Basketballer Jan-Hendrik Jagla: Dirk light

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Er sieht ihm täuschend ähnlich, spielt auf derselben Position und hat eine Mammutaufgabe vor sich: Jan-Hendrik Jagla vertritt Dirk Nowitzki in der Basketball-Nationalmannschaft bei der EM in Polen. Nebenbei soll er den jungen Spielern im Team die nötige internationale Härte beibringen.

DPA

Die Schuhe, die es zu füllen gilt, sind riesig - buchstäblich. Wenn die Deutsche Basketball-Nationalmannschaft ab dem 7. September bei der Europameisterschaft in Polen antritt, startet auf der Position des Power Forwards ein blonder Schlaks, über 2,10 Meter groß, ein echter Veteran mit reichlich internationaler Erfahrung. Ein flüchtiger Blick und man könnte ihn glatt für Dirk Nowitzki halten.

Doch es ist eben nicht der deutsche NBA-Export, der von seinem Club in Dallas gebeten wurde, dem Turnier mit Blick auf das Verletzungsrisiko und die Strapazen der nahen Saison doch bitte fernzubleiben. Stattdessen besetzt mit Jan-Hendrik Jagla der bisherige Nowitzki-Ersatz die Position Vier - und gilt für Bundestrainer Dirk Bauermann als eine der Stützen im runderneuerten und vor allem drastisch verjüngten Team des Deutschen Basketball-Bundes (DBB). "Da wird sich der eine oder andere sicher umgewöhnen müssen", sagt Jagla mit Blick auf die vielen Nachwuchsspieler, mit denen Deutschland in Polen antritt. "Das ist nicht mehr die Bundesliga, ProA oder ProB. Ich hoffe, wir können im Training vermitteln, wie schnell, hart und intensiv auf internationalem Niveau gespielt wird."

Und wenn es einen Spieler im DBB-Team gibt, der den Neulingen ein paar Lehrstunden in Sachen internationale Härte erteilen kann, dann ist es Jagla. Sein beruflicher Werdegang liest sich wie ein Reiseführer: Bei sechs Teams auf drei Kontinenten heuerte der gebürtige Berliner in den vergangenen sechs Jahren an.

Wie so viele deutsche Talente entstammt auch Jagla der Kaderschmiede des TuS Lichterfelde, Ableger des Profiteams von Alba Berlin. Hier sammelte er von 1999 bis 2001 Erfahrungen in der zweiten Liga.

US-College statt Basketball-Bundesliga

Anstatt jedoch in der Folge den Verlockungen des Rampenlichts und nicht unerheblicher Einnahmen in der Basketball-Bundesliga nachzugeben, entschied sich Jagla 2002 zum Sprung in die USA. Mit seiner Kombination aus Körpergröße, Treff- und Ballsicherheit erinnerte der Hüne nicht nur die Talentspäher der College-Ligen an den blonden Landsmann, der zeitgleich bei den Mavericks langsam die Rolle des Anführers übernahm.

Uni-Liga statt BBL, Studentenwohnheim statt schicker Wohnung - aber dafür eben auch eine solide Ausbildung als Spieler und Schüler. An der Pennsylvania State University absolvierte er bis 2004 drei Spielzeiten, führte das Team in seinem letzten Jahr in Punkten und Rebounds an - und fühlte sich bereit für das Abenteuer Profi-Basketball.

Bitterer Abschied aus Griechenland

Bei Aufsteiger Panellionis Athen in der ersten griechischen Liga bewahrheiteten sich jedoch die Befürchtungen von Bundestrainer Bauermann, der den damaligen Nachwuchsspieler vor dem radikalen Schritt gewarnt hatte. Harsch liest sich die Begründung für die Trennung nach nur vier Einsätzen. Jagla sei es nicht gelungen, "sich an die griechische Realität anzupassen und den Anforderungen der Mannschaft gerecht zu werden", ließ der Verein verlauten - so viel zum Thema Härte im internationalen Geschäft.

Mallorca, Ankara, Quakenbrück - überall hinterließ Jagla in den folgenden Jahren einen guten Eindruck, trotzdem hielt es ihn nirgends wirklich lange. Erst beim spanischen Erstligisten Joventut Badalona fand er für längere Zeit eine sportliche Heimat. An der Seite von Aufbauspieler Ricky Rubio gewann Jagla mit seinem Club den spanischen Pokal und den Uleb-Cup. Nachdem sein Vertrag jedoch im Sommer auslief, steht der Forward, wie so viele seiner DBB-Kollegen, im Moment noch ohne Arbeitgeber da. Da kommt die EM natürlich gerade recht, für Scouts der europäischen Vereine ist der Wettbewerb ein Pflichttermin.

Hohe Ziele für die EM - auch ohne den NBA-Superstar

"Ich fahre mit dem Ziel zur EM, die Qualifikation für die Weltmeisterschaft zu schaffen. Das wird sicher schwer, aber wenn man sich keine hohen Ziele setzt, braucht man gar nicht erst loszufahren", sagt Jagla mit Blick auf das Turnier im Sommer 2010 in der Türkei. Mindestens Platz acht müsste die deutsche Auswahl in Polen belegen, um sich das Ticket zu sichern.

Durch der Absage Nowitzkis und den eng damit verbundenen Verzicht Chris Kamans (Los Angeles Clippers) sind die Chancen des Bauermann-Teams sicher nicht gestiegen. Nach der überraschend erfolgreichen Vorbereitung mit Siegen gegen Vorrunden-Kontrahent Lettland und die starke Mannschaft der Türken scheinen die Lektionen von Jagla und Co. zum Thema internationale Härte jedoch angekommen zu sein.

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