zu Sachen hinzugeben muss, die sie oder ihn nun überhaupt nicht interessiert? Ob Sie es glauben oder nicht, es gibt auch in Deutschland eine nicht gerade kleine Zahl an interessierten Lesern über US-Basketball.Vielleicht haben Sie ja den Namen Dirk Nowitzki irgendwann in ihrem Leben ja schon mal gehört.Wenn nicht auch egal, aber der Mann ist letztes jahr zu Deutschlands Sportler des jahres gewählt worden und das, obwohl er in den USA Basketball spielt. Andrej Kirilenko ist so was wie der "russische Dirk Nowitzki" und gehörte über Jahre ebenfalls zu den besten Europäern in der NBA.Und wenn so jemand dann mit Anfang dreißig die stärkste Liga der Welt verlässt finde ich ist das schon eine Erwähnug wert.Warum soll SPON also nicht auf dieses Interview verweisen?
3.
Infared83 10.04.2012
Zitat von johanna_v_w.-a.Verzeihen Sie bitte vielmals, es ist ja schön, daß auch mal über andere Sportarten als Fußball berichtet wird. Aber. Kirilenko? Utah Jazz? Basketball in den USA? Und viel zu berichten hat der junge Mann ja nun auch nicht. Ich hätte ein interview mit einem weißrussischen Eiskunstläufer aus der Nachwuchsrunde interessanter gefunden. Da wäre immerhin der Faktor Exotik im Spiel gewesen, obwohl Belorussland ja nur ein paar hundert Kilometer entfernt liegt. Aber bitte, gern. Es kostet ja nichts!
Verzeih bitte vielmals, aber wenn du lieber jungen Männern in engen Leggins beim Eislaufen zusiehst dann mach das. Wenn du aus diesem Grund keinen Schimmer von der US-Amerikanischen Basketballlige NBA hast und dir aus diesem Grund die Namen Kirilenko und Utah Jazz nichts sagen, dann überlese den Artikel doch einfach. Aber nur von deinem Wissensstand auf die Relevanz eines Artikels zu schließen ist wie soll ich das ausdrücken? Naja? Ich begrüße die Artikel, die sich nicht nur auf Fußball beziehen und wünsche mir insbesonders über den Basketball eine noch häufigere und ausführliche aber dann bitte auch vernünftige Berichterstattung.
4. Go Andrei!
Herbinho 10.04.2012
Kirilenko beweist, welch dominante Rolle ein Spieler, der in der NBA gerade "Mittelklasse" ist, in Europa spielen kann. Trotzdem hoffe ich, Kirilenko nächste Saison in der NBA wiederzusehen. Ohne seine ständigen Verletzungen hätte er das Zeug zum Superstar gehabt. In den 00er Jahren hat der die Liga übrigens in der Kategorie "Five-by-fives" angeführt, siehe: Double (basketball) - Wikipedia, the free encyclopedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Double_%28basketball%29) @Johanna: Etwas weniger Ignoranz würde Ihnen guttun. NBA-Basketball ist durchaus für viele Sportfans in Deutschland ein Thema.
5.
Allerweltschemiker 10.04.2012
Zitat von johanna_v_w.-a.Verzeihen Sie bitte vielmals, es ist ja schön, daß auch mal über andere Sportarten als Fußball berichtet wird. Aber. Kirilenko? Utah Jazz? Basketball in den USA? Und viel zu berichten hat der junge Mann ja nun auch nicht. Ich hätte ein interview mit einem weißrussischen Eiskunstläufer aus der Nachwuchsrunde interessanter gefunden. Da wäre immerhin der Faktor Exotik im Spiel gewesen, obwohl Belorussland ja nur ein paar hundert Kilometer entfernt liegt. Aber bitte, gern. Es kostet ja nichts!
Also mir hat der Artikel gefallen - auch wenn er nicht gerade Weltliteratur ist. Da ich in Salt Lake wohne und ab und zu mal zu einem Jazz Game gehe, habe ich mich gefreut in SPON mal was aus meiner momentanen Heimat zu lesen. Allerdings muss auch gesagt sein, dass das Jazz Management nicht so besonders ungluecklich war, dass Kirilenko gegangen ist...
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Zur Person
Andrei Kirilenko, geboren 1981, wurde schon im Alter von 15 Jahre Basketball-Profi bei ZSKA Moskau. 2001 wechselte er zu den Utah Jazz in die NBA und entwickelte sich schnell zu einem Leistungsträger. 2004 wurde er für das Allstar-Game nominiert. Mit der russischen Nationalmannschaft lief der Forward bislang zweimal bei Olympischen Spielen auf (2000 und 2008). 2007 führte er Russland zu EM-Gold, wurde bei dem Turnier als wertvollster Spieler (MVP) ausgezeichnet. 2011 holte er EM-Bronze. Im Oktober 2011 kehrte Kirilenko zu ZSKA zurück, da der NBA-Saisonstart wegen des Lockouts verschoben worden war.

Euroleague-MVPs seit 2001
Jahr Season-MVP Final-Four-MVP
2012 A. Kirilenko V. Spanoulis
2011 D. Diamantidis D. Diamantidis
2010 M. Teodosic J.C. Navarro
2009 J.C. Navarro V. Spanoulis
2008 R. Siskauskas T. Langdon
2007 T. Papaloukas D. Diamantidis
2006 A. Parker T. Papaloukas
2005 A. Parker S. Jasikevicius
2004 A. Sabonis A. Parker
2003 M. Türkcan D. Bodiroga
2002 D. Bodiroga D. Bodiroga
2001 D. Tomasevic M. Ginobili