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Recherchern zur WM 2022: BBC-Journalisten in Katar festgenommen

WM-Vorbereitung in Katar: In Doha wurden erneut Journalisten festgenommen Zur Großansicht
DPA

WM-Vorbereitung in Katar: In Doha wurden erneut Journalisten festgenommen

In Katar sind erneut Journalisten festgenommen worden. Im Zuge von Recherchen zu den Arbeitsbedingungen im Gastgeberland der WM 2022 wurde ein BBC-Team festgesetzt. Die Festnahme erhöhte auch den Druck auf die Fifa weiter.

In Katar sind abermals Journalisten wegen Recherchen rund um die Vorbereitungen auf die Fußballweltmeisterschaft 2022 festgenommen worden. Nach der Festsetzung einiger ARD-Journalisten Anfang Mai berichtet nun ein BBC-Korrespondent, zusammen mit seinem Team in Gewahrsam genommen worden zu sein. Nach eigener Darstellung blieb die Crew für zwei Nächte dort und erhielt ihre Ausrüstung bisher nicht zurück.

Die Journalisten waren in der Hauptstadt Doha unterwegs, um mit einem Gastarbeiter aus Nepal über die schlechten Arbeitsbedingungen während der WM-Vorbereitung zu reden. Laut dem BBC-Bericht haben Mitarbeiter des katarischen Geheimdiensts das Team befragt und Fotos gezeigt, die bewiesen, dass die Reporter bereits seit Tagen überwacht worden waren.

Das Land verteidigte die Festnahme, weil die Journalisten "in ein Privatgelände eingedrungen" seien. Das teilte die Regierung am Montag in Doha mit. Das BBC-Team hätte wenige Tage später eine Tour für Pressevertreter machen sollen, habe aber beschlossen, zuvor selbst Ortsbesuche zu machen. "Sie hätten - am helllichten Tag - die Camps besuchen können, in die sie in der Nacht einbrechen wollten", hieß es in der Erklärung des Emirats.

Wiederholte Recherchen zu unmenschlichen Arbeitsbedingungen

Bereits im Oktober 2013 sind ein deutscher TV-Produzent und sein Kameramann wegen "anti-katarischer Berichterstattung ohne Drehgenehmigung" im Gastgeberland festgenommen worden. Vor zwei Wochen folgte die Festsetzung von ARD-Reportern bei Dreharbeiten zu den Arbeitsbedingungen in dem Emirat. Sie wurden erst nach 14 Stunden wieder freigelassen und mussten fünf weitere Tage im Land bleiben. Auch hier begründete die Regierung das Vorgehen mit einer fehlenden Drehgenehmigung.

In der Dokumentation des ARD-Teams ging es unter anderem erneut um die als unmenschlich geltenden Arbeitsbedingungen auf den Großbaustellen Katars. Vor der WM 2022 in Katar sollen bereits Hunderte Arbeiter wegen Unfällen auf Baustellen oder wegen Erschöpfung gestorben sein. Laut Berichten der Internationalen Gewerkschaftsunion (ITUC) gab es zwischen 2011 und 2014 1400 tote Gastarbeiter aus Indien und Nepal.

Trotz der großen Kritik an der Vergabe will die Fifa das Turnier weiter in Katar durchführen lassen. Die erneute Festnahme befeuert jedoch die Diskussion um die Menschenrechte im Gastgeberland und erhöht auch den Druck auf den Fußball-Weltverband und dessen Präsidenten Joseph Blatter weiter.

aev/dpa

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insgesamt 25 Beiträge
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1. Mannomann!!!
dbrown 18.05.2015
Als wen so etwas den Blatter jucken würde!! Wohl eher hat er seine Schergen auf das Team der BBC angesetzt und diese einfach mal eben so festgesetzt. Jemand, der diese Bande von Mafiosi enttarnt hat doe sowieso schlechte Karten, und den ganzen Fußballfans ist es vollkommen egal, ob da Leute sterben oder nicht, Hauptsache, die WM findet statt und man kann wieder wie im Wahn 'Schlaaaand' schreien.
2.
aurichter 18.05.2015
Ich bin immer fester davon über zeugt, das diese Weltmeisterschaft nicht in herkömmlicher Art ablaufen wird. Es werden sich Länder wie bspw England finden, die, mit Bezug auf ihre nationalen Spielpläne, der WM22 berechtigterweise fern bleiben. Auch die bevorstehende Wahl bei der FIFA wird noch Auswirkungen dahingehend haben. Eine Farce das Ganze.
3.
milhouse_van_h. 18.05.2015
Zwar sollten Sportler nicht als politische Druckmittel eingesetzt werden (wie bei den Olymiaden in LA und Moskau), aber in diesem Fall spreche ich mir für einen Boykott der Fußball-WM 2022 durch Deutschland und idealerweise anderer Nationen aus Europa aus (gerne auch aus anderen Kontinenten). Zwar werden diese Nationen dann generell für Fußball WMs gesperrt, aber ich denke darauuf kann man es ankommen lassen.
4. warum gibts da keinen Aufschrei
Daniel Fleck 18.05.2015
Unser ehemaliger Bundesminister saß vor ein paar Tagen bei Stern TV un berichtete über die Verhältnisse und Andere auch und es passiert trotzdem nichts. Ich bokoytiere diese WM. Unsere Politiker und noch schlimmer unsere blinden und tauben Fussballverantwortlichen, Beckenbauer und Konsorten sollten sich schämen diese Unterdrückung zu unterstützen.
5. Und wieder schweigen Leute wie Beckenbauer...
poliwast 18.05.2015
Warum schweigen die großen dieses Landes weiter? Allein ein simples Statement von Beckenbauer, Löw oder auch Spielern wie Lahm oder Hummels wäre ein Zeichen von wahrer Größe! Stattdessen: Stille! Es scheint, als spielen monetäre Interessen eine größere Rolle...
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