Frage: Herr Kirilenko, Sie haben auf die NBA verzichtet und sich entschieden, bei ZSKA Moskau zu spielen. Was war der wichtigste Faktor für den Wechsel?
Kirilenko: Ich würde nicht sagen, dass es einen ausschlaggebenden Faktor gab. Mir tat das Team leid. Ich wollte ZSKA helfen, die Euroleague und alle anderen Titel in dieser Saison zu gewinnen. Außerdem hat meine Familie eine Rolle gespielt. Ich wollte nicht schon wieder umziehen, nachdem wir Salt Lake City erst ein halbes Jahr zuvor verlassen hatten. Eine andere Sache ist, dass diese NBA-Saison sehr kurz und vollgepackt ist. Spieler haben teilweise vier oder fünf Partien in einer Woche, und es lässt sich bereits ein Verletzungstrend erkennen.
Frage: Können Sie sich in der kommenden Spielzeit eine Rückkehr in die NBA vorstellen?
Kirilenko: Ich wäre ein großes Risiko eingegangen, wenn ich noch mitten in der Saison in die NBA gewechselt wäre. Wenn es um eine mögliche Rückkehr nach dem Sommer geht, habe ich bereits durchblicken lassen, dass ich gerne wieder in der besten Liga der Welt spielen würde. Am Ende der Saison werde ich alle Angebote aus der NBA noch einmal überdenken, was aber nicht bedeutet, dass ich auf jeden Fall gehen werde.
Frage: Im Jahr 2001 sind Sie in die NBA gekommen. Wie war der Umzug von der Metropole Moskau ins beschauliche Salt Lake City?
Kirilenko: ZSKA und der russische Basketball im Allgemeinen befanden sich zu der Zeit im Umbruch. Es war damals nicht dieselbe Atmosphäre bei ZSKA wie heute. Heute kommt die Stimmung der bei einem NBA-Team sehr nahe. In Salt Lake City kam ich mir wie in einer neuen, phantastischen Welt vor. Ich wurde herzlich empfangen und habe mich auf Anhieb in die Stadt mit ihren freundlichen Menschen verliebt.
Frage: Damals spielte bei den Utah Jazz noch das legendäre Duo John Stockton und Karl Malone. Sie waren 20 Jahre alt, wie war es, mit diesen Basketball-Legenden zusammen zu spielen?
Kirilenko: Ich habe jeden Moment, den ich mit ihnen verbracht habe, genossen und in Ehren gehalten. Sie sind große Persönlichkeiten und haben mich sehr gut behandelt. Ich kann nicht sagen, dass wir enge Freunde waren, aber sie waren immer bereit, mit mir über alles zu diskutieren oder mir mit Ratschlägen zu helfen. Ich bin stolz darauf, dass sie mir auf dem Parkett vertraut haben, wir hatten tolle Jahre zusammen. Zudem sollte ich noch einen anderen großartigen Jazzer erwähnen. Jeff Hornacek hat mit mir an meinem Wurf gearbeitet und mich zu einem deutlich besseren Werfer gemacht.
Frage: Welche Höhe- und Tiefpunkte sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Kirilenko: Ich habe eine ganze Menge guter Erinnerungen. Wir haben ein paar großartige Spielzeiten gehabt, unglaubliche Playoffserien gespielt. Ich war der erste Russe, der jemals in einem Allstar-Game gespielt hat. Ich habe die NBA bei den Blocks angeführt und wohl jeden NBA-Star geblockt, den es gibt. Was die Tiefpunkte angeht: Die Verletzungen stehen dabei sicher im Vordergrund.
Frage: Sie werden im Februar 31 Jahre alt. Wie lange werden Sie noch spielen?
Kirilenko: Ich denke, dass ich noch drei oder vier Jahre auf Top-Niveau in mir habe. Aber ich denke nicht daran, meine Karriere irgendwo langsam ausklingen zu lassen. In dem Moment, in dem ich sehe, dass ich nicht mehr auf dem höchsten Niveau mithalten kann, werde ich sofort zurücktreten.
Frage: Im Sommer könnten Sie sich zum dritten und vielleicht letzten Mal für die Olympischen Sommerspiele qualifizieren. Was ist mit der russischen Nationalmannschaft möglich?
Kirilenko: Ich denke, wenn das Team USA mit seinen besten Akteuren antritt, braucht man eine Menge Glück, um den ganz großen Wurf zu landen. Meiner Meinung nach sind wir nicht nur stark genug, um es nach London zu schaffen, sondern wir sind auch in der Lage, dort um die Medaillen mitzuspielen. Zunächst müssen wir aber gesund bleiben und das Qualifikationsturnier ernst nehmen.
Das Gespräch führte David Hein
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