Basketballer Schröder "Ich will so schnell wie möglich in die NBA"

Noch nie hat es ein deutscher Basketball-Spielmacher in die NBA geschafft - bis jetzt. Denn Dennis Schröder steht kurz vor dem Sprung in die beste Liga der Welt. Im Interview spricht der 19-Jährige über seine Leistungsexplosion und die Kritiker, die ihm Arroganz und fehlenden Respekt vorwerfen.

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Wenn die bislang wichtigste Entscheidung seiner Karriere fällt, wird Dennis Schröder zu Hause in Braunschweig im Kreise seiner Familie sein. Der Basketball-Nationalspieler hat nämlich keinen Einfluss darauf, was passieren wird. In der Nacht auf Freitag (1.30 Uhr) wählen die Teams der nordamerikanischen Profiliga NBA im alljährlichen Draft die hoffnungsvollsten Talente aus. Schröder ist eines von ihnen.

Spätestens im April beim Hoop Summit - einem Spiel der besten Talente der Welt gegen den US-Nachwuchs, bei dem einst auch Dirk Nowitzki auf sich aufmerksam machte - hatte der Spielmacher die Scouts der besten Basketballliga der Welt von sich überzeugt. Mit 18 Punkten und sechs Rebounds war Schröder einer der auffälligsten Akteure der Weltauswahl. Zuvor hatte der 19-Jährige in der Bundesliga mit durchschnittlich 12,0 Punkten und 3,2 Assists bei den Phantoms Braunschweig seinen Durchbruch gefeiert.

Die US-Experten rechnen damit, dass Schröder beim Draft in der ersten Runde ausgewählt wird. Großes Interesse sollen die Utah Jazz und Boston Celtics haben. Schröder wäre der erste deutsche Guard, der den Sprung in die NBA schafft. Insgesamt gelang dies überhaupt erst sechs Spielern sowie zwei später eingebürgerten Profis.

SPIEGEL ONLINE: Herr Schröder, vor einem Jahr waren Sie in Deutschland nur eingefleischten Basketball-Fans ein Begriff. Dann wurden Sie zum besten Nachwuchsspieler der BBL und zu einem hochgehandelten NBA-Talent. Haben Sie manchmal Angst, dass das alles nur ein Traum ist?

Schröder: Es hat sich alles extrem schnell entwickelt. Ich versuche, das alles zu genießen und daraus zu lernen. Alles geht so schnell, aber die ganze Fliegerei und das tägliche harte Training erinnert mich dran, dass es kein Traum ist. Genau das möchte ich ja. Lieber als zu Hause auf der Couch und nichts zu tun.

SPIEGEL ONLINE: Wie kommen Sie mit dem Hype zurecht, möglicherweise erster deutscher Guard in der NBA zu werden?

Schröder: Schritt für Schritt. Ich bleibe mir treu und weiß: Hard work pays off - harte Arbeit zahlt sich aus! Wir werden sehen, wie es nach der Draft weitergeht.

SPIEGEL ONLINE: In der abgelaufenen Saison haben Sie einen enormen Leistungssprung gemacht, plötzlich kamen die NBA-Scouts nach Braunschweig. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie es in die beste Liga der Welt schaffen können?

Schröder: Ich habe mich nicht viel darum gekümmert, denn meine Aufgabe war, hart zu trainieren, Spiele zu gewinnen und mich und meine Kollegen zu verbessern. Natürlich ist es ein wunderschönes Gefühl, aber hoffentlich ist das nur der Anfang einer sehr langen und schönen Reise.

SPIEGEL ONLINE: Sie sprechen in Interviews oft von der Extra-Arbeit neben dem eigentlichen Training. Was treibt Sie an?

Schröder: Mein Motto ist: Hard work pays off. Ich habe diesen Sprung nicht aus Zufall gemacht. Vergangenen Sommer habe ich viele Stunden mit Liviu Calin (Co-Trainer in Braunschweig und Schröders Entdecker, Anm. d. Red.) in der Halle gestanden und auch mit meinen Freunden. Die haben dann für mich die Rebounds geholt, während ich unzählige Würfe nahm. Zudem habe ich Dribbel-Übungen gemacht, Bewegungen trainiert. Einfach vieles sehr oft wiederholt.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben in den USA etliche Workouts absolviert, bei den Houston Rockets, Milwaukee Bucks, Boston Celtics, Dallas Mavericks, Philadelphia 76ers und Utah Jazz vorgespielt. Was haben die Clubs im Anschluss zu Ihnen gesagt, was waren die größten Kritikpunkte?

Schröder: Die sagen nicht viel. Normalerweise geht man im Anschluss noch einmal zusammen essen und plaudert ein wenig. Dann saß ich schon wieder im Flieger in die nächste Stadt.

SPIEGEL ONLINE: Und wo haben Sie Ihrer Meinung nach den besten Eindruck hinterlassen?

Schröder: Ich hatte ein paar gute Workouts, aber wer mich von denen am meisten gemocht hat, ist sehr schwer zu sagen.

SPIEGEL ONLINE: Beim Hoop Summit im April konnten Sie überzeugen. Bei Dirk Nowitzki lief es 1998 ähnlich. Gab es Kontakt zwischen Ihnen beiden, immerhin hat sich Nowitzki vor Kurzem sehr positiv über Sie geäußert?

Schröder: Ja, Dirk und ich haben uns in Dallas getroffen und nett unterhalten. Er ist ein super Typ.

SPIEGEL ONLINE: Die NBA-Clubs achten stärker als zuvor auf den Charakter und den Background ihrer potentiellen neuen Spieler. Sie selbst galten in Braunschweig lange Zeit als schwierig. Wurde da von den Teams nachgehakt?

Schröder: Die Teams fragen alles, aber sie haben auch den klaren Unterschied zwischen den beiden zurückliegenden Spielzeiten gesehen, in denen ich mich nicht nur auf dem Feld geändert habe. Vergangene Saison war ich nicht ein einziges Mal zu spät zum Training, habe immer hart trainiert und auch in den Spielen meine Leistung abrufen können.

SPIEGEL ONLINE: Was antworten Sie Kritikern, die Ihnen Arroganz, fehlenden Respekt oder Selbstverliebtheit vorwerfen?

Schröder: Es ist immer einfach, schnell über Menschen zu urteilen, die man nicht kennt. Mir ist immer wichtig, was meine Familie, Coaches und Teamkollegen über mich denken, denn die kennen mich und mit denen geht man durch dick und dünn.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Chancen, gedraftet zu werden, sind sehr hoch. Ihr Entdecker und Mentor Liviu Calin glaubt, es wäre ein Rückschritt, wenn sie wieder zurück in die Bundesliga gingen. Sind Sie der gleichen Meinung?

Schröder: Mein Ziel ist die NBA und ich möchte gerne so schnell wie möglich dort hin. Natürlich hoffe ich, dass das auch bald passiert.

Die Fragen stellte Maximilian Rau



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objektivemeinung 27.06.2013
1. Woher kommt er?
Aus welchem Land ist er bzw. sind seine Eltern eingewandert? Ich finde es gut, dass wenigstens im Sport junge Leute mit Migrationshintergrund gleiche Chancen haben. Auch Nowitzki hat ja polnische Wurzeln, Özil ist ja schon ein waschechter Türke oder Boxer wie Felix Sturm(Bosnier)...wäre toll wenn das für andere Lebensbereiche in Deutschland auch so wäre
homerjay81 27.06.2013
2. alles Gute für die Zukunft
Dennis Schröder gilt als einer der vielversprechendsten Point-Guards im diesjährigen Draft. Es ist eigentlich nicht mehr die Frage, ob er gedraftet wied, sondern nur von wem. Die aussichtsreichsten Kandidaten dürften die Jazz, Bucks und Mavericks sein. Egal wo er landet, ich wünsche ihm auf jeden Fall alles Gute für die Zukunft und viel Playtime. Wobei Dallas schon cool wäre.
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